Interview
«Ich verurteile die übertriebene polizeiliche Gewalt»: Anna Miotto steht hinter den Aktivisten

Anfang des Monats waren Banken das Ziel von Klimastreiks. Anna Miotto der Klimastreikkollektive Ostwschweiz und Wil äussert sich zu den Aktionen und blickt in die Zukunft der Klimastreiks.

Dinah Hauser
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Anna Miotto setzt sich für das Klima ein. (Bild: David Grob)

Anna Miotto setzt sich für das Klima ein. (Bild: David Grob)

Die Uzwilerin und Vorstehende der Juso-Sektion Wil-Toggenburg Anna Miotto ist Mitglied der Klimastreikkollektive Ostschweiz und Wil. Sie bezieht Stellung zu den Vorfällen in Zürich und Basel und blickt in die Zukunft der Klimastreiks.

Wie steht das Klimastreikkollektiv Wil und Ostschweiz zu den Streiks vor den Banken Anfang Juli in Zürich und Basel?

Anna Miotto: Das Collective Climate Justice fordert Klimagerechtigkeit, die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens durch Grossbanken und ein entsprechendes System, um dies zu erreichen. Dies sind in etwa die Forderungen des Klimakollektivs Schweiz, weshalb sich die Bewegung mit den Aktivistinnen und Aktivisten solidarisiert. Obwohl Schweizer Banken nicht selber Öl oder Kohle fördern, ermöglichen sie dies mit ihren Finanzierungen an Unternehmen, die dies tun. In den letzten drei Jahren gingen mehr als 80 Milliarden US-Dollar der Banken UBS und Credit Suisse an klimaschädliche Projekte.

Wie stehen Sie zu den Verhaftungen?

Die Aktivistinnen und Aktivisten streikten friedlich, trotzdem wurden mehr als 80 Personen erst abgeschleppt und dann verhaftet. Klimaschutz ist kein Verbrechen, deshalb verurteile ich die masslos übertriebenen polizeilichen Massnahmen zutiefst. Ich unterstütze deshalb auch die darauf folgenden Streiks vor Polizeigebäuden.

Planen Sie, mit den Klimastreikkollektiven vor Banken und anderen Institutionen zu streiken?

Das Kollektiv Klimastreik Ostschweiz befindet sich gerade in der Sommerpause. Neue Projekte werden ab nächster Woche wieder besprochen.

Die Klimastreikkollektive Wil und Ostschweiz sind einige von vielen. Wie positionieren sie sich zueinander und zu anderen Klimastreikkollektiven?

Grundsätzlich ist bei Klimastreik Schweiz jede Region und jedes Kollektiv recht unabhängig. Die Grundsätze wie zum Beispiel die nationalen Forderungen und sonstige wichtige Entscheidungen und Grundsätze sind aber auf nationalem Level geregelt und auch überall gleich.

Viele Themen verschwinden nach einer gewissen Zeit wieder. Was tun Sie, damit die Klimadebatte relevant bleibt?

Das ist ein Thema, das nicht im Sand versinken darf. Wichtig ist, dass wir dran bleiben, auch wenn scheinbar nicht viel passiert und es manchmal schwierig ist, die Aufmerksamkeit zu behalten. Wir sind bereits mehr als ein halbes Jahr aktiv und planen noch viele weitere Aktionen bis ins nächste Jahr hinein.

Wie sehen Sie die Zukunft der Klimastreiks?

Wir werden nicht einfach verschwinden. Ganz wichtig sind die kommenden eidgenössischen Wahlen im Herbst. Da zeigt sich, ob wir etwas bewirkt haben oder nicht. Was wir wollen, ist vor allem auch eine politische Veränderung. Solange die Bürgerlichen mit einer Mehrheit vertreten sind, wird sich aber kaum etwas verändern. Je nachdem wie die Wahlen ausfallen, werden wir auch unsere Pläne anpassen.