Ihr Ziel ist das Nationalkader

Mit ihren knapp 15 Jahren ist Jasmine Fiechter auf einen guten Weg Richtung grosse Zukunft im Volleyballsport eingespurt. Alles nur, weil ihr der Sport einfach gefällt. Jetzt, da sie etwas wirklich will, muss sie erst eine wichtige Prüfung bestehen.

Olivia Hug
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Jasmine Fiechter trainiert bis zu viermal wöchentlich in Wattwil. Das Pendeln macht ihr nichts aus. (Bild: Olivia Hug)

Jasmine Fiechter trainiert bis zu viermal wöchentlich in Wattwil. Das Pendeln macht ihr nichts aus. (Bild: Olivia Hug)

VOLLEYBALL. Die Wilerin Jasmine Fiechter pendelt fast jeden Tag ins Training, doch das macht ihr nichts aus. Sie fährt jedes Wochenende zu einem Spiel, doch sie macht es gern. Sie plant die Schule auf Basis ihrer Match- und Trainingszeiten, doch sie sieht den Vorteil darin. Und jetzt will sie, bald 15jährig, wegen des Sports in Zürich Fuss fassen. Wenn Jasmine Fiechter vom Volleyball spricht, geht ihr Herz auf. Sie kann es kaum erklären, so selbstverständlich ist der Sport Teil ihres Alltags. Es sind die Matches, die sie liebt, es ist das Adrenalin, das sie aufputscht, wenn sie in ein Spiel steigt. Badminton hatte sie ausprobiert, Reiten und Geräteturnen: Nichts hatte sie so fasziniert wie das Volleyballspielen. Erst vor fünf Jahren hat sie damit begonnen und heute gehört Jasmine Fiechter bereits zum erweiterten Kader der Jugendnationalmannschaft.

Wechsel ins Toggenburg

«Schuld» daran hat Jasmines Vater René Fiechter. Der CEO der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg ist begeisterter Volleyballer. «Er hat meine Mutter angesteckt und dann mich und dann meinen Bruder. Und so standen wir alle zusammen auf dem Beachvolley-Feld», sagt Jasmine Fiechter. Etliche Wochenenden verbrachte die Familie im Sand, meistens spielte die ältere Generation gegen die jüngere, häufig nahm man an Familien-Turnieren teil. Der Bruder spielt heute in der 1. Mannschaft des STV Wil. Die Wochenenden der jungen Frau sind von Spielen für Volley Toggenburg belegt. Seit sie vor anderthalb Jahren vom STV Wil nach Wattwil gewechselt hat, spielt sie in vier Mannschaften. In der U23, der U19, der U17 und in der 2. Liga steht die 177 cm grosse Athletin auf der Mitte-Position. Drei- bis viermal wöchentlich wird trainiert, zusammen mit den NLA-Spielerinnen der 1. Mannschaft – im Sommer auf dem Beachvolleyballfeld mit Kollegin Sina Gubler. Dieser hat Jasmine Fiechter zu verdanken, dass sie für Volley Toggenburg aufs Feld geht. Ein Probetraining hatte sie überzeugt.

Weiter an die Sportschule

Den Trainingsaufwand will Jasmine Fiechter künftig erhöhen, um ihre Chancen auf ein Aufgebot zur Selektion für den Kader des Jugend-Nationalteams zu erhöhen. Das ist ihr noch nicht genug. Trainingslager in Magglingen hat sie bereits absolviert. Nur eine Handvoll Spielerinnen aus der Ostschweiz haben diesen Sprung aus der Regionalauswahl geschafft. Die Wilerin kann sich nicht erklären, wie sie erstens in die Regionalauswahl kam und war zweitens überrascht, dass die Trainerin sie an den Nationaltrainer weiterempfohlen hatte. Und nun steht für Jasmine Fiechter der nächste logische Schritt an: Sie bewirbt sich an einer Sportschule.

Seit einiger Zeit büffelt die 3.-Sek-Schülerin, um die Aufnahmeprüfung an der Kanti Wil zu bestehen. Dieser Erfolg würde sie berechtigen, das Kunst- und Sportgymnasium Rämibühl in Zürich zu absolvieren. Die Institution bildet Schüler aus, die über eine besondere sportliche Begabung verfügen – vorausgesetzt, sie bringen die schulischen und sportlichen Voraussetzungen mit und durchlaufen das Bewerbungsverfahren. Eine 28seitige Anmeldung einschliesslich Empfehlungen, Motivationsschreiben und Auflistung der Erfolge hat Jasmine Fiechter eingereicht. Vor den Prüfungen ist sie richtig nervös. Die Aufnahme zur FMS hätte sie bereits im Sack, sollten alle Stricke reissen. Doch man merkt ihr an: Sie weiss, wohin sie will. Und einen Plan für ein Leben in Zürich hätte sie auch schon. Wenn sich ihr Bruder, ein ETH-Student, eine Wohnung nehmen würde, wäre sicherlich ein Platz zum Übernachten frei.

Ziele Schritt für Schritt

Trotz des möglichen Erfolgs, der ihr in den Schoss fallen könnte, bleibt die junge Frau realistisch, ja auch selbstkritisch. Aus spielerischer Sicht könne sie noch einiges verbessern, vor allem den Block. Als Ziel für das kommende Jahr setzt sie sich die Teilnahme an den U17-Beachvolley-SM mit ihrer Kollegin. Und die Selektion für den Nationalkader. Alles andere «kommt wie's kommt». Auch der Sieg der jüngeren Generation über die ältere im Familien-Sand-Duell. «Heuer haben unsere Eltern keine Chance mehr gegen uns», sagt sie nicht ohne Stolz und freut sich umso mehr auf die weiteren Duelle.

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