«Ich habe die Menschen gern»

Die bekannte Wiler Malerin Suzanne Waldvogel-Hürzeler-Erb alias SHE eröffnet die zweite Saison der Reihe «Kunst im Foyer» in Bronschhofen: Eine Begegnung mit Menschen in all ihren Facetten.

Philipp Haag
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Suzanne Waldvogel-Hürzeler-Erb vor einem im Verwaltungsgebäude in Bronschhofen ausgestellten Werk. (Bild: Philipp Haag)

Suzanne Waldvogel-Hürzeler-Erb vor einem im Verwaltungsgebäude in Bronschhofen ausgestellten Werk. (Bild: Philipp Haag)

BRONSCHHOFEN. Für einmal liess sie Block und Stift zu Hause. Oder, falls sie beides in ihrer grosszügigen Handtasche mit dabeihatte, liess sie sie unberührt. Obwohl sie eigentlich lieber im Hintergrund agiert, stand sie im Mittelpunkt: Suzanne Waldvogel-Hürzeler-Erb alias SHE. Die bekannte Wiler Malerin stellt gegenwärtig im Baudepartement in Bronschhofen aus und eröffnet somit die zweite Saison «Kunst im Foyer». Am Donnerstagabend war die Vernissage.

Im Jahr 2002 nach Wil gezogen

Geehrt fühle sie sich, dass sie in den Räumen der Stadt ausstellen dürfe, sagt Suzanne Waldvogel. Denn Wil ist ihr ans Herz gewachsen, seit sie vor 13 Jahren ins Städtchen zog. Im besonderen sind es die das Städtchen bewohnenden Menschen, die Suzanne Waldvogel faszinieren. «Ich habe die Menschen gern», sagt sie. Als «menschenhungrig» bezeichnete Stadtpräsidentin Susanne Hartmann die Künstlerin während ihrer Vernissageansprache. Seien es nun die Parlamentarierinnen und Parlamentarier – Suzanne Waldvogel sitzt bei den Sitzungen jeweils skizzierend in der ersten Reihe der Zuschauertribüne – oder der Unbekannte, der Nachbar, der Passant in all seinen Facetten. Das «Multikulti» in ihrer Umgebung – Suzanne Waldvogel hat ihr Atelier an der Pestalozzistrasse – hat es ihr angetan. Der Bahnhofplatz sei zwar schrecklich unübersichtlich, sagt Susanne Waldvogel, «aber voller Leben und somit voller Anregung und Inspiration».

Suzanne Waldvogel hat sich vor allem auf das Porträtieren der Menschen verlegt, ob mit Öl auf Leinwand oder Papier oder Kohlezeichnungen. Bereits FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter und Stadtpräsidentin Susanne Hartmann sassen ihr Modell. Aber auch illustre Persönlichkeiten wie die Schauspielerin Annemarie Blanc oder der Autor Erich von Däniken. Über 100 Porträts von Schriftstellern, Kunstschaffenden, Politikern und dem «Menschen von nebenan» hat Suzanne Waldvogel geschaffen.

Mit Respekt und Hingabe

Der Künstlerin geht es dabei nicht nur ums Ergebnis, ebenso wichtig ist ihr die Interaktion mit der zu porträtierenden Person und der Entstehungsprozess. Sie lässt sich mit Respekt und Hingabe auf ihr Gegenüber ein, sie spricht mit ihm, möchte Wichtiges, aber auch Unwichtiges über die Person erfahren. Das Gesagte fliesst zwar ins Gemälde ein, die vier Wände des Ateliers verlässt es aber nicht. Diskretion ist Suzanne Waldvogel eine Selbstverständlichkeit.

Mit Block und Stift «uf äm Hafe»

Die Leidenschaft fürs Malen hat sich bei Suzanne Waldvogel bereits als Kleinkind abgezeichnet. «Meine Grossmutter hockte mich jeweils <uf dä Hafe> und drückte mir Block und Bleistift in die Hand», erinnert sich Suzanne Waldvogel. Der Grossonkel der in Gurten BE Aufgewachsenen war Porträtmaler, ihr Onkel kannte Picasso persönlich. Das Malen zog sich dann durch das Leben der heute 89-Jährigen, die viele Jahre in Basel verbrachte, inklusive Ausbildung an Kunstschulen im Ausland und Lehrertätigkeit. Mittlerweile ist das Malen nicht mehr «nur» Leidenschaft, es ist Suzanne Waldvogels Lebenselixier.

Die Ausstellung läuft bis am 20. November.