IG Kultur schiesst scharf gegen Stadtrat: «Der Wiler Stadtrat lässt den ‹Turm› lieber leer stehen und betreibt Kulturförderung in Serbien»

Weil der Stadtrat den Vorstoss zur Schaffung eines Kulturzentrums im «Turm» ablehnt, übt die IG Kultur nun heftige Kritik.

Gianni Amstutz
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Wie soll der «Turm» genutzt werden? Die IG Kultur wünscht sich ein Kultur- und Musikschulzentrum.

Wie soll der «Turm» genutzt werden? Die IG Kultur wünscht sich ein Kultur- und Musikschulzentrum.

Bild: Gianni Amstutz

Die IG Kultur will in der Liegenschaft zum Turm ein Kultur- und Musikschulzentrum schaffen. Dazu hat deren Präsident, Stadtparlamentarier Sebastian Koller von den Grünen Prowil, eine Motion eingereicht, die von 29 Parlamentariern unterzeichnet wurde. Die IG Kultur erwartete, dass aufgrund der überparteilichen Zusammenarbeit bei der Ausarbeitung der Motion der Stadtrat diese ebenfalls unterstützen würde. Dem war jedoch nicht so.

Der Stadtrat empfahl, die Motion für nicht erheblich zu erklären. Mit der Motion werde ein neuer Ansatz zur definitiven Festlegung der künftigen Nutzung der Liegenschaft Turm vorgeschlagen, schrieb der Stadtrat. Diese Einschränkung erachte er nicht als sinnvoll. Die Nutzung des «Turm» als Kultur- und Musikschulzentrum sei zwar grundsätzlich möglich, die Stadt verfüge aber bereits heute über ein Raumangebot für kulturelle Nutzungen.

Grundsatzkritik an Kulturpolitik der Stadt

Die IG Kultur fühlte sich von der Ablehnung des Stadtrats brüskiert. Nun reagiert sie und übt grundsätzliche Kritik an der Kulturpolitik des Stadtrats. Auslöser ist die Ausschreibung eines Atelieraufenthaltes für Kunstschaffende in Belgrad. «Die städtische Kulturpolitik muss primär darauf abzielen, das kulturelle Leben vor Ort zu fördern, sodass die eingesetzten Mittel dem einheimischen Publikum zugutekommen und in die lokale Wirtschaft fliessen», schreibt die IG Kultur.

Der Verein kritisiert, dass die Stadt Künstlern in Belgrad Infrastruktur zur Verfügung stellt, anstatt sich «um die handfesten Probleme und strategischen Herausforderungen im lokalen Kulturwesen zu kümmern». Zu diesen Herausforderungen gehöre namentlich die Entwicklung der Kulturinfrastruktur, schreibt die IG Kultur. Seit Jahren beklagten sich ortsansässige Kulturschaffende und Vereine über einen Mangel an Probe-, Lager- und Atelierräumen. Mit der Liegenschaft «Turm» verfüge die Stadt über ein Gebäude, das für vielseitige kulturelle Nutzungen prädestiniert sei.

Die Projektidee eines Kultur- und Musikschulzentrums im «Turm» sei jüngst mit einer breit abgestützten Motion ins Stadtparlament eingebracht worden. «Obschon der Stadtrat keinen Vorschlag für eine andere Verwendung des Gebäudes hat, sperrt er sich gegen die Motion und bestreitet den Bedarf nach einem Kulturzentrum», empört sich die IG Kultur und wirft der Regierung mangelnde Innovation vor:

«Eine weitsichtige Exekutive würde ein solches Projekt als Chance zur Standortentwicklung begreifen.»

Doch der Wiler Stadtrat lasse den «Turm» lieber leer stehen und betreibe derweil Kulturförderung in Serbien.

Das sei auch deshalb nicht zielführend, da das Wiler Kulturwesen in erster Linie von versierten Laien und Vereinen getragen werde. Für sie dürfte ein mehrmonatiger Auslandaufenthalt keine Option sein, schreibt die IG Kultur.

Im Übrigen existiere mit dem «Bick-Stipendium» bereits ein vergleichbares Angebot. Es entstehe allmählich der Eindruck, dass sich die Kulturverantwortlichen der Stadt auf den Bereich des Elitären und der Symbolik fokussierten.

Die Absicht der IG Kultur ist klar. Im Februar kommt die Motion «Turm» zur Abstimmung ins Stadtparlament. Mit ihrem Schreiben wollen sie die öffentliche Meinung und vor allem jene der Parlamentarier zu Gunsten des Kulturzentrums im «Turm» beeinflussen.

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