Im Zwist mit dem realen Abbild

NEDERUZWIL. Der Niederuzwiler Künstler mit italienischen Wurzeln, Ruben Brogna, verbindet Fotografie und Malerei zu ungewöhnlichen Bildgestaltungen. Seine Motive bearbeitet er mit Computer und Ölfarben.

Christoph Hunziker
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Ruben Brogna findet seine Motive überall: Das Bild zeigt die Metro in Mailand aus einer anderen Perspektive. (Bild: Christoph Hunziker)

Ruben Brogna findet seine Motive überall: Das Bild zeigt die Metro in Mailand aus einer anderen Perspektive. (Bild: Christoph Hunziker)

NIEDERUZWIL. Man schaut hin und schaut noch einmal, staunt. Eine Fotografie? Oder doch ein Gemälde? Man rätselt, was das grosse Kunstwerk an der Wand in der Galerie zur alten Bank in Niederuzwil sein soll. «Weder noch, oder beides zugleich», erklärt der Künstler und Messebaudesigner Ruben Brogna.

Er bearbeitet seine Digitalaufnahmen mit Photoshop und entwickelt sie grossformatig – scheinbar so gewöhnlich und dann doch wieder so überraschend. Brogna verwischt mit seiner digitalen und manuellen Bearbeitungstechnik die Grenzen zwischen Fotografie und Gemaltem, zwischen Fiktion und Abbild der Realität. Nach dem Entwickeln überzeichnet er seine Bilder mit Ölfarben, steigert die Dynamik und macht bekannte Ansichten neu und einmalig: skizzierte Fotografie, im englischen Fachjargon «Sketched Photography».

Bilder aus dem Auto

Seine Motive findet der 44-Jährige in der Umgebung von Uzwil, auf dem Arbeitsweg nach Kirchberg, im Auto oder in den Metropolen Europas. Sie sind ebenso lokal wie global. «Manchmal suche ich aktiv nach geeigneten Sujets. Ich fotografiere, doch am Computer sieht dann wieder alles anders aus», erzählt der Niederuzwiler.

Seit der Kindheit spielt Kreativität und Kunst eine wichtige Rolle im Leben des gelernten Hochbauzeichners. Was anfänglich Arbeiten mit Blei-, Farb- und Kohlenstift sowie Pastellkreide waren, wandelte sich im Laufe der Zeit zu Ölmalerei, Fotografie und diversen Mischtechniken. Bei den Gemälden wurde er zu Beginn von seinem Vorbild, dem spanischen Künstler und bekanntesten Vertreter des Surrealismus, Salvador Dalí, inspiriert. Das erklärt auch, weshalb seine Bilder häufig vom Schein des Seins geprägt sind.

Wie ein Sog

Brognas Werke saugen Besucherblicke magisch auf. Dynamik ist seine höchste Maxime. Auf bestimmte Art und Weise vertritt er Dalís Ansichten noch heute, denn seine Bilder sind Fiktion und Abbild der Realität zugleich. «Das Skizzenhafte ist für mich von enormer Bedeutung. Eine mit Pinselstrichen übermalte Skizze verliert an Dynamik», sagt er unverblümt. So habe er eine Kombination aus Fotografie und Ölmalerei entwickelt . Im Laufe des Malprozesses verschmelzen Fotoansicht und innere Vision allmählich. Jedes seiner Werke erzählt eine eigene Geschichte. Es werden sowohl Erlebnisse, Träume und Wünsche, aber auch aktuelle Themen verarbeitet.

In Italien präsentierte er über mehrere Jahre mit der Associazione Culturale Benito Jacovitti, welcher er bis vor wenigen Jahren angehörte, seine Kunstwerke in Lokalen von Termoli.

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