Im Dienste der Kranken und Schwachen: Kurt Bätschmann chauffiert seit fast 21 Jahren Patienten für das Schweizerische Rote Kreuz Kanton St. Gallen

Das Engagement erfüllt Bätschmann mit Freude. Er wünscht sich aber, dass sich mehr Leute der Freiwilligenarbeit widmen. Das Bedürfnis nach Helfern ist nämlich grösser denn je.

Miguel Lo Bartolo
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Mit seinem Privatwagen fährt Kurt Bätschmann seine Patienten zwei- bis dreimal die Woche zu ihren Arztterminen.

Mit seinem Privatwagen fährt Kurt Bätschmann seine Patienten zwei- bis dreimal die Woche zu ihren Arztterminen.

Bild: Miguel Lo Bartolo

Ein Leben im Dienste anderer – das bedeutet für Kurt Bätschmann Erfüllung. Seit über 20 Jahren fährt der fast 77-Jährige als Freiwilliger im Auftrag des SRK Kanton St.Gallen betagte Menschen zu ihren ärztlichen Untersuchungen. Er habe schon so manches gesehen und kam dabei immer wieder zur selben Erkenntnis:

«Die eigene Gesundheit ist von unschätzbarem Wert.»

Umso wichtiger sei es deshalb, jenen, die nicht vom Glück gesegnet sind, die Hand zu reichen. Jeweils am ersten Sonntag im März sensibilisiert der «Tag der Kranken» die Bevölkerung zu einem besonderen Thema aus dem Bereich Gesundheit. Zu diesem Anlass gewährt Bätschmann Einblick in seine Tätigkeit als Ehrenämtler.

In der Region Wil ist Bätschmann einer von gut 20 freiwilligen Teilzeitfahrern. Er hat meist zwei, manchmal drei Fahreinsätze pro Woche. Zwischendurch komme auch ein Wochenenddienst vor, wie er sagt. «Ein wenig Flexibilität gehört dazu.» Seine Kollegen tun es ihm gleich und chauffieren jeweils an ausgewählten Tagen und zu ausgewählten Uhrzeiten. Die Fahrgäste sind überwiegend in ihrer Bewegung eingeschränkte, betagte Patienten. «Es ist grundsätzlich eine sehr dankbare Arbeit», sagt Bätschmann. «Die Leute freuen sich, wenn ich sie abhole und zu ihren Terminen fahre.» Ab und an würde sich auch ein gutes Gespräch oder gar eine Freundschaft ergeben. Das Wichtigste in diesem Engagement seien die Menschenkenntnisse.

«Ich kann mittlerweile abschätzen, in welchen Situationen Schweigen Gold ist.»

Tatendrang und Helfernatur

Nachdem Bätschmann in Frührente ging, begab er sich auf die Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung. «Ich bin nicht einer, der nur zu Hause rumsitzen kann», sagt er. «Es gibt ja Rentner, die nach der Pensionierung erst mal etwas Ruhe wollen. Das passte aber nicht zu mir.» Sein Leben sei nämlich immer schon von einem gesteigerten Tatendrang bestimmt gewesen. So habe er immer viel Sport gemacht, viel gearbeitet und sei dennoch nie in die Verlegenheit gekommen, Hilfe abzulehnen, wo sie dringend gebraucht wurde. So gelangte er schliesslich an das Rote Kreuz.

Die meisten Ehrenämtler sind – wie Bätschmann – Pensionierte, die einen sinnvollen Zeitvertreib suchen. Dass es nur wenige gibt, die nebst ihrer beruflichen Tätigkeit Freiwilligenarbeit leisten, leuchtet ihm ein. «Das ist eine Menge Stress», sagt er. Von Zeitgenossen, deren Terminkalender nicht rappelvoll ist, erhoffe er sich aber mehr Engagement. «Die Personaldecke beim Roten Kreuz ist äusserst dünn», sagt Bätschmann.

«In Zeiten der Überalterung sind freiwillige Helfer im Gesundheitssektor gefragter denn je.»

Nur gebe es eben kein Angebot.

Bätschmann habe bereits versucht, Freunde und Bekannte ins Boot zu holen – leider ohne Erfolg. «Viele fragen sich, was für sie dabei herausspringt», sagt er. Und das, obwohl der persönliche Profit gerade beim freiwilligen Engagement im Hintergrund stehen sollte. Der Umstand, dass die Freiwilligen des Rotkreuz-Fahrdienstes ihren Privatwagen nutzen müssen, erschwere die Rekrutierung neuer Mitglieder zusätzlich. «Ein ausgeprägtes soziales Bewusstsein ist selten geworden», sagt Bätschmann.

Das SRK beschäftigt Fahrer bis zu ihrem 80.Lebensjahr. Sofern es seine Gesundheit zulässt, will Bätschmann auch seine letzten drei Jahre als Ehrenämtler durchziehen.