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Interview

Ein ausgewanderter Wiler in Malaysia: «Ich vermisse die Jahreszeiten»

Vor Jahren verzierte Alexander Huwyler die Aussenwände des Wiler Gare de Lion mit Graffitis. Seit 2004 lebt der 42-jährige Grafik-Designer in Malaysia. Doch die Verbindungen zu seiner Heimat sind noch immer ausgeprägt.
Adrian Zeller
Alexander Huwyler mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Malaysia. (Bild: zvg)

Alexander Huwyler mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Malaysia. (Bild: zvg)


Herr Huwyler, wie kam es, dass Sie nach Malaysia ausgewandert sind?

Ich fühlte mich schon immer wohl in Asien, ich habe mit 16 und dann nochmals mit 21 Jahren je ein halbes Jahr in Japan gelebt. Ich habe Malaysia im Jahr 2000 das erste Mal bereist und mochte das Land und die Leute auf Anhieb sehr.

«Beeindruckt hat mich, wie so viele verschiedene Kulturen in einem Land friedlich zusammenleben können.»

In 2004 bekam ich dann ein Jobangebot durch eine Bekannte in Kuala Lumpur. Ich wollte ursprünglich für ein Jahr hier bleiben, mittlerweile sind es aber schon fast 15 Jahre geworden.

Was machen Sie beruflich?

Ich bin Grafiker und arbeite seit 2004 bei Freeform Design, einer kleinen «Boutique»- Agentur in Kuala Lumpur. Die Agentur wurde 1994 von meinem Arbeitgeber Kamil Yunus gegründet, nachdem er in den USA studiert und gearbeitet hatte. Wir haben einen kleinen aber exklusiven Kundenstamm und probieren mit unseren Kunden eine langjährige Beziehung aufzubauen. Als dienstältester Mitarbeiter und mittlerweile Geschäftspartner leite ich die Agentur grösstenteils.

Wie war Ihr Werdegang?

Ich habe an der Kunstgewerbeschule Basel studiert und im Jahr 2000 abgeschlossen. Anschliessend habe ich bei Agenturen in der Schweiz gearbeitet und gleichzeitig auch Freelance-Arbeiten ausgeführt.

Ihre Frau stammt aus Malaysia. Was macht sie beruflich?

Sie ist Personalchefin für eine europäische Firma und betreibt nebenberuflich ein Modelabel für Accessoires aus Seide. Sie ist auch zertifizierte Yogalehrerin.

Alexander Huwyler mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Malaysia. (Bild: zvg)

Alexander Huwyler mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Malaysia. (Bild: zvg)

Sie stammen beide aus unterschiedlichen Kulturen, wie äussert sich dies im Alltag?

Es ist auf jeden Fall interessant eine Partnerin mit einem anderen kulturellen Hintergrund zu haben, bei der Erziehung der Kinder zum Beispiel kann sich das schon mal zeigen. Da meine Frau sechs Jahre in Australien gelebt hat und ich schon fünf Jahre in Asien verbracht habe, hatten wir beide schon ein gewisses kulturelles Verständnis füreinander.

Auf was muss man denn in einer solchen Beziehung achten?

Etwas vom wichtigsten in einer multikulturellen Partnerschaft, wie wohl in jeder Beziehung, ist die Kommunikation. Sprachlich haben wir da beide keine Mühe, da wir fliessend englisch sprechen. Es ist enorm wichtig, dass beide Verständnis für die Kultur anderer aufbringen, und dass beide gewillt sind, voneinander zu lernen.

«Für unsere Kinder ist der Unterschied eine grosse Bereicherung, sie wachsen mit drei Sprachen auf, Malaysisch, Englisch und Deutsch, und lernen sich in mehreren Kulturen zurechtzufinden.»

Sie lernen zum Beispiel asiatisch kochen von der Mama und europäisch vom Papa und zelebrieren auch alle kulturellen Feste der beiden Länder.

Wie steht es um die schulische Situation Ihrer Kinder?

Ich habe eine Stieftochter, die 16 Jahre alt ist, sie lebt mit ihrem Vater, besucht uns aber sehr oft. Sie geht auf eine öffentliche malaysische Schule. Meine zweite Tochter ist acht Jahre alt, sie hat einen lokalen Montessori Kindergarten besucht und dann mit fünf Jahren in die Vorschule des deutschen Kindergartens in Kuala Lumpur gewechselt. Jetzt geht sie in die zweite Klasse der deutschen Schule Kuala Lumpur (DSKL). Meine jüngste Tochter ist 5 Jahre alt, war auch im gleichen lokalen Kindergarten und besucht seit diesem Sommer die Vorschule der DSKL.

Wie wohnen Sie?

Wir wohnen knapp 25 Minuten Autofahrt von der Stadtmitte entfernt, aber trotzdem recht zentral und in der Nähe von der Schule der Kinder und dem Arbeitsort meiner Frau. Wir wohnen in einer Eigentumswohnung in einer Überbauung, die nach dem Vorbild der weissen Dörfer in Andalusien gestaltet wurde. Es fühlt sich sehr ressortartig an mit einem grossen Swimmingpool und einem üppigen tropischen Garten.

Wie sieht Ihr Freundeskreis aus?

