«Ich hatte nie einen Unfall oder Blechschaden»

Anni Dürr-Keller aus Niederwil fuhr im April 1980 erstmals Kinder mit dem Bus zur Schule. Nach mehr als 33 Jahren hatte sie die letzte Fahrt. Darüber war sie selber erstaunt. Von nun an wird sie Kinder hüten, denn ihre Tochter übernimmt den Fahrdienst.

Zita Meienhofer
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NIEDERWIL. Dass sie am Donnerstagmorgen zum letzten Mal die Kindergärtler zum Schulhaus fahren würde, dessen war sie sich nicht bewusst – und über das Blumenbouquet am Auto hatte sie sich auch nicht gewundert. «Die Kinder haben zwar nachgefragt, wofür die Blumen sind», sagt Anni Dürr, sie sei der Ansicht gewesen, dass diese wohl von einer früheren Fahrt gewesen seien, da die Schulbus-Inhaberin, die Postauto Keller AG, den Bus auch für andere Anlässe braucht. Dass Anni Dürr altershalber die Bus-Schlüssel weitergibt, ist nicht der einzige Grund. Es ist die Chauffeurzulassungsverordnungs-Bewilligung (CZV), die Ende August ausläuft. Sie müsste wiederum Kurse besuchen und Prüfungen absolvieren. «Das mache ich nicht mehr», hat Anni Dürr ihrem Bruder Martin Keller – er führt mit seinem Sohn Tobias das Unternehmen – schon länger kundgetan.

Am zweiten Tag losgefahren

Am 22. April 1980 – einen Tag zuvor hatte der Schulbus seinen Betrieb aufgenommen – hatte Anni Dürr erstmals Schüler transportiert. Damals waren es die Realschüler aus den Gemeinden Ober- und Niederbüren, die nach Niederwil und Oberbüren zur Schule transportiert werden mussten. Zehn Jahre später wurden erstmals die Niederwiler Kindergärtler in den Aussenhöfen abgeholt und mit dem Bus zur Schule gefahren. Die Kindergärtler sind ihr bis zum letzten Arbeitstag geblieben. An die erste Fahrt könne sie sich nicht mehr erinnern. «Als mich mein Bruder anfragte, habe ich nur gedacht: Hoffentlich kann ich mit diesem Bus fahren», erzählt Anni Dürr. Sie konnte.

Während der 33 Jahre fuhr sie drei verschiedene Mercedes-Benz-Modelle. «Ich hatte immer Glück.» Einmal, im Winter, sei sie im Schnee stecken geblieben, sonst hatte sie weder einen Unfall, noch einen Blechschaden. «Und», erzählt sie lachend, «am 2. Oktober 1986 kam ich in eine Polizeikontrolle.» Sie musste alle Papiere vorweisen, es fehlte das Arbeitsbuch – der heutige Kartenschreiber. Anni Dürr bekam ihre bislang einzige Busse wegen Nichtnachführen des Arbeitsbuches.

Schlüssel gehen an Tochter

Eine besondere Anekdote ist ihr nicht präsent. «Da waren manchmal die Kindergärtler, welche die ersten Tage beim Einsteigen geweint haben», sagt Anni Dürr. Sie habe sie getröstet und in den Kindergarten begleitet. «Und, nur einmal», erzählt die Schulbus-Chauffeuse, sei sie laut geworden und habe gesagt, dass die Schüler aussteigen müssten, wenn sie sich nicht anständig benehmen. «Ich hatte in all den Jahren ein gutes Einvernehmen mit den Schülern und den Eltern». Davon zeugen auch die Zeichnungen, welche sie jeweils von ihren Fahrgästen erhalten hatte.

Anni Dürr hat als Tochter von Postautohalter Johann Keller das Postauto- und Busfahren im Blut. Kaum war sie 18 Jahre alt, absolvierte sie die ersten Fahrstunden. Anni Dürr sagt, dass sie gerne Schulbus gefahren sei. Das glaubt man ihr sofort. Statt Bus fahren werde sie von nun an Kinder hüten, sagt sie lachend, denn ihre Tochter Franziska wird ihre Schlüssel übernehmen.