Im Bundeshaus politisiert

Thomas Anderegg aus Wil und Michel Ottinger aus Wuppenau haben sich an der Eidgenössischen Jugendsession für die Cannabis-Legalisierung eingesetzt. Ihr Vorschlag wurde abgelehnt, trotzdem bereuen die beiden ihre Teilnahme nicht.

Natalie Brägger
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Wil/Wuppenau. «Ich möchte am gesellschaftlichen und politischen Wandel unseres Landes teilhaben», sagt KV-Lehrling Thomas Anderegg. Aus diesem Grund hat sich der Wiler entschlossen, zum ersten Mal an der Jugendsession teilzunehmen. Ebenfalls mit von der Partie war Metzger Michel Ottinger aus Wuppenau. Er nahm am Wochenende schon zum dritten Mal an der Eidgenössischen Jugendsession teil. «Es ist sehr interessant, man kommt mit verschiedenen Meinungen in Kontakt», sagt der 20-Jährige.

Drogen und Alkohol als Thema

Michel Ottinger und Thomas Anderegg sind trotz ihres jungen Alters bereits Mitglied einer Partei. Ersterer setzt sich für die Junge SVP des Kantons Thurgau ein, letzterer für die Jungfreisinnigen Wil und Umgebung. Angesichts ihrer politischen Gesinnung erstaunt das Thema, für welches sich die beiden an der Jugendsession entschieden haben: Die Legalisierung von Cannabis. «Wir forderten die kontrollierte staatliche Abgabe von Cannabis», erklärt Michel Ottinger die Arbeit einer 14köpfigen Gruppe in Zürich. «Unser Ziel war, dass etwas ähnliches wie die Coffeeshops in Amsterdam erlaubt wird», ergänzt Thomas Anderegg. Um Drogentourismus vorzubeugen, sollte die Drogenabgabe nur an Personen mit Wohnsitz in der Schweiz möglich sein, die Steuergewinne sollten in die Finanzierung der 4-Säulen-Drogenpolitik des Bundes fliessen.

Die ausgearbeitete Petition der Gruppe von Michel Ottinger und Thomas Anderegg wurde von der Zürcher Vorsession jedoch abgelehnt und so nicht in die Eidgenössische Jugendsession nach Bern getragen. «Klar waren wir ein wenig enttäuscht, aber die Umsetzung unseres Vorschlags war eben nicht machbar», blickt Thomas Anderegg zurück. «Mit einer Erhöhung der Alkoholsteuer wären wir sicher weiter gekommen», fügt Michel Ottinger an. Er will sich politisch weiterhin für die Legalisierung von Cannabis einsetzen. «Es ist ein Thema, das mich und viele andere Jugendliche beschäftigt», betont der Wuppenauer.

Zivildienst im Ausland

Nach der Vorarbeit am Donnerstag und Freitag in Zürich haben die Jugendsession-Teilnehmer am Samstag und Sonntag im Nationalratssaal in Bern schliesslich über zwölf von Jugendlichen ausgearbeitete Petitionen abgestimmt. Eine Petition bezeichnen dabei sowohl Thomas Anderegg als auch Michel Ottinger als «sehr gut». Diese fordert vom Bund die Förderung des Zivildienstes im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. So soll es möglich sein, den Zivildienst im Durchdienermodell während 300 Tagen in einem Entwicklungsland zu leisten. «Man kann so die Militärkosten senken und das Bild der Schweiz verbessern», ist Anderegg überzeugt. Ausserdem müsse man so nicht immer nur mit Geld, sondern könne auch mit Taten helfen. «Zu diesem Vorschlag gibt es Zustimmung von links bis rechts», betont Ottinger. Ziel der Jugendsession sei es, dass das Parlament die Vorschläge aufnimmt. «Der Grundgedanke der überbrachten Petitionen soll ins Parlament getragen werden», sagt Thomas Anderegg, «dass bei der Umsetzung Anpassungen gemacht werden müssen, ist klar.» Michel Ottinger ist überzeugt, das die Petitionen der Jugendsession heute von «den Grossen» ernster genommen werden als noch vor ein paar Jahren.

Politisch noch viel vor

Ihrer Teilnahme an der Jugendsession können die beiden 20-Jährigen nur Gutes abgewinnen. Für beide steht schon heute fest, dass sie im nächsten Jahr wieder dabei sein wollen. Dabei stehen nicht Parteiinteressen im Zentrum, sondern der gegenseitige Austausch. «Man sieht, wie Politik abläuft und wie eine Diskussionskultur entstehen kann», empfehlen die beiden Jungpolitiker eine Teilnahme weiter. Politisch wollen sie sich beide weiter engagieren. Thomas Anderegg kämpft im kommenden Jahr für die Jungfreisinnigen um einen Kantonsratssitz. Auch Michel Ottinger hat sich zum Ziel gesetzt, eines Tages im Grossen Rat des Kantons Thurgau zu sitzen.

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