Im Dialog Vorurteile abbauen

Es gehört zu den Merkmalen einer modernen, globalisierten Gesellschaft, dass Menschen unterschiedlicher Herkunftsländer, Kulturen und Religionen nah aufeinander leben. Das ist bei uns in Wil nicht anders als in anderen Ortschaften und Städten.

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Es gehört zu den Merkmalen einer modernen, globalisierten Gesellschaft, dass Menschen unterschiedlicher Herkunftsländer, Kulturen und Religionen nah aufeinander leben. Das ist bei uns in Wil nicht anders als in anderen Ortschaften und Städten. Diese Vielfalt und Buntheit ist gegeben, und wir müssen sie annehmen. Für mich gibt es in dieser Situation nur ein Miteinander und kein Gegeneinander. Dieses Miteinander der Religionen und Kulturen gelingt in Wil gut. Bereits vor sieben Jahren haben wir Katholiken daher auch ein grosses mehrtägiges Symposium zum Dialog zwischen dem Christentum und dem Islam durchgeführt. Ziel war es, mehr voneinander zu erfahren. Schon bei Jugendlichen versuchen wir seit Jahren, die Berührungsängste abzubauen, indem wir den gegenseitigen Austausch pflegen. Moslems besuchen unsere Kirchen, und Christen besuchen die Moscheen.

Roman Giger

katholischer Pfarrer

Im Gespräch sein heisst, einander zuhören, seine Positionen verständlich machen, den anderen in seiner Meinung verstehen und respektieren. Im Gespräch sein bedeutet auch, anstehende Probleme gemeinsam lösen. Und nicht zuletzt, dass man auch miteinander lacht. Wenn man nicht miteinander spricht, spricht man übereinander und verstärkt Vorurteile. Deshalb beteilige ich mich am interreligiösen Dialog. Die Erfahrungen sind positiv. Vertrauen und Wertschätzung sind gewachsen. Angesichts der Angst vieler Schweizer vor einer Islamisierung müssen wir uns verstärkt dem Thema widmen, was die Kirchen und Religionsgemeinschaften für die Gesellschaft leisten. Ziel ist, dass wir trotz der Verschiedenheit gemeinsame Ziele anpacken. Konkret wird das etwa in einem öffentlichen Gebet für den Frieden, zu dem Gläubige verschiedener Religionen am 21. November im Pfarreizentrum zusammenkommen.

Christoph Casty

evangelischer Pfarrer

Menschen sind unterschiedlich in ihren Rassen, ihrem Denken, ihrer Herkunft und auch im Glauben. Diese Vielfalt ist ein Wunsch Gottes, der auch im Koran erwähnt ist. Der Koran ruft zum Dialog auf und verpflichtet Moslems, an diesen Gesprächen teilzunehmen. Zu Zeiten, in denen barbarische Greueltaten im Namen der Religion verübt werden, ist es kein Wunder, dass Vorurteile Platz in unserer Gesellschaft finden. Umso wichtiger ist es jedoch, interreligiöse Dialoge zu führen. Befasst man sich mit der Lehre des Islams anhand tauglicher Quellen, so wird man feststellen, dass der Islam Gewalt ablehnt und nach Frieden strebt. Die Moslems in Wil und Umgebung sind sich ihrer sozialen und religiösen Pflichten bewusst und nehmen konstruktiv teil an diesen Dialogen. Wir erachten den religiösen Frieden in Wil als sehr wichtig und befruchtend. Wir tolerieren Extremismus in den eigenen Reihen nicht.

Bekim Alimi

Imam, islamische Gemeinschaft