Immer Ärger mit dem Schlafen

Wenn Eltern ihrem Kind früh lehren, mit Bedürfnissen und Frustrationen umzugehen, kommt es zu weniger Machtkämpfen um das Schlafen.

Ruth Bossert
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Der Kinderneurologe Oswald Hasselmann rät den Eltern zu Grenzen. (Bild: rb)

Der Kinderneurologe Oswald Hasselmann rät den Eltern zu Grenzen. (Bild: rb)

ESCHLIKON. Wenn Kleinkinder und Säuglinge nicht einschlafen können oder mehrmals in der Nacht erwachen und schreien, stresst das vor allem die Eltern. Dass hingegen die Eltern ihrerseits viel dazu beitragen können, dass die kindlichen Schlafstörungen erträglicher werden und sich schliesslich zu einem normalen Schlafverhalten entwickeln, erfuhren mehr als 40 junge Mütter und einige Väter am Montagabend im evangelischen Kirchgemeindehaus Eschlikon.

Kinderneurologe Oswald Hasselmann ist am Ostschweizer Kinderspital St. Gallen tätig und sprach auf Einladung des Kinder- und Jugendnetzes Eschlikon über ein Thema, das vielfältiger fast nicht sein könnte. Hasselmann warnte die Eltern aber, von ihm ein Patentrezept zu erwarten. «Schlafen ist ein individueller Prozess, bei dem es nicht nur die Eulen und die Lerchen zu beachten gebe, sondern auch die Bedürfnisse der jungen Familien.

Regeln und Grenzen

Hasselmann rät den Eltern, Kindern einen strukturierten Tagesablauf zu geben und ihnen damit zu zeigen, wann gegessen, gespielt und eben geschlafen wird. Dieser soziale Zeitgeber lehre das Kind bereits während der Stillphase, Wach- und Schlafphasen bewusst wahrzunehmen. Wenn Eltern bereits bei Kleinkindern darauf achten, dass es Regeln und Grenzen gibt, merken die Kinder, dass sie nicht jedem Impuls nachgeben müssen und auch mal wach im Bettchen liegen können, ohne zu schreien. Und wenn sich einmal Gewohnheiten eingeschlichen haben, wird es schwierig, sie wieder wegzubringen. Hasselmann rät den Eltern, Machtkämpfe zu vermeiden. Man komme aus dem Teufelskreis nicht mehr heraus. «Eltern müssen das Kind dirigieren, nicht umgekehrt. Lehrt ihnen, mit Frustrationen umzugehen.»

Konsequente Haltung

Wachphasen seien bei Kindern nichts Ungewöhnliches. Vielen Kindern fehle die Sicherheit, die Wachphasen in ihrem Bettchen zu überstehen und beginnen zu schreien oder schlüpfen in das Bett der Eltern. Ein Patentrezept konnte der Fachmann auch hier nicht geben. Was bei den einen in Ordnung sei, sei bei anderen Eltern ausgeschlossen. Wenn ein Dreijähriger noch nicht gelernt habe, alleine einzuschlafen und die Eltern bis zu eineinhalb Stunden neben ihm liegen müssen, sei es höchste Zeit, die Abmachung zu lockern. Es sei wichtig, dass Kinder lernen, die Bedürfnisse der Eltern zu akzeptieren.