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«Ich wollte einen Plastikbaum mit Kitsch»: Wie man in Wales Weihnachten feiert

Christmas Cake und Pudding, Mincemeat oder Crackers sind Speisen und Gegenstände, die bei Elli Broxham an Weihnachten nicht fehlen. Sie erzählt von den Traditionen und Bräuche während der Advents- und Weihnachtszeit in Wales, Grossbritannien.
Zita Meienhofer
Elli Broxham hat die Speisen und Gegenstände, um Weihnachten wie in Wales zu feiern, bereits organisiert: Christmas Cake und Christmas Pudding, Mincemeat, Crackers und Mint-Chocolats. Bereit liegen auch die walisische Weihnachtsgeschichte und das Silberketteli. (Bild: Zita Meienhofer)

Elli Broxham hat die Speisen und Gegenstände, um Weihnachten wie in Wales zu feiern, bereits organisiert: Christmas Cake und Christmas Pudding, Mincemeat, Crackers und Mint-Chocolats. Bereit liegen auch die walisische Weihnachtsgeschichte und das Silberketteli. (Bild: Zita Meienhofer)

Die Vorbereitungen für Weihnachten beginnen – vorausgesetzt, es wird alles selber hergestellt – in Wales, Grossbritannien, Ende August. Dann werden Christmas Cake und Christmas Pudding hergestellt. Elli Broxhams Mutter hatte jeweils alles selber zubereitet, die Kinder halfen. Sie erinnert sich: «Wir durften jeweils mischen und rühren. Wer dreimal rührte, hatte einen Wunsch frei».

Der Christmas Pudding ist nicht mit dem hier bekannten Pudding zu vergleichen. Es ist ein Teig, der unter anderem gehackte Früchte wie Rosinen, Äpfel, Kirschen enthält. In Stoff eingepackt wird der Teig einige Wochen aufbewahrt, später im Wasserbad gegart und anschliessend wieder kühl gestellt. Vor dem Servieren kommt er wiederum ins Wasserbad und wird später auf eine Platte gestürzt. «Das Highlight für uns Kinder war dann», so Elli Broxham, «wenn der Pudding mit Brandy flambiert wurde». Sie gesteht, dass sie ihn nicht mochte, aber das Flambieren habe sie fasziniert. Im Pudding wurde ein Sixpence (Münzstück) versteckt, wer es fand, dessen Wunsch ging in Erfüllung.

Pudding und Cake mit viel Brandy

Der Christmas Cake, der kandidierte Früchte und Lebkuchengewürz enthält, wurde gebacken, gut verpackt und wöchentlich mit Brandy übergossen, damit er nicht austrocknete. «An Weihnachten war er braun», sagt Elli Broxham und schmunzelt. Als Kind mochte sie auch den Cake nicht. Ihre Kinder mögen ihn auch nicht. Trotzdem: Elli Broxham hat bereits Pudding und Cake geliefert bekommen. «Wenn ich Lust habe, Weihnachten wie in England zu feiern, organisiere ich diese Sachen».
Bestellt hat sie auch das Mincemeat, das ebenfalls unter anderem aus Rosinen, Äpfeln, Orangen, Zucker und Lebkuchengewürz besteht. Mincemeat wird als Füllung für Mince Pies gebraucht.

Mit dem Christingle das Licht nach Hause tragen

Elli Broxham ist in einer gläubigen Familie, die der anglikanischen Kirche angehört, aufgewachsen. Während des Advents sei viel mehr gefeiert worden als an Weihnachten, sie sei viel in der Kirche gewesen, in Kinder-Gottesdiensten oder im Carol Service. Das ist eine Christvesper, in der Weihnachtslieder gesungen und Lesungen gehalten werden. «Ich mochte diese Gottesdienste sehr.» Es sei viel gebastelt worden, unter anderem der Christingle. Das ist eine Orange, die mit einem Band umwickelt ist, und in die oben eine Kerze und Nelken gesteckt werden. Diese wird heute noch angefertigt, vorwiegend in der dritten Adventswoche. Mit dem Christingle wird das Licht des Advents aus der Kirche nach Hause getragen.

Während der Advents- und Weihnachtszeit wurde Elli Broxham von einem besonderen Buch begleitet – «A Child’s Christmas in Wales» von Dylan Thomas, illustriert von Edward Ardizzone. Ein Buch, das sie jedes Jahr wieder liest und sich an ihre Kindheit erinnert. Der walisische Autor beschreibt darin die Weihnachtszeit in Wales, mit sehr viel Fantasie allerdings. «Was Dylan Thomas da schreibt, stimmt meist nicht», erklärt Elli Broxham, «wir Kinder hatten es damals natürlich geglaubt».

