«Ich habe geweint vor Freude»

WIL. Die Wiler Sopranistin Nicole Bosshard erhält den Förderpreis der St. Galler Kulturstiftung. Sie überzeugte das Amt für Kultur mit ihrer Darstellung der Violetta in der Oper «La Traviata». Für sie bedeutet der Preis eine grosse Anerkennung.

Carola Nadler
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Nicole Bosshard wird den Förderpreis am Freitag in Bad Ragaz entgegennehmen. (Bild: Carola Nadler)

Nicole Bosshard wird den Förderpreis am Freitag in Bad Ragaz entgegennehmen. (Bild: Carola Nadler)

«La Traviata», Nicole Bosshards überwältigender Bühnenerfolg in der Produktion des Musiktheaters Wil, ist schon lange Geschichte. Dennoch begleitet die Figur der Violetta die Wilerin weiterhin: Immer wieder singt sie Arien daraus. So zum Beispiel kürzlich in Salzburg am Wettbewerb «Grandi Voci 2015». «Ich war wahnsinnig aufgeregt an diesem Wettbewerb», erzählt Bosshard augenrollend, «wie schon lange nicht mehr.» Vor der Bühne hatte ein leerer Saal gelegen und irgendwo im Dunkeln konnte sie fünf Lichtpunkte erkennen. Dort sass die Jury. «Ich hatte mir eine leere Prosecco-Flasche besorgt, um ein bisschen Regie einbauen zu können, in der Hoffnung, die Nervosität würde sich legen.»

«Was wollen die denn von mir»

Die «Traviata»-Arie «E strano» wird Nicole Bosshard auch kommenden Freitag singen: In Bad Ragaz, wo ihr der Förderpreis der Kulturstiftung St. Gallen verliehen werden wird. «Ich hätte nie im Leben mit so einer Auszeichnung gerechnet», erzählt die Sopranistin. Vor allem weil ja Förderpreise eher an junge Talente vergeben werden. «Als der Brief vom Amt für Kultur eintraf, wunderte ich mich schon», erinnert sich Bosshard. «Was wollen die denn von mir?» Als sie dann Kenntnis vom Inhalt bekam, habe sie vor Freude geweint wie schon lange nicht mehr. Letztmals bei der erfolgreichen Berufsprüfung SSK 2. Die Freude hatte sie allerdings lange für sich behalten müssen, Vorgabe vom Kulturamt. Sie durfte erst vor gut einem Monat ihr Umfeld informieren. «Ein bisschen knapp, um sich einen Freitagabend zu reservieren.»

Zusammen mit dem Künstler-Ehepaar Esther und Rolf Hohmeister wird Nicole Bosshard nun kommenden Freitag im Grand Resort in Bad Ragaz diesen Preis entgegennehmen. In den dreimal fünf Minuten, die ihr zur Verfügung stehen, wird sie nebst «E strano» auch eine Arie aus Bellinis «I Capuleti e i Montecchi» singen. «Und damit es nicht ganz so tragisch wird, habe ich für den dritten Auftritt etwas aus der <Fledermaus> gewählt», schmunzelt Bosshard mit sichtlicher Vorfreude.

Neue Kontakte knüpfen

Grosse Veränderungen wird dieser Preis vorerst keine mit sich bringen, ausser dass sich die Sängerin einen lang gehegten Wunsch erfüllt: Anfang 2016 eine CD zu produzieren. «Sie ist aber nicht für den Verkauf gedacht, sondern soll mir für Bewerbungen dienen», so Bosshard. Einen Wunsch für die Zukunft hat sie freilich durchaus: Mehr Musik machen zu können. Dass der Förderpreis in Bad Ragaz verliehen wird und nicht im Raum Wil, ist ihr darum ganz recht: «So kann ich neue Kontakte knüpfen und hoffe auf neue Engagements.»

Noch ist alles für Nicole Bosshard nicht wirklich real: «Ich finde es immer noch Wahnsinn, bin noch immer völlig überrascht.»

Die Begründung des Amtes für Kultur lautet: Mit der Darstellung der Kurtisane Violetta in Verdis «La Traviata» hatte Nicole Bosshard ihr professionelles Können unter Beweis gestellt, sowohl mit ihrer natürlichen Stimme, die jede Arie spielend-leicht und zugleich der jeweiligen Situation angepasst interpretierte, als auch mit ihrem schauspielerischen Talent, das in den tragischen Szenen besonders eindrücklich zur Geltung kam. Was mit grosser Unsicherheit und Angst ob des Erfolgsdrucks begonnen und mit viel Herzblut durchgeführt worden war, erhält nun eine mehr als verdiente Anerkennung.