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Interview

«Ich habe mich in dieser Funktion gefunden»: Nach 23 Jahren im Amt geht Niederbürens Gemeindepräsident in Pension

Ende September hat er seinen letzten Arbeitstag: Niederbürens Gemeindepräsident Niklaus Hollenstein. Dem Dorf bleibt er erhalten.
Tobias Söldi
Trotz mehr als zwei Jahrzehnten im Amt: Niklaus Hollenstein tritt nicht aus Amtsmüdigkeit zurück. (Bild: Tobias Söldi)

Trotz mehr als zwei Jahrzehnten im Amt: Niklaus Hollenstein tritt nicht aus Amtsmüdigkeit zurück. (Bild: Tobias Söldi)

Niederbüren hat turbulente Monate hinter sich mit einem hitzigen Wahlkampf um ihre Nachfolge und dem Streit ums Textilmuseum. Sind Sie erleichtert, zurücktreten zu dürfen?

Niklaus Hollenstein: Das hat nichts miteinander zu tun. Ich durfte den Zeitpunkt meiner Pensionierung frühzeitig mitbestimmen und bekanntgeben, lange vor diesen Vorfällen.

Mit welchem Gefühl gehen Sie in Pension?

Mit Dankbarkeit gegenüber der Bevölkerung, Behörden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Funktionären.

Der Übergang von der Arbeit in die Pensionierung fällt nicht allen leicht. Machen Sie sich Sorgen?

Ich bin zuversichtlich, den Übertritt in den dritten Lebensabschnitt lustvoll und mit Dankbarkeit und Zufriedenheit zu schaffen, auch wenn sich mein Alltag und meine Zeitfenster grundlegend verändern. Meine Familie freut sich mit mir.

Was haben Sie vor mit der neugewonnenen Zeit?

Ich muss zuerst in der Pensionierung ankommen. Bis jetzt hatte ich ehrlich gesagt gar keine Zeit, mich damit auseinanderzusetzen. Konkrete Pläne habe ich darum noch nicht.

Ihr Vorgänger hat gleich nach seinem Rücktritt Niederbüren den Rücken gekehrt und ist nach Wil umgezogen. Werden Sie es ihm gleichtun?

Nein. Meine Familie und ich haben hier Wurzeln geschlagen, wir sind in Niederbüren zu Hause. Ein Wegzug war nie Thema.

Kaum jemand dürfte so viel Wissen über die Gemeinde haben wie Sie. Werden Sie sich noch ins politische Geschehen einbringen?

Ich werde mich ins gesellschaftliche Leben einbringen, aber nicht ins politische. Die Kenntnisse über die Gemeinde muss sich jede Generation wieder neu erarbeiten.

Mit 1500 Einwohnern ist Niederbüren die kleinste Gemeinde im Wahlkreis Wil. Ein hartes Pflaster für einen Gemeindepräsidenten?

Es ist nicht härter als andere Gemeinden.

Im Gegenteil: Es hat auch Vorteile, dass Niederbüren eine kleine Gemeinde mit nur einem Dorf ist, zum Beispiel mit Blick auf das gesellschaftliche Zusammenleben und die Netzwerkpflege.

Das erleichtert die Beteiligung am Leben in der Gemeinde.

Dafür kennt man sich und kann sich nicht verstecken.

Ja, Verantwortlichkeit und Verfügbarkeit sind hoch. Anonymität ist kaum möglich. Der direkte Gesprächskontakt war für mich jedoch immer auch ein willkommener Vorteil gegenüber grossen Organisationseinheiten.

Konnten Sie ungestört durchs Dorf spazieren?

Ich habe Freizeit und Amtstätigkeit bewusst getrennt. Das muss man auch können. Von der Bevölkerung ist das immer respektiert worden. Ich habe nie Anrufe in der Freizeit erhalten.

Sind 1500 Einwohner genug, um eigenständig zu sein?

Schweizweit gesehen ist Niederbüren absolut keine Kleinstgemeinde. Und flächenmässig sind wir mit 15 Quadratkilometern grösser als manch andere Gemeinde. Die Grösse ist aber nicht entscheidend. Mit einer effizienten Aufgabenerfüllung kann Niederbüren weiterhin eine aufgeschlossene Landgemeinde bleiben.

War eine Fusion mit einer Nachbargemeinde je Thema?

Eine solche Idee müsste eine Herzenssache von zwei gleichwertigen Partnern sein und ist deshalb kein Thema für Niederbüren.

Trotzdem: Niederbüren befindet sich auch ein wenig im Niemandsland. Wohin orientiert es sich?

Niederbüren hat keine Hauptorientierung nach Uzwil, Bischofszell, Gossau oder Flawil, pflegt aber verschiedene Zusammenarbeitslösungen mit den Nachbargemeinden.

Dass wir in der Mitte dieser Orte liegen, ist auch ein starkes Argument für Neuzuzüger: Landluft in Stadtnähe.

Schliesslich ist Niederbüren in die malerische Hügellandschaft des Fürstenlandes eingebettet.

Und wirtschaftlich? Geht mit der landwirtschaftlichen Prägung die Gefahr der Abhängigkeit einher?

Der Eindruck täuscht. Auch wenn die Landschaftsqualität und Biodiversität in unserer Landgemeinde auffällt, gibt es in Niederbüren weit mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze ausserhalb als innerhalb der Landwirtschaft. Mit 58 Landwirtschaftsbetrieben haben wir zum Beispiel weniger als Gossau. Im Verhältnis zur Siedlungsgrösse hat Niederbüren auf jeden Fall ein vielfältiges Angebot von Betrieben.

Sie haben die Gemeinde mehr als zwei Jahrzehnte lang begleitet. Wo hat sich Niederbüren am stärksten verändert?

Es ist schwierig, etwas herauszupicken. Die Infrastrukturen konnten in diesen Jahren massgeschneidert für Niederbüren realisiert, unterhalten und erweitert werden: vom Dorfbachausbau und der Rekultivierung des Kiesgrubenareals über den Freizeitpark und den öffentlichen Kinderspielplatz bis zu verschiedenen Überbauungen. Ausserdem hat sich Niederbüren in den vergangenen Jahren entschuldet und konnte den Steuerfuss um 33 Prozentpunkte senken.

Verändert hat sich auch die Arbeit im Gemeindehaus.

Ja, die formalen Vorgaben sind strenger geworden. Durch die zunehmende Bürokratisierung ist die Arbeit aufwendiger. Für eine Baubewilligung muss heute viel mehr abgeklärt werden als früher. Die neuen kommunikativen Möglichkeiten ermöglichen es aber auch, diesen Ansprüchen gerecht zu werden.

Es ist spannend, mit diesen gesellschaftlichen Veränderungen mitzugehen.

Wo wird Ihre Nachfolgerin Caroline Bartholet am meisten zu tun haben?

Sie wird sich den laufenden Herausforderungen stellen müssen. Ein wichtiges Thema wird sicher die Weiterbearbeitung der Ortsplanungsrevision nach den Vorgaben von Bund und Kanton sein. Es geht darum, qualitativ hochwertige, ortsverträgliche Quartiere zu sichern und eine mögliche Siedlungsentwicklung zu unterstützen.

Würden Sie das Amt wieder antreten?

Ja, ich habe es nie bereut und trete auch nicht aus Amtsmüdigkeit zurück. Obwohl ich damals für das Amt angefragt worden bin: Ich habe mich in dieser Funktion gefunden.

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