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In Bazenheid bleibt der Schulraum noch zwei Jahre knapp

Mehr Kinder brauchen mehr Platz in der Schule: Dies bemerkte auch die Gemeinde Kirchberg Anfangs 2017. Eiligst musste deshalb in Bazenheid ein Provisorium gebaut werden. Doch bei der Bauvergabe gab es Fehler. Die Gemeinde zieht Lehren daraus.
Sandro Büchler
Unternehmer Ralph Weber vor dem Pavillon an der Neugasse in Bazenheid, der die Aufsichtsbeschwerde ausgelöst hat. (Bild: Simon Dudle, 8. Januar 2018)

Unternehmer Ralph Weber vor dem Pavillon an der Neugasse in Bazenheid, der die Aufsichtsbeschwerde ausgelöst hat. (Bild: Simon Dudle, 8. Januar 2018)

Hochnebel hängt an jenem Dienstag, dem 7. Februar 2017, über Kirchberg und Bazenheid, als der Gemeinderat den Entscheid trifft. Aufgrund von Wachstumsprognosen erkennen die Gemeindevertreter, dass die Schülerzahlen für den nächsten Schulstart im Sommer 2017 im Ortsteil Bazenheid höher sind als bisher angenommen. Es fehlen vier Klassenzimmer.

In aller Eile wird der Bau eines Schulpavillons an der Neugasse in Bazenheid, gleich neben der Primarschule, vorangetrieben. Mit rund 1,22 Millionen Franken schlägt der Bau am Schluss zu Buche. Das Problem: Bei der Bauvergabe an jenem Dienstag im Februar entschied die Gemeinde «freihändig», also in Eigenregie, welche Firma den Auftrag erhält. Schulratspräsident Orlando Simeon hatte zuvor von sechs Unternehmen Offerten eingeholt, den Zuschlag erhielt die Wohlgensinger AG aus Mosnang. Doch bei Bauprojekten über einer halben Million Franken hätte die Gemeinde ein «offenes» Verfahren anwenden müssen. Unternehmen hätten sich auf den Auftrag bewerben können und wären so von der Baukommission beurteilt worden.

«Der Mangel an Schulraum war vorhersehbar»

Ralph Weber, Unternehmer aus Kirchberg (Bild: PD)

Ralph Weber, Unternehmer aus Kirchberg (Bild: PD)

Die Weber Holzbau AG liegt nur einen Steinwurf vom Kirchberger Gemeindehaus weg. Ralph Weber, der für den Bau keine Offerte einreichen konnte, legte Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. Im September 2017 bestätigt das Gericht die Rechtswidrigkeit.

Weber will die Verfehlungen der Gemeinde nicht anprangern, aber publik machen. Zu diesem Zweck hat er auch eine Aufsichtsbeschwerde beim Kanton St.Gallen eingereicht. Das Departement des Inneren weist die Beschwerde nun zwar ab, hält aber fest, dass die Baueingabe der Gemeinde Kirchberg eigentlich «keine dringliche Ausgabe» gewesen sei. Denn: «Der Mangel an Schulraum war vorhersehbar», schreibt der Kanton. Weil dem Gemeinderat aber die Zeit davonlief und der Schulraum «notwendig» gewesen sei, hätte er die Ausgabe trotzdem tätigen dürfen. Dringende Ausgaben könne die Gemeinde aber nur beschliessen, wenn sie diese nicht selbst verschuldet hat, so der Kanton weiter. Kurzum: Die Gemeinde habe zwar unglücklich gehandelt, auch in ihrer Informationspolitik. Doch ein grobes Fehlverhalten könne man ihr nicht vorwerfen.

Pavillon soll mindestens 25 Jahre genutzt werden

«Wir haben den Entscheid zur Kenntnis genommen», sagt Orlando Simeon, der auch stellvertretender Gemeindepräsident von Kirchberg ist. Man werde das Resultat der Aufsichtsbeschwerde an der Gemeinderatssitzung am 23. Oktober besprechen. Über den Ausgang des Verfahrens soll anschliessend auch im Gemeindeblatt informiert werden, sagt Simeon. Auch Ralph Weber, der den Stein mit seiner Beschwerde gegen den Vergabeentscheid ins Rollen gebracht hat, quittiert den Entscheid mit den Worten:

«Damit ist die Sache für mich erledigt.»

