Schallschutzwände, Temporeduktion, Belagssanierung: Kanton geht gegen den Lärm an Flawils Hauptverkehrsstrasse vor 

Die Lärmbelastung an der Kantonsstrasse durch Flawil ist zu hoch. 78 Gebäude sind insgesamt tangiert. Nun soll saniert werden.

Andrea Häusler
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Wer an der St.Gallerstrasse wohnt, muss sich länger gedulden. Erst wenn der bestehende Strassenbelag seine Lebensdauer erreicht hat, wird er durch einen lärmdämmenden Belag ersetzt.

Wer an der St.Gallerstrasse wohnt, muss sich länger gedulden. Erst wenn der bestehende Strassenbelag seine Lebensdauer erreicht hat, wird er durch einen lärmdämmenden Belag ersetzt.

Bild: Andrea Häusler

Gelb ist die dominierende Farbe der Liegenschaften an der St.Gallerstrasse, beziehungsweise Wilerstrasse ausserhalb des Flawiler Ortszentrums. Freilich nicht in der Realität, jedoch auf den Plänen des kantonalen Tiefbauamts. Gelb steht für «Immissionsgrenzwert überschritten» und damit für «Sanierungszwang». Einzelne rote Objekte stehen für «Alarmwert erreicht oder überschritten».

Basierend auf der Dringlichkeit des Umweltschutz- gesetzes und der Lärmschutzverordnung hat nun das Tiefbauamt des Kantons St.Gallen ein Sanierungsprojekt erarbeitet. Der Flawiler Gemeinderat hat dieses genehmigt und in den vergangenen Wochen öffentlich aufgelegt. Die Einsprachefrist ist am Donnerstag abgelaufen. Ob Einsprachen eingegangen sind, konnte Sam Lanners, Projektleiter Fachstelle Immissionen im Kantonalen Tiefbauamt, gestern noch nicht sagen.

Grosse Wirkung lärmdämmender Beläge

Die Planung erstreckt sich über jene Abschnitte der Wiler-, beziehungsweise St.Gallerstrasse, welche nicht Teil des vom Volk bewilligten Sanierungsprojekts «Wiler-/St.Gallerstrasse im Abschnitt Isnyplatz bis Landbergstrasse» sind.

Zu hohen Imissionen ausgesetzt sind insgesamt 78 Bauten, wobei nicht bei allen sofortige Massnahmen geplant sind. Ein Beispiel: das Ortsmuseum Lindengut. Für dieses gilt, wie für mehrere Objekte in diesem Abschnitt der Staatsstrasse, dass die Immissionsgrenzwerte zwar überschritten sind, in den nächsten fünf Jahren aber keine Belagssanierung nötig ist. Ein sofortiger Ersatz des Teers durch einen sogenannten «Flüsterbelag» ist aus wirtschaftlichen Gründen kein Thema. Gleichzeitig sieht der Kanton aus «verkehrstechnischen Gründen» keine Geschwindigkeitsreduktion vor und der Bau von Schallschutzwänden scheitert an der Nähe des Gebäudes zur Strasse. Und weshalb werden hier nicht, wie an einigen anderen Gebäuden, Schallschutzfenster eingebaut? «Weil für diese Massnahme eine ‹wesentliche› Überschreitung des Imissions- grenzwerts Voraussetzung ist», sagt Sam Lanners. Tagsüber werden hier rund 67 Dezibel gemessen. Damit ist nicht einmal der «Alarmwert» erreicht, welcher im Kanton St.Gallen bei 68 Dezibel liegt. Wobei für einen Anstieg der Lärmbelastung um ein Dezibel ein um über 30 Prozent höheres Verkehrsaufkommen nötig ist, wie Lanners verdeutlichte.

Dank dem neuen Belag: Besserung im Westen

Überproportional besser sieht die Situation für die Grundeigentümer beziehungsweise die Bewohnerinnen und Bewohner von Liegenschaften an der Wilerstrasse aus. Hier plant der Kanton nämlich zwischen dem Einmünder Sägestrasse bis zur Gemeindegrenze nach dem Maestrani-Kreisel den Einbau eines lärmdämmenden Belags. Und zwar bereits im nächsten Jahr. In diesem Bereich verbleiben nach Umsetzung der geplanten Arbeiten lediglich noch zwei Liegenschaften, die nicht von der Farbe Gelb auf Grün wechseln.

Die Kosten für die Umsetzung des Lärmsanierungsprojekts werden vom Kanton getragen und belaufen sich auf 485572 Franken, wobei mit einem Bundesbeitrag von 131722 Franken gerechnet werden kann.