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Im Rollstuhl ins Gebirge

Die Schwarzenbacherin Annina Raschle nahm am Sonntag an der «SAC Wanderung für eine Person im Rollstuhl» teil. Trotz des schwierigen Aufstiegs und ungeachtet triefender Schweisstropfen legte die Truppe 14 Kilometer zurück.
Annina Quast
Vorsichtig wird der Trekkingrollstuhl von Freiwilligen über das holprige Gelände gefahren. (Bilder: PD)

Vorsichtig wird der Trekkingrollstuhl von Freiwilligen über das holprige Gelände gefahren. (Bilder: PD)

Vor gut einem Jahr sprang Annina Raschle in Schwarzenbach kopfvoran von einem Betonblock ins Wasser. Seither sitzt sie im Rollstuhl. Vergangenen Sonntag nahm die ehemalige Pfadfinderin an einer angebotenen Wanderung des SAC teil, ein Projekt, das Michael Walther lanciert hatte. Dabei ging es mit einem speziellen Trekkingrollstuhl in die Berge, in diesem Falle zur Alp Sellamatt. Der Rollstuhl kann von maximal vier Personen gezogen, gestossen und getragen werden. Die Truppe, die aus zehn Personen bestand, darunter auch die Kinder von Annina Raschle, legte insgesamt rund 14 Kilometer zurück. Nach einem steilen Aufstieg von Starkenbach aus ging es in das Seluntal und nach einem Halt in der SAC Hütte auf die Alp Sellamatt.

Vertrauen ist wichtig

«Für mich war es ein Hammererlebnis», schwärmt Annina Raschle von der siebenstündigen Wanderung. Als sie von diesem Angebot gehört hatte, war sie sofort begeistert. Als frühere Pfaderin und Gelegenheitswanderin fühlt sie sich der Natur verbunden und wollte diese einmalige Chance nutzen – was sich als voller Erfolg erwies. «Es war ein Weg voller wunderschöner Erlebnisse, Abenteuer und Höhenmeter.» Lange hatte sich niemand für die Tour finden lassen. Den Grund dafür sieht Michael Walther im notwendigen, grossen Vertrauen in die Rollstuhlhelfer. Annina Raschle hatte damit kein Problem: «Ich wusste, dass sie mich nicht fallen lassen würden. Auch unsicher habe ich mich nie gefühlt. Man darf nicht ängstlich sein, um bei solch einer Tour mitzumachen.» Empfehlen würde Annina Raschle das Erlebnis deshalb jedem.

Annina Raschle auf dem Weg zur Sellamatt.

Annina Raschle auf dem Weg zur Sellamatt.

Nur den steilen Einstieg sah auch Annina Raschle als Herausforderung. Ziemlich schnell ging es über kleine Bergwege, grosse Felsen und rutschige Stufen. Michael Walther sagt dazu: «Der Schweiss ist uns nur so runtergelaufen. Diese Tour war schon eine ganz andere Währung als der Klangweg vor einem Jahr. Aber die gute Gruppendynamik und das wunderschöne Frühlingswetter haben wieder alles ‹rausgerissen›.» Vor einem Jahr begleitete Walther die Tour mit Leo Niedermann, einem leidenschaftlichen Bergsteiger, der durch einen Unfall in den Schweizer Alpen als Jugendlicher mobilitätseingeschränkt worden war.

Beine sind ersetzbar, Selbstständigkeit nicht

Obwohl die Ärzte die Chancen für Annina Raschle, den Rollstuhl je wieder zu verlassen, als sehr gering einschätzen, gibt sie die Hoffnung nicht auf. Ihr Ziel ist nicht das vollständige Gehen, jedoch will sie eine gewisse Selbstständigkeit zurück haben. Da ihre Nerven bei dem Unfall nicht ganz durchtrennt wurden, kann sie bereits alle Zehen wieder bewegen. Doch sie hat noch höhere Ziele: «Ich will mich ohne Hilfe auf das Sofa setzen können. Transfers von und in den Rollstuhl selber machen zu können, würde mir viel mehr Spielraum geben. Beine lassen sich gut durch einen Rollstuhl ersetzen, bei der Selbstständigkeit ist das nicht so einfach.» Die Wanderung mit dem SAC zur Sellamatt hat Annina Raschle gezeigt, dass auch die Bergwelt für sie zugänglich ist. Ihr Fazit: «Ich würde mich sofort wieder anmelden.»

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