Im Islam ist es ­erlaubt, zu lügen

«Weiterdenken ist gefragt», Ausgabe vom 4. April

Johannes Leutenegger, Wil
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Zuerst einmal muss ich Bruno Dudli recht geben. Der Islam hat Probleme mit fundamentalistischen Strömungen. Auch bei Bekim Alimi ist eine kritische Haltung angebracht. Was mich am Leserbrief von Dudli aber stört, ist der Verweis auf die «Taqiyya». Im Islam ist es erlaubt zu lügen, wenn man an Leib und Leben bedroht ist.

Bruno Dudli macht daraus aber eine viel weitergehende Tugend für Muslime. Das ist problematisch, weil das dazu führt, dass Muslime, egal wie sie sich äussern, verurteilt werden können. Frei nach dem Motto «Damned if you do, damned if you don’t». Hätte Bekim Alimi auf die Fragen konservativ geantwortet, hätte ihn Bruno Dudli ebenso verurteilt, wie er es jetzt tut, als er sich progressiv geäussert hatte. Verstehen Sie mich nicht falsch. Natürlich ist es theoretisch möglich, dass Bekim Alimi die Fragen so beantwortet hat, dass die Antworten ein positives Bild von ihm abgeben. Aber daraus eine genuin islamische Tugend zu machen, halte ich für falsch.

Johannes Leutenegger, Wil