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Im Keller sprach also Zarathustra

Es ist also schon eine etwas schräge Ausgangslage: Nietzsche im Weinkeller. Eine Huldigung für einen Dichter, der sich zeitlebens nicht allzu viel aus den Geist vernebelnden Weingeistern gemacht hat. Doch das Lagergut eines Weinkellers nur als Lagergut zu betrachten, grenzte an Wahnsinn.
Michael Hug
Im Weinkeller des «Freischütz»: Philosoph Tobias Brückner und Theatermacher Oliver Kühn (rechts) plaudern über Nietzsche. (Bild: Michael Hug)

Im Weinkeller des «Freischütz»: Philosoph Tobias Brückner und Theatermacher Oliver Kühn (rechts) plaudern über Nietzsche. (Bild: Michael Hug)

Es ist also schon eine etwas schräge Ausgangslage: Nietzsche im Weinkeller. Eine Huldigung für einen Dichter, der sich zeitlebens nicht allzu viel aus den Geist vernebelnden Weingeistern gemacht hat. Doch das Lagergut eines Weinkellers nur als Lagergut zu betrachten, grenzte an Wahnsinn. Der Begriff – Wahnsinn – bekommt noch Bedeutung genug an diesem Abend, geht den Nietzsche-Plauderern in diesem Weinkeller noch oft genug über die Lippen. Doch, o welch Glück – geworden ist es niemand.

Eine primäre Regel

Also Wein. Errico Mirto, Wirt im «Freischütz», schenkt einen «Disperato» aus dem Veneto aus. Die primäre Regel des Abends, so Oliver Kühn, Bonvivant und Leiter des Sirnacher Theater Jetzt!, nachdem alle rund 30 Besuchenden des Abends ein volles Glas in den Händen halten: «Wir trinken viel Wein!» Damit liesse sich Nietzsche besser verarbeiten. Immerhin hat Kühn vor, seinem Publikum, «Bienfaiteurs du théâtre», wie er es nennt (und Gönner sowie Sponsoren des Thetaer Jetzt! sind), nach dem Apéro-Weissen zum Hauptgang «Also sprach Zarathustra» zu servieren. Der Theatermann macht dies nicht selbst, sondern hat dazu den Philosophen und Dozenten an der Universität Luzern, Tobias Brücker, eingeladen.

Warum also Nietzsche?

Warum also Nietzsche? Weil Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 bis 1900) im nächsten Jahr seinen 170 Geburtstag feiern könnte. Weil Kühn das eben beginnende Herbstprogramm seines Theaters unter die Affiche «Das Abenteuer Instant Zarathustra beginnt. Mach Dich auf den Weg - Werde Übermensch!» gestellt hat. Weil er, Kühn, sich auf einer Zugsfahrt vom zufällig in seine Hände geratenen Werk des Dichters inspirieren liess: «Ich dachte mir, wir machen mal etwas Hochgeistiges.» Hochgeist, Weingeist, Wahnsinn. Alles passt zusammen (Nietzsche verbrachte seine letzten Lebensjahre in geistiger Umnachtung, er wurde «wahnsinnig»).

Also sprach Zarathustra

Also sprach Zarathustra. Es wäre nun sehr verwegen gewesen, das exklusive Publikum mit einer ellenlangen Lesung aus dem Werk zu verwirren. Kaum wären die «Bienfaiteurs» über zweieinhalb Stunden im Weinkeller des «Freischütz» sitzengeblieben. So wurde also vielmehr über Nietzsche und seinen «Zarathustra» geplaudert und ein ganz klein wenig auch philosophiert. «Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können», schrieb der Dichter in diesem, seinem bekanntesten Buch. Dessen Titel fast jeder kennt, «aber nicht weiss, was eigentlich drinsteht», so Kühn, der jetzt weiss, was drinsteht. Aber auch nur, weil er jedes Kapitel mehrmals gelesen hat.

San Giovese aus der Toscana

Also Wechsel auf Rot. San Giovese aus der Toscana. Der «Übermensch», den Nietzsche im «Zarathustra» beschreibt, hat die weinselige Runde noch nicht erreicht. «Also Zarathustra ist es nicht», sagt Tobias Brücker, «er ist nur der Ankündiger des Übermenschen.» Also bleibt ebendieser Übermensch irgendwie diffus und existiert nur im Geist als Illusion eines guten Menschen, der geboren würde, wenn sich der Mensch von Moral und Religion entledigen würde. «Die Welt, in der wir leben, könnte auch anders sein», erkannte Oliver Kühn folgerichtig. Nietzsche sei da seiner Zeit ziemlich weit voraus gewesen, indem er sagte, man solle keinen Gottheiten nachrennen, sondern sich seine eigene Meinung bilden. Der Dichter tat dies zeitlebens (nicht nur, indem er Alkohol verachtete) – und wurde wahnsinnig dabei.

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