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«Ich muss nicht, ich darf»: Jörg Caluori über seine Kandidatur für das Gemeindepräsidium von Niederbüren

Den Überraschungseffekt hat er definitiv auf seiner Seite: Jörg Caluori will Gemeindepräsident von Niederbüren werden. Er sieht sich als Kandidat, der frischen Wind bringt.
Tobias Söldi
In seinem neuen Zuhause: Jörg Caluori wohnt seit knapp einer Woche in Niederbüren. (Bild: Tobias Söldi)

In seinem neuen Zuhause: Jörg Caluori wohnt seit knapp einer Woche in Niederbüren. (Bild: Tobias Söldi)

Sie kandidieren für das Gemeindepräsidium. Warum geniessen Sie nicht stattdessen Ihren Ruhestand?

Jörg Caluori: Ich kann einfach nicht ruhig sitzen. Meine Frau ist voll im Berufsleben, und ich will auch noch etwas tun. Ich habe ein privilegiertes Leben führen dürfen, alle Türen standen mir offen, und während 30 bis 40 Jahren hatte ich immer gute Jobs. Jetzt möchte ich etwas zurückgeben.

Warum an Niederbüren?

Meine Frau und ich haben eine Wohnung gesucht und in Niederbüren etwas Passendes gefunden. Es ist schön ruhig hier, liegt aber trotzdem nicht ab vom Schuss. Man ist sehr schnell in Wil oder St. Gallen.

Wie haben Sie von der Stelle erfahren?

Als ich auf die Gemeindeverwaltung ging, um die neue Wohnung zu verschreiben, ist das Thema zum ersten Mal gefallen. Daraufhin hatte ich mit Handwerkern Kontakt und von den beiden Kandidaten erfahren. Ich habe mir die Sache durch den Kopf gehen lassen, schliesslich bin ich jetzt ein Niederbürer (lacht). Zwei Kollegen haben mir gesagt: «Du hast keine Chance.» Das habe ich gleich als Motto genommen. Ich muss nicht, ich darf.

Die Kandidatur hat sich also auch aus den Umständen ergeben. Meinen Sie es ernst?

Ja, ich meine es ernst. Ich übernehme jede Aufgabe mit Herzblut, wenn es passt. Das war schon immer so.

Warum haben Sie sich nicht über die Findungskommission beworben?

Ich war schlicht zu spät dran, musste mir die Kandidatur natürlich auch überlegen. Meine Unterlagen habe ich vergangenen Donnerstag eingereicht – am letztmöglichen Tag, weil die Gemeindeverwaltung am Freitag nicht da war. Herr Hollenstein hat mir am Montag dann die Kandidatur bestätigt.

Wie positionieren Sie sich gegenüber Ihrer Konkurrenz? Caroline Bartholet ist die bekannte Politikerin aus der Region, Christoph Koenig der unbekannte Auswärtige.

Ich bin die Alternative, die andere Wahl, die für eine unkonventionelle, aber nicht minder gute Lösung steht.

Haben Sie Niederbüren schon vor Ihrem Umzug gekannt?

Ich habe einen Freund aus Niederhelfenschwil, mit dem ich oft hier spazieren ging. Niederbüren hat ein sehr schönes Naherholungsgebiet. Ausserdem hat vor vielen Jahren meine Schwester hier als Lehrerin gearbeitet.

Sie haben keine Erfahrungen in der Gemeindepolitik. Was bringen Sie mit für das Amt?

Führungsqualitäten. Ich habe gut 30 Jahre lang verschiedene Firmen mit bis zu 60 Mitarbeitenden geführt und auch Verantwortung über das Budget gehabt. Ich bin der Meinung, dass eine Gemeinde ähnlich zu führen ist wie eine Firma: Es gibt ein Budget mit Einnahmen und Ausgaben, man muss transparent kommunizieren. Als Führungskraft kann man nicht überall bis ins Detail kompetent sein, sondern muss delegieren, den Leuten Eigenverantwortung übergeben und sie arbeiten lassen. Zudem war ich schon immer politisch aktiv, habe mich zum Beispiel fürs Gewerbe in St. Gallen eingesetzt.

Wo würden Sie Ihre Schwerpunkte setzen?

Viele schimpfen über die hohen Steuern hier. Der Steuerfuss liesse sich optimieren, indem man gut verdienende Leute, neue Firmen und Gewerbe hierher lockt. Schliesslich liegt Niederbüren in der Ostschweiz sehr zentral. Ausserdem hat die Gemeinde eine wunderschöne Natur, die es nicht nur zu erhalten, sondern auch auszubauen gilt. Aber natürlich muss ich zuerst reinkommen, schauen, was die Projekte sind.

Sie kandidieren ohne Partei und Findungskommission im Rücken. Ein Nachteil?

Das würde ich nicht sagen, aber wahrscheinlich denken einige Leute so. Ich vertrete Positionen von der SVP über die CVP bis zur SP. Es gibt keine Partei für mich, aber in vielen Fragen bin ich bürgerlich. Es ist doch viel schöner, unabhängig zu entscheiden.

Wollen Sie für 60 oder 100 Prozent kandidieren?

Da will ich mich noch nicht festlegen. So oder so verlangt das Amt viel Engagement und Präsenz. Man wird für 60 Prozent bezahlt, ist aber 100 Prozent da. Ich bin auch in Verwaltungsarbeiten gut und könnte entsprechende Aufgaben übernehmen.

Wie sehen Sie es mit dem Alter? Mit 65 Jahren sind Sie der älteste Kandidat.

Das Alter ist sekundär, ich bin genug fit. Und heute sind doch auch viele ältere Menschen noch gut drauf. Wer intellektuell dabei ist, bleibt jung. Ich werde sicher fünf Jahre bleiben, aber natürlich kommt es drauf an, wie sich das Ganze entwickelt.

Wie schätzen Sie ihre Wahlchancen ein?

Eher klein. Ausser die Leute stehen auf Unkonventionelles und wollen frischen Wind.

Wie werden Sie Wahlkampf betreiben?

Das Wort Wahlkampf gefällt mir nicht (lacht). Ich werde mich sicher positionieren, Flyer verteilen, auf die Leute zugehen, damit sie mich kennen lernen können. Ich habe dazu schon einige Sachen im Kopf.

Steckbrief

- geboren: 18. November 1953
- wohnhaft in Niederbüren
- verheiratet, Vater von zwei Söhnen und Grossvater eines Enkels
- Berufserfahrungen: Geschäftsführer der Rösslitor-Buchhandlung in St. Gallen, Administrativer Geschäftsführer FC St. Gallen, Geschäftsführer Musik Hug St. Gallen, Programmierer, Handelsschule mit Diplomabschluss, Laborantenlehre in Basel
- Partei: parteilos
- Hobbys: Eishockey, Fussball, Musik, Kultur allgemein

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