Immobilien boomen in der Region Wil: Preise und Leerstände steigen weiter

In der Wirtschaftsregion Wil wird immer noch intensiv gebaut. Gemäss einer Immobilienstudie der Credit Suisse ist die Leerstandsquote bei Eigentumswohnungen «stark angestiegen» und liegt aktuell bei knapp 1 Prozent. Bei den Mietwohnungen liegt sie zwei- bis dreimal höher. Das macht aber noch niemanden nervös.

Hans Suter
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Die tiefen Hypothekarzinsen und weitere Umstände haben in Wil neue Quartiere entstehen lassen wie hier an der St. Gallerstrasse. (Bild: Hans Suter)

Die tiefen Hypothekarzinsen und weitere Umstände haben in Wil neue Quartiere entstehen lassen wie hier an der St. Gallerstrasse. (Bild: Hans Suter)

Die Stadt Wil gilt für Investitionen in Immobilien als attraktiv. Das regionale Zentrum mit rund 24000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt in östlicher Richtung 30 Kilometer vor der Stadt St. Gallen und in westlicher Richtung 60 Kilometer vor Zürich. Distanzen, die dank guter Erschliessung mit dem öffentlichen wie auch mit dem Individualverkehr keine grösseren Hürden darstellen. Auch die Nähe zum Flughafen Kloten wird gerne als Pluspunkt aufgeführt.

Lage und Grundrisse entscheidend

Die wichtigsten Kriterien für gute Immobilien sind laut der neuen Immobilienstudie der Credit Suisse die Lage und die Grundrisse. Das ist zwar keine ganz neue Erkenntnis, gewinnt aber vor dem Hintergrund eines zunehmenden Verdrängungswettbewerbs schnell an Bedeutung. Denn in der jüngeren Vergangenheit hat die Leerstandsquote bei den Eigentumswohnungen in der Wirtschaftsregion Wil «stark zugenommen» auf knapp 1 Prozent, wie die Autoren der Studie festhalten. Bei den Mietwohnungen liegt sie in der Stadt Wil bei rund 3 Prozent. Einfamilienhäuser sind indes nicht betroffen.
Eigentümer pendeln heute weiter wegen der hohen Preise
Doch warum wird in der Region Wil so viel gebaut? Das hat mehrere Ursachen: tiefe Hypothekarzinsen, gute Konjunkturlage und der Umstand, dass Kauf heute oft günstiger ist als Miete. Hinzu kommt der Anlagenotstand bei institutionellen Anlegern wie Pensionskassen und Lebensversicherungen wegen der Negativzinsen. Es gibt aber noch einen weiteren Trend, der den Bauboom in der Region mitträgt: die Pendler. In grossen Städten wie Zürich ist das Wohnen für viele zu teuer geworden. «Die hohen Preise an zentralen Lagen treiben viele Eigentümer in weiter entfernte, günstigere Regionen», schreiben die Autoren der CS-Studie. Die Folge sind längere Pendelwege. Und im konkreten Fall höhere Immobilienpreise in der Wirtschaftsregion Wil, weil die Nachfrage gestiegen ist. Die Preise für Wohneigentum sind in der Stadt Wil sowie in umliegenden Gemeinden wie Zuzwil, Oberbüren oder Wilen so stark angestiegen, dass mittlerweile Wenigerverdienende ihrerseits an günstigere Orte ziehen.

Ungleichgewichte frühzeitig erkennen

Trotz höherer Leerstände steigen die Preise für Wohneigentum weiter. «Der jüngste Anstieg der Leerstände sollte nicht überbewertet werden», beruhigen die Autoren der Studie. «Dank tiefer Hypothekarzinsen bleibt der Wunsch nach Wohneigentum weit verbreitet, und die Haushalte suchen nach Mitteln und Wegen, um das strikte Regulierungsregime zu überwinden.» Zu hoch scheine das Angebot nicht zu sein, sonst hätten die Wohneigentumspreise im Vorjahr nicht spürbar zugelegt. Innert Jahresfrist belief sich das Plus bei mittleren Eigentumswohnungen auf 1,7 Prozent, bei Einfamilienhäusern auf 3,4 Prozent. Im Hochpreissegment sei indes eine Sättigung festzustellen. Für 2019 rechnen die Autoren der Studie mit einem anhaltend positiven Marktumfeld, vor allem dank der tiefen Hypothekarzinsen. Deren Wirkung werde allerdings durch die hohen Preisniveaus beträchtlich ausgebremst. «Eine sinkende Bautätigkeit ist deshalb notwendig, um grössere Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage zu verhindern.»