Ein Weiterzug ist auch nicht möglich, denn der Entscheid ist nicht anfechtbar. Mit der Publikation im Gemeindeblatt wird voraussichtlich also das letzte Kapitel um die Bauvergabe des Schulraumprovisoriums geschrieben werden.

Orlando Simeon, Schulratspräsident von Kirchberg (Bild: PD)

Orlando Simeon, Schulratspräsident von Kirchberg (Bild: PD)

Doch wie geht es mit dem Stein des Anstosses, dem markanten zweistöckigen Gebäude an der Neugasse in Bazenheid, weiter? Orlando Simeon kennt die Zukunft des Holzbaus. «Wir wollen den Pavillon mindestens die nächsten 25 Jahre weiternutzen.» Aktuell werden darin zwei Klassen der Oberstufe unterrichtet. Ein Zimmer belegt eine Klasse des Einschulungsjahrs der Primarschule. Im vierten Raum hat das «Textile Werken» der Oberstufe Platz gefunden. Doch noch immer ist der Schulraum in Bazenheid knapp.

«Sogar ein Kellerraum, in dem früher der Öltank stand, wurde vor zwei Jahren zusammen mit dem ‹Zahnputzraum› zu einem Unterrichtszimmer umfunktioniert. Die Situation ist nach wie vor drastisch.»

Der Schulrat berechne zurzeit die Neueintritte in den Kindergarten. «Allenfalls müssen wir den Container, der hinter dem Pavillon an der Neugasse steht, nächstes Jahr aufstocken», erläutert Simeon. Mehr Platz für die Schulkinder der Gemeinde ist jedoch absehbar. Im Jahr 2020 werde das neue Primarschulgebäude an der Neugasse bezugsbereit sein, falls der Baukredit im November an der Urne genehmigt werde. Mit einem Jahr Verspätung wird im Sommer 2020 auch die Erweiterung der Oberstufe bezugsbereit sein. «Dann gibt es eine spürbare Entlastung», so der Schulratspräsident.

Im Sommer 2017 wurde das zweistöckige Provisorium gebaut. Vier Klassenzimmer finden Platz darin. (Bild: Urs Hemm, 6. Juli 2017)

Im Sommer 2017 wurde das zweistöckige Provisorium gebaut. Vier Klassenzimmer finden Platz darin. (Bild: Urs Hemm, 6. Juli 2017)

Die Bevölkerung wächst weiter

Der Holzpavillon werde dadurch aber nicht überflüssig. Er wird als Ausweichmöglichkeit genutzt. «Darin können dann allenfalls Primarklassen unterrichtet werden», erklärt Simeon. So könnte Raum für dringend benötigte Gruppenräume im Primarschulhaus Eichbüel geschaffen werden, denn aktuell habe die Schule dafür schlicht keinen Platz. Ebenfalls dürften neue Nutzungen im Provisorium möglich sein. Denn den bald 50-jährigen Spelterini-Pavillon will die Gemeinde abbrechen. Die heute noch darin untergebrachte Spielgruppe, die Logopädie sowie die Deutschkurse für Ausländer sollen unter Umständen in den jetzt noch mit Schulklassen besetzten Pavillon an der Neugasse zügeln.

Die Gemeinde hält zudem ein wachsames Auge auf die Entwicklung der Schülerzahlen. «Denn die Bevölkerung in Bazenheid wächst weiter», so Simeon. Das 2017 rasch nötig gewordene Schulraumprovisorium werde in den nächsten Jahren weiter genutzt. Und fügt an:

«Wir hätten die Bauten schon früher gebraucht.»

Auch dies sei eine Lehre aus dem gerügten Bauvergabeverfahren.

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