Da Malaysia ein sehr multikulturelles Land ist, habe ich Freunde mit malayischen, indischen, chinesischen und indigenen Wurzeln. Seit unsere Kinder die deutsche Schule besuchen, habe ich vermehrt Kontakt mit deutschsprachigen Einwanderern und Expatriate. Meine Mitarbeiter sind mehrheitlich einheimisch, wir hatten aber über die Jahre auch Mitarbeiter aus Italien, Holland, Frankreich, Bosnien, Iran, Argentinien und Sri Lanka.

Ist die Arbeitsmentalität in Malaysia vergleichbar mit der in der Schweiz?

Bei der Arbeitsmentalität gibt es sicher Unterschiede zur Schweiz. Zum einen hat dies mit dem starken Lohngefälle zu tun, der gesetzliche Mindestlohn liegt mittlerweile bei 1100 Malaysischer Ringgit (260 Franken) im Monat, wo hingegen ein Mitglied der Führungsetage einer grossen Firma auch schnell mal das zwanzigfache verdient. Es gibt auch einen grossen Unterschied in der Arbeitsmentalität vom öffentlichen zum privaten Sektor.

«Im öffentlichen Sektor wird meistens weit weniger effektiv gearbeitet als im privaten, ein entscheidender Aspekt ist unter anderem die tiefen Löhne im öffentlichen Sektor.»

Im privaten Sektor hingegen wird sehr hart und mehrheitlich auch effektiv gearbeitet. Ein weiterer Unterschied im Vergleich zu der Schweiz ist sicher auch das Arbeitsgesetz, das vor allem den Arbeitgeber bevorzugt. Durch das Fehlen von Gewerkschaften gibt es auch sehr wenig Kontrollen.

Wie verbringen Sie und Ihre Familie die Freizeit?

Zuhause verbringen wir viel Zeit im und am Pool, unternehmen auch öfters Ausflüge ins Grüne und wir treiben Sport. Meine Kinder gehen schwimmen und ins Capoeira (eine Mischung aus Kampf, Tanz und Spiel, das ursprünglich aus Brasilien stammt; Anm. der Red.), meine Frau macht Yoga und Boxen, ich gehe Laufen und spiele Futsal (eine aus Südamerika stammende Variante des Hallenfussballs; Anm. d. Red.). Ich fotografiere auch viel in meiner Freizeit. Wir probieren auch so viel wie möglich in der Region zu Reisen. Unsere Töchter und ich zeichnen und basteln zudem alle sehr gerne. Wir besuchen auch viele kulturelle Veranstaltungen und Konzerte.

Wie sind die klimatischen Unterschiede zur Schweiz?

Das Klima ist tropisch, Kuala Lumpur liegt ca. 350 km nördlich vom Äquator. Es gibt eine Trockenzeit und eine Regenzeit. Die Temperatur ist im Durchschnitt um die 30 Grad, kann auch mal auf 35 Grad hochsteigen, sehr selten fällt sie unter 23 Grad.

Wie ernährt man sich in Malaysia?

Das Speiseangebot ist aufgrund der Geschichte des Landes und der verschiedenen Kulturen sehr vielfältig. Es ist grösstenteils eine Mischung von traditionellem Essen mit malaiischem, chinesischem, indischem und indigenem Einfluss aus Borneo, das aber auch über Zeit unter anderem von Thailand, Portugal, Holland und Grossbritannien beeinflusst wurde. Da das Essen in Malaysia fast rund um die Uhr zu sehr erschwinglichen Preisen erhältlich ist, wird auch viel mehr auswärts gegessen als in der Schweiz, was die Städte gerade am Abend sehr lebhaft macht.

Vermissen Sie im Alltag etwas aus der Schweiz?

Ich vermisse seit ein paar Jahren die vier Jahreszeiten. Mir fehlt sicher auch das gut ausgebaute öffentliche Verkehrsnetz in der Schweiz sowie die Möglichkeit, sich mit dem Fahrrad zu bewegen. Für meine Kinder vermisse ich die Bewegungsfreiheit der Schweiz. In Malaysia ist sie fast undenkbar.

Können Sie sich nach der langen Abwesenheit ein Leben in der Schweiz vorstellen?

Ja, auf jeden Fall, ich vermisse meine Familie, Freunde und das Leben in der Schweiz doch sehr. Ich würde gerne in der Zukunft wieder in die Schweiz ziehen. Dies ist auch einer der Hauptgründe, weshalb wir unsere Kinder an die deutsche Schule schicken.

Wie intensiv verfolgen Sie das aktuelle Geschehen in der Schweiz?

Ich verfolge es regelmässig, vor allem Kultur, Sport und Wirtschaft, gelegentlich auch Politik. Ich probiere auch wenn immer möglich, schriftlich abzustimmen. Ich lese fast jeden Tag eine Schweizer Zeitung online und schaue mir auch bei Gelegenheit Sendungen an, beispielsweise auf SRF, ARD oder Arte.

Die Heimat von Alexander Huwyler

Das in Südostasien gelegene Malaysia ist eine parlamentarische Monarchie; der Islam ist Staatsreligion. 60 Prozent der rund 32 Millionen Einwohner bekennen sich zu diesem Glauben. Im multikulturellen Land leben auch bekennende Hindus, Buddhisten und Christen. Das einstige Agrarland erlebt seit den neunziger Jahren einen Wirtschaftsboom und zählt heute zu den asiatischen Schwellenländern. (az)

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