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Lohngleichheit: Frauen sind weiterhin im Nachteil

Wil, Oberuzwil und Degersheim: Sie haben die Charta für Lohngleichheit unterzeichnet. Doch nicht alle in der Region tun es ihnen gleich.
Tobias Söldi
«Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit»: Das hält der Artikel 8 in der Bundesverfassung fest. (Bild: Fotolia)

«Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit»: Das hält der Artikel 8 in der Bundesverfassung fest. (Bild: Fotolia)

Die Zahl erschüttert: 1455 Franken. Das verdient eine Frau pro Monat im Durchschnitt weniger als ihr männliches Pendant. So steht es auf der Plattform Lohngleichheit des Bundes für das Jahr 2016. Und das, obwohl der Grundsatz der Lohngleichheit für Frau und Mann seit 1981 in der Bundesverfassung verankert und seit 1996 im Gleichstellungsgesetz konkretisiert ist.

Ein Teil dieser Abweichungen lässt sich zwar durch objektive Faktoren erklären, etwa berufliche Stellung, Dienstjahre oder Ausbildungsniveau. 44 Prozent aber – 642 Franken – bleiben unerklärt, was eine potenzielle Lohndiskriminierung aufgrund des Geschlechtes bedeutet. Auch der öffentliche Sektor muss sich bei der Nase nehmen: Bei Angestellten des Bundes, der Kantone und der Gemeinden liegt der unerklärte Anteil im Durchschnitt bei 
35 Prozent, was 522 Franken pro Monat bedeutet. Lohngleichheit ist keine Selbstverständlichkeit.

«Zeigen, dass wir 
wirklich dazu stehen»

Monika Scherrer, Gemeindepräsidentin Degersheim

Monika Scherrer, Gemeindepräsidentin Degersheim

In der Gemeinde Degersheim ist man sich bewusst, dass Handlungsbedarf besteht. «Uns ist es sehr ernst. Die Lohngleichheit muss man wirklich umsetzen», sagt Gemeindepräsidentin Monika Scherrer. Um diesem Bemühen Gewicht zu verleihen, hat sie am 11. Juni die «Charta der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor» (siehe Kasten) unterschrieben. Scherrer sagt:

«Es ist eine Kultur, die man leben und verinnerlichen muss.»

Dass dies in den Büros der Gemeinde Degersheim bereits geschehe, zeigen etwa die vielen Abteilungen, die von Frauen geführt werden.

Den Ausschlag, die Charta zu unterschreiben, gab aber eine ganz praktische Überlegung: Es geschah nämlich im Zuge der ohnehin notwendigen Anpassung des Lohn- und Personalreglements. «Wir wollten auch nach Aussen zeigen, dass wir wirklich zur Gleichberechtigung stehen.» Was kommt nun auf die Gemeinde zu? «Im Moment noch nicht viel. Aber längerfristig bedeutet es, zu überprüfen, ob wir die Bedingungen einhalten, und wenn nicht, zu schauen, welche Massnahmen wir treffen müssen.» Man sei zudem verpflichtet, sicherzustellen, dass auch die Auftragnehmer der Gemeinde die Lohngleichheit einhielten.

Die Charta

Die Charta der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor wurde im September 2016 von Bundesrat Alain Berset zusammen mit kantonalen und kommunalen Regierungsmitgliedern lanciert. Mit der Unterzeichnung der Charta bekräftigen Behörden, Lohngleichheit in ihrem Einflussbereich umzusetzen – als Arbeitgebende, bei Ausschreibungen im öffentlichen Beschaffungswesen oder als Subventionsorgane. Das gemeinsame Engagement soll ein Signal an öffentliche und private Arbeitgebende aussenden. Die Charta kann von allen Kantonen und Gemeinden unterzeichnet werden. Bis heute haben dies 16 Kantone, 77 Gemeinden und der Bund getan. Im Kanton St. Gallen sind dies neben dem Kanton als solcher Wil, Oberuzwil, Degersheim und Rorschacherberg. Die Charta enthält keine verbindliche Rechtswirkung und keine Fristen. (pd)

Ihr Inhalt

Die Charta der Lohngleichheit beinhaltet folgende Punkte: (1) Die Sensibilisierung für das Bundesgesetz über die Gleichstellung von Mann und Frau. (2) Die Überprüfung der Einhaltung der Lohngleichheit in der öffentlichen Verwaltung. (3) Deren Förderung in den der öffentlichen Hand nahe stehenden Körperschaften. (4) Die Einhaltung der Lohngleichheit durch Kontrollmechanismen. (5) Die Information über die konkreten Ergebnisse dieses Engagements. (pd)

Die Stadt Wil hat 
eine Vorbildfunktion

Susanne Hartmann, Stadtpräsidentin Wil

Susanne Hartmann, Stadtpräsidentin Wil

Zu den Vorreitern gehört die Stadt Wil, welche die Charta am 6. September 2016 gleich nach der Lancierung unterzeichnet hatte.Stadtpräsidentin Susanne Hartmann erinnert sich:

«Ich war überrascht, dass wir die erste Gemeinde im Kanton waren.»

Bis heute haben vier Gemeinden im Kanton St. Gallen die Charta unterschrieben: neben Wil und Degersheim noch Oberuzwil und Rorschacherberg. Zum Vergleich: Im Thurgau sind es neun Gemeinden.

Auch Hartmann sagt: «Es gibt keinen Grund für einen Unterschied im Lohn zwischen Frauen und Männern.» Gewährleistet wird die Lohngleichheit in Wil durch ein Arbeitsplatzbewertungssystem, mit dessen Hilfe der Lohn eines Jobs bestimmt wird. Faktoren wie die Erfahrung des Arbeitnehmenden, die Aufgabenbreite oder die Ausbildung spielen hier eine Rolle. «Das Geschlecht ist darin kein Parameter», sagt Hartmann. Vor diesem Hintergrund sei die Unterzeichnung der Charta auch ein Zeichen gewesen, das der weiteren Sensibilisierung nach Innen und nach Aussen dient. «Wir haben eine Vorbildfunktion.»

Kein schlechtes 
Gewissen in Uzwil

Cornel Egger, Gemeindepräsident Oberuzwil

Cornel Egger, Gemeindepräsident Oberuzwil

Ähnliches hört man aus der Gemeinde Oberuzwil, welche die Charta im Februar dieses Jahres unterschrieben hatte. Es sei seit Jahren klar, dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit bei gleicher Ausbildung und Erfahrung den gleichen Lohn erhielten. Die Frage stellt sich allerdings: Warum eine Charta unterschreiben, wenn Gleichberechtigung doch längst eine Selbstverständlichkeit ist? «Uns ging es zuerst genauso», sagt Gemeindepräsident Cornel Egger.

«Durch das Unterzeichnen möchten wir auch zur Sensibilisierung beitragen und offen kommunizieren.»

Lucas Keel, Gemeindepräsident Uzwil

Lucas Keel, Gemeindepräsident Uzwil

Viele andere Gemeinden haben die Charta nicht unterschrieben, darunter etwa Uzwil. Ein schlechtes Gewissen will man sich deswegen aber nicht machen. «Unser Personalreglement und unsere Besoldungsstrukturen atmen den Geist der Gleichbehandlung», schreibt Gemeindepräsident Lucas Keel auf Anfrage. Das Thema Lohngerechtigkeit werde immer wieder diskutiert und überprüft, in allen Facetten. Zudem weist er darauf hin, dass die Leiterin des Personaldienstes eine Frau sei:

«Sie schaut auf das Thema Lohngleichheit und ist bei der Lohnfestsetzung dabei.»

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