In den 80ern noch in der Nati B, jetzt in der 3. Liga: Aufstieg und Fall des EHC Uzwil

Der Traditionsverein konnte vor 30 Jahren den Konkurs nur mit Mühe abwenden. Auch heute steht es mit den Finanzen nicht zum Besten.

Philipp Stutz
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Die erfolgreiche Uzwiler Mannschaft anfangs der ersten Nationalliga-B-Saison 1987/1988.

Die erfolgreiche Uzwiler Mannschaft anfangs der ersten Nationalliga-B-Saison 1987/1988.

Bild: PD

«Turbo McLaren schoss Uzwil in die Pole-Position», titelte der «Blick» am 8. September 1988 in Anlehnung an die Formel 1. Der EHC Uzwil überraschte damals die Eishockeywelt und zierte die Spitze der Rangliste der Nationalliga B. Die Kanadier Mark Taylor und Don McLaren bildeten ein kongeniales Stürmerduo und versetzten gegnerische Verteidigungen in Angst und Schrecken. Die Euphorie schien grenzenlos. Tausende Zuschauer besuchten die Heimspiele in der Uzehalle. Die Rede war gar von einem Aufstieg in die Nationalliga A.

Vier Mal spielte der 1941 gegründete Verein in der zweithöchsten Liga. Die sportlichen Höhepunkte waren von personellen und finanziellen Eklats begleitet. Der dreijährige Abstecher in die Nationalliga B (1987 bis 1990) riss ein Riesenloch in die Kasse des EHC Uzwil.

Die Kanadier Mark Taylor und Don McLaren waren die Topskorer der Saison 1988/1989.

Die Kanadier Mark Taylor und Don McLaren waren die Topskorer der Saison 1988/1989.

Bild: PD

Schuldenberg von rund einer Million Franken

1990, nach dem Abstieg in die 1. Liga, betrug der Schuldenberg rund eine Million Franken. Der Club stand vor dem Ruin. Die Vereinsspitze war neben dem Tagesgeschäft dauernd damit beschäftigt, Löcher zu stopfen und offene Rechnungen zu begleichen, Betreibungen abzuwehren und neue Finanzquellen zu erschliessen.

In dieser Situation traf sich eine Gruppe massgebender Persönlichkeiten um den EHC mit dem Ziel, den Bankrott abzuwenden. Geplant war die Bildung einer Auffanggesellschaft mit Solidarbürgschaft. Das heisst, die Mitglieder dieser Gruppe hafteten mit dem Vermögen (bei Privaten) oder mit dem Aktienkapital (bei Firmen).

Ehemaliger Präsident als tragende Figur

Ruedi Bleiker aus Herisau, Inhaber eines Teppichgeschäfts und Hauptsponsor, erklärte sich bereit, bei einer Solidarbürgschaft mitzumachen. Aber nur, wenn sich die Uzwiler auch aktiv beteiligen. Der Funken zündete und an dieser Sitzung kam es zu einer Solidarbürgschaft von 280'000 Franken.

Wichtig waren auch die Finanzhilfe der Arbeitgebervereinigung der Region Uzwil, ferner ein Entgegenkommen der SBG und das Einspringen der später ebenfalls ins Schlingern geratenen Bank in Nieder­uzwil, die in der Folge von der St.Galler Kantonalbank übernommen wurde. Albert Vincenz, ab 1990 im Vorstand und von 1992 bis 1996 Präsident, machte sich als Sanierer des hoch verschuldeten Clubs verdient. Ohne ihn hätte der EHC wohl die Bilanz deponieren müssen.

Ein weiterer Rückschlag im vergangenen Jahr

Noch heute ist es um die Finanzen nicht zum Besten bestellt. Vergangenes Jahr erlebte der Verein einen weiteren schwarzen Tag: Er musste seine Mannschaft aus der 1. Liga zurückziehen und spielt seither in der 3. Liga.