Der Weihnachtsbaum und Father Christmas

Endlich folgte der 24. Dezember – Heiligabend. Elli Broxhams Vater haute im Wald den Christbaum. Sie und ihre Schwester schmückten ihn mit traditionellem, ganz altem Weihnachtsschmuck, gebastelten Gegenständen und einer Lichterkette. Echte Kerzen werden keine an den Baum gehängt. «Wir hatten einen echten Baum, der traditionell und schön geschmückt war», sagt sie und fügt an, «ich hatte mich dafür immer geschämt, denn ich wollte auch einen Plastikbaum mit viel Kitsch. So wie es die anderen auch hatten». Sie habe diesen traditionellen Baum schlimm gefunden. «Heute sehe ich das natürlich anders», erklärt sie. Oft wird der Baum in England bereits am 1. Dezember in der Stube platziert – samt den Geschenken. Das variiert von Familie zu Familie. Bei Broxhams war es erst am 24. Dezember soweit.

«Dieser Tag ist ein Familientag», so die gebürtige Waliserin. Da wird in der Familie zusammengesessen, wird gespielt und bei Mitternacht der Gottesdienst in der Kirche besucht. Bevor es ins Bett geht, wird eine Socke an das Cheminee gehängt daneben steht ein Teller mit Mince Pie und einem gefüllten Glas sowie einer Karotte. In der Nacht kommt Father Christmas durchs Cheminee und bringt die Geschenke.
Gefüllte Socke, Silberketteli und Crackers

Am Morgen des 25. Dezembers ist die Socke gefüllt – mit Erdnüssen, Mandarinen, Schokoladen und einem kleinen Geschenk (Bleistift, Gummi, Ring, Sackmesser). «Wir Kinder wussten, dass der Inhalt der Socke von Father Christmas kam, wussten allerdings auch, dass die Geschenke unter dem Baum nicht von ihm kamen.» Vater Broxham war Landwirt, stand früh auf. «Das war unser Glück», erklärt Elli Broxham. Die Kinder durften deshalb auch früh zum Cheminee, um die Socke zu holen.
Die Mutter stand ebenfalls früh in der Küche und bereitete das Christmas Dinner vor. «Wir hatten keinen Turkey, wir hatten Fleisch von unserem Hof, einen Schweine-, Enten- oder Gänsebraten.» Nach einem ausgiebigen englischen Breakfast ging es in die Kirche – alle feierlich angezogen, der Vater in Anzug und Krawatte. Elli Broxham legte sich ihr Silberketteli um den Hals. Sie hatte es für die Weihnachtsfeierlichkeiten bekommen und trug es nur am 25. Dezember. Noch heute trägt sie es nur am 25. Dezember.

Nach dem Kirchenbesuch wurde das Christmas Dinner eingenommen. In Wales werden Braten, Bratkartoffeln, Rosenkohl und weitere Gemüsesorten sowie Stuffing serviert. Das ist eine Füllung, die aus Brot, Zwiebeln und Gemüse besteht und die meist in den Turkey gefüllt oder einfach auch so gegessen wird. Aufgetischt wird ebenfalls Wein. Bei Broxham bekamen die Kinder jeweils einen Schluck. Das Dinner endet mit dem flambierten Pudding. Zum Verdauen werden Mint-Chocolats aufgetischt. Da Broxham weit entfernt von ihren Verwandten wohnten, feierten sie Weihnachten in der Familie – ohne Verwandte. Nach dem Essen durften die Geschenke ausgepackt werden. Zur Tradition gehören auch die Christmas Crackers. Das sind übergrosse Bonbons, die Knallpulver enthalten, und beim Gedeck jeder Person liegen. Zu Beginn des Dinners zupfen zwei Personen je an einem Ende. Aus dem Cracker kommen ein Spiel, ein Instrument, eine Seidenpapierkrone sowie ein Witz. «Es ist Tradition, dass es ein Flachwitz ist», erklärt Elli Broxham und lacht.

Christmas-Card: Wer keine bekommt, ist beleidigt

Am 26. Dezember gilt es, die Reste zu essen. Dann kommen die Leute aus dem Dorf vorbei oder Broxhams waren bei Bekannten eingeladen. «Das war immer eine schöne Zeit», erinnert sie sich. Auch in Wales genossen die Einwohnerinnen und Einwohner zwischen Weihnachten und Neujahr die freie Zeit.

In bester Erinnerung ist Elli Boxham das Schreiben von Weihnachtskarten: «Die wurden an alle und jeden versandt. An die Verwandten, Bekannten, Arbeitskollegen. Wer keine bekam, war beleidigt.» Sie empfand den Versand dieser grossen Anzahl Karten, die wenig Inhalt hatten, als völlig sinnlos. In England sind Christmas-Cards in 100-er oder 200-er Schachteln erhältlich.

Hinweis: Während der Adventszeit erscheint wöchentlich ein Text unter dem Titel: «Wie wird Weihnachten im ehemaligen Heimatland gefeiert.» Vier Frauen erzählen von den Bräuchen und Traditionen aus dem Land, in dem sie aufgewachsen sind. Bereits erschienen: Dorthe Keller-Boedker, Dänemark (30. November).

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