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«Im Zweifelsfall umkehren oder einen anderen Weg nehmen»

Wesensbeurteilung Verhält sich ein Hund gegenüber anderen Hunden oder Menschen aggressiv oder beisst gar zu, kann das im Wesen des Hundes begründet sein. Bei entsprechenden Vorfällen ist das kantonale Veterinäramt befugt, einen Wesenstest bzw. eine Verhaltensbeurteilung anzuordnen. Doch was ist das? «Unter dem Wesen eines Hundes verstehen wir die Gesamtheit der angeborenen und erworbenen körperlichen und seelischen Anlagen, Eigenschaften und Fähigkeiten, die das Verhalten eines Hundes zur Umwelt bestimmen, gestalten und regeln», sagt Bruno Sicheneder. Der Gossauer ist Fachleiter Wesens­beurteilungen im Zentralvorstand des Schweizerischen Schäferhund-Clubs (SC). Er ist davon überzeugt, dass ein Wesenstest zuverlässige Informationen liefert. «Die Erfahrung bestätigt das», sagt Sicheneder, der auf eine langjährige Tätigkeit als Hundeführer bei der Kantonspolizei St. Gallen zurückblickt. «Bei den Schäferhunden sind nur Tiere mit gutem Wesensgrundgefüge zur Zucht zugelassen», unterstreicht er. Dazu zählen Wesenssicherheit, Nervenfestigkeit, mittleres Temperament, mittlere Härte, Führigkeit und Ausdauer sowie Gutartigkeit. Wichtig seien auch: erwünschte Reizveranlagung, Unerschrockenheit, gut entwickelter Schutztrieb.

Was aber ist mit einem Hund los, der aggressiv auf andere Hunde losgeht oder sie gar beisst? Das muss im Einzelfall ­beurteilt werden. Einerseits kann es um Dominanz und Rangordnung gehen, andererseits können Wesensmängel vorhanden sein. Wichtig ist auch die Erziehung des Tieres, sagt Sicheneder. Bellen oder knurren sich die Hunde an, sei es meistens nicht gefährlich. «Sind sie aber still ineinander verkeilt, geht es um Leben und Tod.» Etwa 50 Prozent des Wesens seien angeboren, die restlichen 50 Prozent erworben durch Umgang, Schulung und Training. «Ein Hund hat immer die Tendenz zum Rudelverhalten», sagt Bruno Sicheneder. Werde das Tier nicht klar in die Schranken gewiesen, versuche es fast automatisch, seinen Status im Rudel zu verbessern. Dabei mache der Hund keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier. Je nach Rasse versuche der Hund, sich überzuordnen. Ausdruck dessen sei häufig Befehlsver­weigerung. «Das Tier lotet die Grenzen geschickt aus», sagt Bruno Sicheneder. «Wer es zulässt, dass der Hund den Gehorsam verweigert und beispielsweise nicht reagiert, wenn er zurückgerufen wird, muss viel Training in die Korrektur investieren.» Sicheneder weist zudem darauf hin, dass es entgegen der weitverbreiteten Meinung keinen generellen Welpenschutz gibt. «Das gibt es nur im eigenen Rudel.» Der Hund habe zudem ein ausgeprägtes Territorial- und Revierverhalten. «Es liegt in der angeborenen Natur des Hundes, Rudel, Revier und Territorium zu verteidigen.» Bruno Sicheneder empfiehlt allen Hundehaltern, eine Hundeschule zu besuchen und nach Möglichkeit einem Hundeclub beizu­treten.

Im täglichen Umgang zwischen Hunden und Menschen rät Sicheneder, früh zu kommunizieren und den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. «Im Zweifelsfall lieber umkehren oder einen anderen Weg nehmen.»

Hans Suter

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