Doch gibt es einen Hoffnungsschimmer. So konnte der Verein ausstehende Forderungen bis Ende 2019 um rund 70 Prozent auf unter 100'000 Franken reduzieren. Mit dem Ex-Präsidenten hat sich der EHC Uzwil aussergerichtlich mittels Schlichtungsverfahren über eine bereits erfolgte Zahlung per Saldo aller Ansprüche im Betrage von 100'000 Franken geeinigt. Dieser Betrag wurde vollumfänglich zur Schuldentilgung verwendet. Damit konnte der Verein seine Schulden von über 300'000 auf unter 100'000 Franken reduzieren.

Weiterhin Fokus auf den Nachwuchs

Philipp Herzog, seit Sommer 2018 Präsident, zeigt sich zuversichtlich, dass der Verein wieder gesunden wird. Und die neue Vereinsführung ist überzeugt, die Finanzen in rund drei Jahren wieder ins Lot zu bringen.

«Unser Bestreben ist es, auf Nachwuchsebene weiterhin den Breiten- und Spitzensport auf allen Ebenen anbieten zu können sowie mittelfristig eigene Nachwuchsspieler in die Aktivmannschaft zu integrieren», heisst es in einem Schreiben an den Gemeinderat.

Der Förderung des Nachwuchses wird beim EHC Uzwil von jeher wichtige Bedeutung zugemessen, wie hier bei einem Swiss Hockey Day.

Der Förderung des Nachwuchses wird beim EHC Uzwil von jeher wichtige Bedeutung zugemessen, wie hier bei einem Swiss Hockey Day.

Bild: PD

Der Verein galt lange als Talentschmiede. Rekordnationalspieler Mathias Seger, Claudio und Sandro Moggi sowie Giovanni Conte haben ihre erfolgreiche Karriere beim EHC Uzwil begonnen. Wie Dutzende andere ehemalige Profis von Ivan und Thomas Griga über Vjeran Ivankovic und Emanuel Peter bis Michel Zeiter. Darunter auch Andy Ton und Kevin Fiala.

Wieder Clubgeschichte in der Uzehalle schreiben

Aber auch im gesellschaftlichen Bereich erfüllte der Verein eine wichtige Funktion. Der EHC machte den Namen Uzwil in allen Regionen der Schweiz bekannt. Wesentlich verantwortlich dafür war Fredi Leuenberger. Er gilt als Ikone des Vereins und engagierte sich wie kein Zweiter für den Club. Einst erfolgreicher Spieler, kümmerte sich Leuenberger vor allem um den Nachwuchs. Seine Söhne Lars und Sven waren als Spieler auf nationaler Ebene ebenso erfolgreich wie sein Bruder Hugo. Fredi Leuenberger erinnert sich:

«Der Höhepunkt meiner Karriere war der Aufstieg in die Nationalliga B. Nie zuvor habe ich derart viele Leute am Bahnhof gesehen wie bei unserer Rückkehr in Uzwil.»

Daran will der Verein wieder anknüpfen. Möglichst mit einer sanierten Uzehalle. Im erwähnten Schreiben an den Gemeinderat nehmen die «Hawks» auch Stellung zur Sanierung. Über den Kredit von rund sechs Millionen Franken hätte am 17. Mai abgestimmt werden sollen. Der Gemeinderat hat wegen der Pandemie die Urnenabstimmung auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der EHC stellt sich hinter die Investition: «Wir sind auf eine zeitgemässe, nachhaltige Infrastruktur angewiesen, weshalb wir die geplante Sanierung der Eishalle dringend befürworten und unterstützen.» Der Vorstand der EHC Uzwil Hawks ist überzeugt, dass auch in Zukunft Geschichten von bleibender Bedeutung in der Uzehalle geschrieben werden können.

Quelle: «Der vierte Aufstieg», verfasst von Armin Benz. Erschienen zum 75-jährigen Bestehen des EHC Uzwil.

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Tim Frei