Im Herzen ein Toggenburger

FUSSBALL. Der 36jährige Adrian Bernet stand in jungen Jahren beim FC Wil im Tor, wechselte nachher zum FC Bazenheid und ist heute Goalie beim Erstligisten FC Tuggen. Im Juni bezieht der Reallehrer mit Ehefrau Angela in Bazenheid ein Eigenheim. Ein guter Zeitpunkt, die Prioritäten neu zu verteilen.

Beat Lanzendorfer
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Noch steht Adrian Bernet auf dem Gerüst vor seinem neuen Eigenheim, im Juni ist der Einzug in Bazenheid geplant. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Noch steht Adrian Bernet auf dem Gerüst vor seinem neuen Eigenheim, im Juni ist der Einzug in Bazenheid geplant. (Bild: Beat Lanzendorfer)

FUSSBALL. Wie viele andere Jugendliche auch wusste der Sekundarschüler Adrian Bernet vor 20 Jahren nicht so recht, in welche Richtung es beruflich gehen soll. «Für mich war immer klar, ich werde Fussballprofi. Weil meine Eltern aber auf eine Lehre pochten, tendierte ich zur Ausbildung als Schreiner. Nun kam Sekundarlehrer Toni Bolt ins Spiel, der mich ermunterte, an der Kanti in Wattwil das Lehrerseminar zu besuchen.» Adrian Bernet befolgte den Rat seines Klassenlehrers und schloss im Sommer 2000 das Lehrerseminar in Wattwil ab. Der Übergang war dann quasi fliessend, denn nach den grossen Ferien begann er als Reallehrer an der Grüenau. 14 Jahre später ist er noch immer dort und hat seinen Entscheid nie bereut. Auf die Unterstützung seines Arbeitgebers konnte Adrian Bernet immer zählen: Benötigte er in all den Jahren aufgrund seiner fussballerischen Aktivitäten freie Tage, so wurden ihm diese immer gewährt.

In Nationalmannschaft dabei

Zur grossen Fussballkarriere hat es Adrian Bernet nicht ganz gereicht, er darf trotzdem auf eine unvergessliche Zeit zurückblicken. Als Junior bei Bazenheid und Wil war er Teil der Juniorennationalmannschaft (U16 bis U19) und bezeichnet die U16-EM 1994 in Irland als eines der prägendsten Ereignisse. Bei der Frage, warum es nie zum Profi reichte, kommt er ins Grübeln. «Fehlende Geduld, fehlendes Glück, zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort.» An der Einstellung lag es bestimmt nicht. Adi Bernet übernimmt auch mit bald 36 Jahren eine Vorbildfunktion und ist sowohl im Training als auch im Spiel noch immer topmotiviert. Vielleicht war auch die fehlende Grösse ein Hinderungsgrund. Mit 1,80 Metern gehört er eher zu den kleineren Torhütern.

Der Abschied naht

Nach 19 Jahren als Aktiver (Wil, 1995–1997; Kreuzlingen, 1997– 1998; Bazenheid, 1998–2009; Wil, 2009–2010; Tuggen, seit 2010) hat er im Trainingslager der Schwyzer in Spanien seinen Abschied auf das Ende der Saison angekündigt. Das Trainergespann Adrian Allenspach (mit dem er insgesamt elf Jahre das Vergnügen hatte: zwei Jahre als Mitspieler, neun Jahre als Trainer) und Guschti Geiger (neun Jahre als Assistenztrainer) versuchte ihn zwar zum Weitermachen zu motivieren, Adrian Bernet aber hat abgewinkt: «Ich wollte nie, dass sie mich in Tuggen aus dem Tor tragen müssen. Der Zeitpunkt des Abschieds ist jetzt ideal. Ich durfte vier wunderschöne Jahre erleben und im Sommer 2012 sogar den Schweizer-Meister-Titel der 1. Liga feiern. Ich bin stolz, in diesem hervorragend geführten Dorfverein gespielt zu haben, der Jahr für Jahr an der Spitze der dritthöchsten Liga im Schweizer Fussball mitmischt. Und weil ich in Wattwil wohne, war der Weg nie ein Thema, in 20 Minuten war dieser jeweils geschafft.»

St. Gallen wichtiger als Basel

Beim Nachhaken erwähnt er weitere Gründe: «In der Winterpause habe ich die freien Wochenenden genossen. Mir bereiten die langen Anfahrtswege zu den Spielen zwar keine Probleme (Tuggen muss unter anderem nach Genf, Lausanne, ins Wallis und in den Jura), aber ich spüre doch hie und da eine mentale Müdigkeit. Zudem verlangt mein Körper nach Trainings und Spielen eine längere Regeneration.»

Zu seinen sportlichen Höhepunkten zählt Adrian Bernet die bereits erwähnte U16-Junioren-EM in Irland. Wer nun aber erwartet, dass er als Karriere-Highlight den Cup-Fight mit Tuggen gegen den Champions-League-Teilnehmer Basel vom 10. November des vergangenen Jahres erwähnt, hat sein Toggenburger Herz nicht mitberücksichtigt. «Als Anhänger des FC St. Gallen war für mich das Cupspiel Bazenheid – St. Gallen am 20. September 2008 viel emotionaler. An dieses Ereignis denke ich heute noch zurück, auch wenn es für uns mit einer 0:2-Niederlage nach Verlängerung unglücklich endete.» Weitere Eckpunkte waren die Cupspiele gegen Wil, den FCZ oder Sion, die alle mit seiner Zeit in Tuggen zusammenfallen.

Umzug steht bevor

Sportlich zeichnet sich auf den Sommer also eine Veränderung ab, privat hat er diese vor knapp einem Jahr vollzogen, denn am 1. Juni 2013 gab er Angela Gsell das Ja-Wort. Sie ist die Schwester von Markus Gsell, des früheren Spielers beim FC Wil. Als Bazenheiderin und weil auch Adrian Bernet während elf Jahren auf dem Ifang Fussball spielte, zieht es beide dorthin zurück. Die Schlüsselübergabe ihres neuen Eigenheimes erfolgt am 26. Juni. Zum Abschied und bei der Frage, ob das Ende in Tuggen auch das Ende der fussballerischen Karriere ist, hält sich Adrian Bernet bedeckt: «Ein, zwei Jahre möchte ich noch anhängen, bei wem, weiss ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.»