«IG Nachhaltige Zukunft Flawil» kämpft gegen die projektierte Beton-Turnhalle und für ein Holzbauprojekt im «Feld»

Die neue Turnhalle im «Feld» soll aus Holz gebaut und mit einer Holzschnitzelheizung beheizt werden. Dies ist das Ziel der spontan gegründeten «IG Nachhaltige Zukunft Flawil». An der Bürgerversammlung vom Dienstag wollen deren Mitglieder ihr Anliegen begründen.

Andrea Häusler
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Die Gründungsmitglieder der «IG Nachhaltige Zukunft Flawil»: Roman Stüdli, Pascal Gmür, Christoph Diem, Hans Osterwalder, Roman Gschwend, Werner Iten, Marco Lüchinger (von links nach rechts).

Die Gründungsmitglieder der «IG Nachhaltige Zukunft Flawil»: Roman Stüdli, Pascal Gmür, Christoph Diem, Hans Osterwalder, Roman Gschwend, Werner Iten, Marco Lüchinger (von links nach rechts).

Bild: PD

Flawil will im Gebiet Feld eine neue Turnhalle mit Musikschulzentrum und Heizzentrale bauen. Das Bedürfnis ist ausgewiesen. Dies zeigte die Vernehmlassung im Frühjahr, während der über 100 Rückmeldungen eingegangen waren. Einige Ideen wurden ergänzend aufgenommen. Beispielsweise die Planung einer vollständigen Dreifachturnhalle nach Norm des Bundesamts für Sport an Stelle der vorgeschlagenen Doppelturnhalle B. Andere blieben auf der Strecke. Etwa der Wunsch, einem nachhaltigen Holzbau sowie einer Holzschnitzelheizung inklusive Solaranlage.

Am 7. März 2021 soll nun an der Urne über den Baukredit abgestimmt werden. Als Hauptantrag wird das Ursprungsprojekt mit Doppelturnhalle B inklusive Heizzentrale für rund 15,9 Millionen Franken unterbreitet, als Alternative das Projekt mit Dreifachturnhalle mit Heizzentrale für rund 17,9 Millionen Franken.

Betonbau und ungeeignetes Heizsystem

Beide Projekt sehen Betonneubauten vor. Beheizt werden sollen die Gebäude mit einem Wasser-Eis-Speicher, der mit einer Photovoltaikanlage, einem Blockheizkraftwerk und einem mit Biogas betriebenen Spitzenlastkessel kombiniert wird. Die neue Heizzentrale wird damit zu über 90 Prozent mit erneuerbarer Energie betriebenen.

Beim Aufwerten von Waldrändern (z.B. Sträucher fördern) wie in diesem Wald in Flawil fällt viel Energieholz (Holzschnitzel) an.

Beim Aufwerten von Waldrändern (z.B. Sträucher fördern) wie in diesem Wald in Flawil fällt viel Energieholz (Holzschnitzel) an.

Sowohl der Baustoff Beton als auch die Wahl des Heizsystems werden von der nun gegründeten «IG Nachhaltige Zukunft Flawil» kritisiert. «Der Eis-Speicher erscheint aus technischer Sicht nicht geeignet für den vorliegenden Wärmeverbund. Die grosse fossile Gasheizung würde zu oft zum Einsatz kommen», heisst es in ihrer Medienmitteilung. Und weiter: «Das Bedürfnis nach einer Dreifachturnhalle wurde aufgenommen, das Anliegen, Holz einzusetzen, damals leider (noch) nicht.»

Regionales Holz und Wertschöpfung vor Ort

«Die Zeichen der Zeit verlangen einen verstärkten Einsatz des nachwachsenden, einheimischen Rohstoffes Holz», findet die IG. «Ein Kubikmeter verbautes Holz bindet eine Tonne CO2 und verringert, im vergleich zu einem Betonbau, den CO2-Ausstoss.» So hätten sich im Oktober 2020 die SIA (Schweizer Ingenieur- und Architektenverband) und die KBOB (Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren) für die Verwendung von nachhaltigem Holz ausgesprochen.

Turnhallen in nachhaltiger Holzbauweise existieren bereits. Das Beispiel hier zeigt die Vierfachturnhalle von Sargans, erbaut 2011.

Turnhallen in nachhaltiger Holzbauweise existieren bereits. Das Beispiel hier zeigt die Vierfachturnhalle von Sargans, erbaut 2011.

Im Flawiler und Schweizer Wald wächst viel mehr Holz nach, als genutzt wird. Dennoch werden der Flawiler Bevölkerung zwei Betonvarianten zur Abstimmung unterbreitet. Für einige, deren Herz fürs Holz schlägt war und ist klar: «Wir müssen uns nochmals für ein nachhaltiges Holzprojekt einsetzen. Es ist fünf vor zwölf.»

IG «Nachhaltige Zukunft Flawil» gegründet

Roman Stüdli, Präsident der Bauernvereinigung Flawil, Roman Gschwend, Förster, und Pascal Gmür, Forstingenieur, waren sich einig, dass etwas getan werden muss. Der Vorstand der Bauernvereinigung sprach sich in einer dringenden Sitzung für ein verstärktes Engagement aus. Daraufhin setzte sich Stüdli mit diversen Parteien und Personen in Verbindung und organisierte ein Treffen. Die Anwesenden waren sich einig, dass die Mehrheit der Flawil Bevölkerung einen nachhaltigen Holzbau und eine Holzschnitzelheizung befürworten würden. Um diese Wahl zu ermöglichen wurde die Interessengemeinschaft «Nachhaltige Zukunft Flawil» gegründet.

Effort an der Bürgerversammlung

Morgen Dienstag findet im «hölzigen» Lindensaal die Bürgerversammlung statt. Errichtet wurde er 2008 von einer innovativen Holzbaufirma in einer Arbeitsgemeinschaft mit Flawiler Holzbauern. An dieses Erfolgsprojekt soll angeknüpft werden. Die IG wird ihr Anliegen an der Versammlung nochmals vorbringen mit dem Ziel, die Ausarbeitung eines Holzbauprojekts mit Holzschnitzelheizung zu erreichen.

Höhere Planungskosten, aber kürzere Bauzeit

Das Ausarbeiten eines alternativen Projekts verursacht zusätzliche Planungskosten. Allerdings unterstützt die Organisation «Energie Zukunft Schweiz» seit Herbst 2020 den Umstieg von fossilen Heizungen auf Holzschnitzelheizungen.

Der Neubau der Turnhalle Feld gilt als eines der anstehenden Flawiler «Generationenprojekte». In der aktuellen besonderen Lage scheint es zudem angemessen, möglichst das einheimische Gewerbe und Schweizer Waldeigentümer zu unterstützen. «Der Abstimmungstermin müsste wohl um einige Monate verschoben werden», schreibt die IG. Da Holzbauten dank vorgefertigter Elemente aber rascher errichtet werden könnten, könne der Zeitverlust egalisiert werden.