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Ihre Meinung ist gefragt: Was halten Sie von feiernden Fussballfans am Schwanenkreisel in Wil?

Für eine ist es ein Ausdruck der Freude, für welchen auch in der ansonsten "bünzligen" Schweiz Platz sein muss, andere ärgern sich über Zerstörung von Kunstwerken, das Lahmlegen des Verkehrs und die Untätigkeit der Polizei. Die Rede ist von Siegesfeiern nach gewonnenen WM-Spielen. Redaktor Richard Clavadetscher hat dazu eine dezidierte Meinung.
Richard Clavadetscher
Feuer und Flamme am Wiler Kreisel nach dem WM-Sieg der Schweiz. Stimmig oder unsinnig? (Bild: Christoph Heer)

Feuer und Flamme am Wiler Kreisel nach dem WM-Sieg der Schweiz. Stimmig oder unsinnig? (Bild: Christoph Heer)

Ach, ich habe kürzlich mal wieder eine Parkbusse kassiert. Die Besprechung ging ein paar Minuten länger als geplant. So bin ich zum «Parksünder» geworden. Es ist halt so: Beim Parkieren gilt in der Schweiz heutzutage Nulltoleranz – und Ausreden sind zwecklos: Da könnte ja jeder kommen! Die Parkbusse ist längst bezahlt, die Sache erledigt.

Freitagnacht allerdings kam mir die Sache wieder hoch, und das hängt mit der Fussball-WM zusammen: Aus Anlass des Sieges der Schweizer Nationalmannschaft über das Team von Serbien haben sich laut Schätzung der Polizei über tausend Personen auf und um den Schwanen-Kreisel versammelt, um diesen Sieg zu feiern. Die Feiernden haben dabei – mutwillig oder im Rausch – den Verkehr an diesem wichtigen Knotenpunkt zum Erliegen gebracht. Ein Durchkommen war selbst für Blaulicht-Organisationen kaum möglich. Nicht nur dies, auch das «Krautfunding»-Werk des Künstler Stefan Kreier, Mitglied des Kunstnetzwerks Ohm 41, ist niedergetrampelt und zerstört: Statt «Schall und Lauch» liegt im Kreisel der Lauch nun auf dem Bauch.

Sanktionen? Ach wo! Zwar gibt es einschlägige gesetzliche Bestimmungen, die das absichtliche Stören des Verkehrs unter Strafe stellen, doch wenn die Schweizer Nationalmannschaft an der Fussball-Weltmeisterschaft einen Last-Minute-Sieg feiert, sind diese ganz offensichtlich ausser Kraft gesetzt – zugegeben: nicht nur in Wil.

Was die Polizei zur Wiler Kreisel-Feier sagt, hat resignativen Charakter: Man könne solch spontane Äusserungen von Freude nicht verhindern, man könne allenfalls schauen, dass sich deren (negative) Auswirkungen in Grenzen halten. Als «Parksünder» nimmt man das zur Kenntnis.

Was ist Ihre Meinung zum Thema?

Feiern am und im Schwanenkreisel: Was sagen die Leser dazu? Reaktionen bitte per Mail auf redaktion@wilerzeitung.ch.

Siegesfeiern ausgerechnet im und am Schwanen-Kreisel – Sinn oder Unsinn? Der «Parksünder» hat die Frage inzwischen einigen Einheimischen gestellt – und – Zufall oder nicht – ausnahmslos Erstaunen geerntet. «Das ist bei uns halt so, und dies seit jeher», lautete die Belehrung des auswärtigen und deshalb ahnungslosen Fragestellers. Die Wiler Bevölkerung begebe sich für spontanes Feiern nun mal zum Schwanen-Kreisel. Das sei nichts weniger als eine Tradition.

Eine Tradition! Dies ist natürlich heutzutage ein starkes Argument. Anderseits: War nicht der tönerne Zwerg im Garten auch mal Tradition? Heute ist er praktisch verschwunden. Traditionen sind also längst nicht unverrückbar – auch unsinnige nicht!

Kommt noch dazu: Nach Polizeiangaben waren es gerade mal rund tausend Leute, die den Schwanen-Kreisel vereinnahmten und so lahmlegten. Nun zählt die Stadt Wil aber weit mehr als 20000 Einwohner. Allzu verbreitet und tief verankert kann diese Tradition demnach nicht sein.

Und schliesslich: «Was geschehen ist, solange die Welt steht, braucht deshalb nicht zu geschehen, solange sie noch stehen wird», schrieb einst die bekannte Aphoristikerin Marie von Ebner-Eschenbach. Ein wahres Wort – auch wenn von Ebner-Eschenbach aus Sicht der Schwanen-Kreisel-Traditionalisten wohl einen grossen Makel hat: Sie war Österreicherin, auch nicht Wilerin…

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