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Im Pelz von Meister Reineke

Die Johann Hofstetter AG in Flawil ist in dritter Generation im Pelzhandel tätig. Jährlich werden unter anderem rund 5000 einheimische Rotfuchspelze gekauft und verarbeitet. Felle von Tieren, die zwecks Regulierung geschossen werden.
Zita Meienhofer
Johann Hofstetter zeigt eine Decke aus Rotfuchsfell, die in seinem Atelier genäht wurde. (Bilder: Zita Meienhofer)

Johann Hofstetter zeigt eine Decke aus Rotfuchsfell, die in seinem Atelier genäht wurde. (Bilder: Zita Meienhofer)

FLAWIL. Vor einem Monat war Pelzfellmarkt in Lichtensteig. Ein Treffpunkt für Händler und Jäger. Ein Muss für Peter Hofstetter von der Flawiler Firma Johann Hofstetter AG. Er ist für das Unternehmen im Einkauf tätig. Für einen Fuchspelz – noch mit allem Drum und Dran, der noch gelagert und gegerbt werden muss – hat Hofstetter dem Jäger zwischen zehn und zwölf Franken zu bezahlen. Das ist weniger als im Vorjahr. Deshalb hiess es von Seiten der Jäger auch schon, dass es sich nicht lohne, einen Rotfuchs zu schiessen. Johann Hofstetter erklärt, weshalb die Felle eines Rotfuchses – eines Tieres, das zur Regulierung der Überpopulation geschossen wird – einen niedrigen Preis haben, einen Preis, den der Markt vorgibt. «Würden in der Schweiz mehr Rotfuchsfelle gebraucht werden, müssten diese nicht exportiert werden», erklärt er. Da der Rotfuchs überall beheimatet ist, wird der Preis durch den internationalen Markt bestimmt.

Verbrennen statt verwerten

Ärgern tut sich Hofstetter jedoch über die Tatsache, dass ein hoher Prozentsatz der in der Schweiz geschossenen Fuchsfelle verbrannt werden. Dies einerseits, weil 50 Prozent der Füchse zum falschen Zeitpunkt – nicht zwischen November und Januar, wenn sie das Winterfell haben – geschossen werden, andererseits, weil die Jäger den Aufwand nicht auf sich nehmen wollen, die Füchse zu balgen – ihnen die Felle abzuziehen. «Nur ein Fünftel aller Felle werden verwertet, davon bleiben fünf Prozent in der Schweiz, der Rest wird exportiert», sagt Hofstetter. Seit einigen Jahren ist festzustellen, dass Rotfuchspelze wieder gefragter sind als auch schon. Im Atelier der Hofstetter AG wird immer mal wieder nach einem Kragen verlangt, werden auch Kunstfellkragen durch Rotfuchsfellkragen ersetzt. Trendig sind zurzeit die eingefärbten Felle – vor allem pink und rosa –, weil die naturfarbenen oft gar zu «tierisch» wirken.

Deklaration ist wichtig

Johann Hofstetter hatte von Kindsbeinen an mit Fellen und Pelzen zu tun. Anhand der Pelze kann er beurteilen, wie ein Tier behandelt wurde. Ihm ist wichtig, Pelze in Ländern einzukaufen, die der Schweizer Kultur nahe sind, die im Pelzhandel ähnliche Auflagen wie die Schweiz haben. Johann Hofstetter ist verpflichtet, und er legt auch Wert auf die Deklaration nach Herkunft und «Jagdart». An den Fellen im Laden an der St. Gallerstrasse 48 hängt deshalb nicht nur ein Schild mit der Preisangabe, da stehen weitere Angaben darauf, zum Beispiel: «Rotfuchs, nicht in Fallen gefangen». Wie bereits der Grossvater, kaufen Hofstetters die Waren roh ein. Dann werden die Felle in den Räumen des Flawiler Unternehmens haltbar gemacht: getrocknet, gesalzen oder gefroren. Anschliessend werden sie an Gerbereien verkauft.

Im Laden und auf Bestellung

Da öfters nach fertigen Fellprodukten wie Decken, Schals oder Jacken gefragt wurde, eröffneten Hofstetters vor Jahrzehnten ein Kürschneratelier. Dort wurde und wird heute noch auf Bestellung genäht. Zudem bringen Jäger ihre Felle vorbei und geben ihre Wünsche bekannt. Mehrere Rotfuchsfelle hängen zurzeit bereit, um verarbeitet zu werden.

In schwieriger Branche bestehen

Im kommenden Jahr, 2017, existiert die Johann Hofstetter AG seit 90 Jahren. Ein Unternehmen, das in einem Bereich tätig ist, der von manch negativer Kampagne torpediert worden ist. Johann Hofstetter weiss, wie wichtig es ist, die Leute aufzuklären, ihnen bewusst zu machen, weshalb und wie die Tiere geschossen wurden. Aufzuzeigen, dass die Tierbestände reguliert, das Wild gehegt und gepflegt werden muss, damit sich keine Krankheiten verbreiten können. Und, es ist letztlich vernünftiger, die Pelze zu nutzen, als sie zu entsorgen, zu verbrennen. Sogar Verbände, die sich für Anti-Pelz-Kampagnen einsetzen, liessen in verschiedenen Medien verlauten, dass es sinnvoll sei, Pelze von Schweizer Rotfüchsen für verschiedene Zwecke zu nutzten und damit sinnvoll zu verwerten. Geeignet sind solche Pelze nicht nur für Erzeugnisse, sondern auch für Wohnaccessoires wie kuschlige Decken oder stilvolle Kissen.

Die Felle eines Jägers liegen bereit, um eine Decke nach seinen Wünschen zu nähen.

Die Felle eines Jägers liegen bereit, um eine Decke nach seinen Wünschen zu nähen.

Der Bekleidungsgestalter näht die einzelnen Rotfuchspelze fachgerecht zusammen.

Der Bekleidungsgestalter näht die einzelnen Rotfuchspelze fachgerecht zusammen.

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