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«Ich habe damit längst Frieden gemacht» – die bewegende Geschichte des Wiler Topskorers Andreas Ambühl

Der 23-jährige Andreas Ambühl war auf dem Weg zum Profi, ehe ein Schicksalsschlag alles änderte. Seit vergangenen Herbst spielt er für den EC Wil. Aktuell ist der Stürmer, der über mehrere Ecken mit dem Davoser NLA-Spieler Andres Ambühl verwandt ist, Topskorer der 1. Liga Ost.
Tim Frei
Torgarant: Andreas Ambühl hat 114 Treffer in 149 Partien der 1. Liga erzielt. (Bild: Benjamin Manser)

Torgarant: Andreas Ambühl hat 114 Treffer in 149 Partien der 1. Liga erzielt. (Bild: Benjamin Manser)

Und plötzlich geht es ganz schnell: Andreas Ambühl fährt seinen Stock nach hinten aus, um nur kurz danach zum Slapshot anzusetzen. Mit voller Wucht trifft die Schaufel das Eis, Ambühl legt sich mit seinem Gewicht von 102 Kilogramm in den Schuss, sodass sich der Stock wie im Lehrbuch durchbiegt – und der Puck mit Härte in Richtung Tor abgefeuert wird. Meistens haben die gegnerischen Torhüter nicht den Hauch einer Abwehrchance.

Es ist mehr die Regel denn die Ausnahme, dass der 23-Jährige nach seinem gefürchteten Abschluss die Arme in die Höhe strecken kann, und seine Mitspieler mit ihm abklatschen und einen weiteren Treffer des Stürmers feiern. Ambühl sagt:

«Klar, ich erziele gerne Tore, doch wichtiger ist mir der Erfolg mit dem Team.»

Andreas Ambühl in der Kabine der ersten Mannschaft des EC Wil. (Bild: Benjamin Manser)

Andreas Ambühl in der Kabine der ersten Mannschaft des EC Wil. (Bild: Benjamin Manser)

Schuss auf Nationalliga-Niveau

114 Treffer in 149 Partien der 1. Liga: Das sind fast 0,8 Tore pro Spiel – eine bemerkenswerte Quote. Diese Saison hat der Topskorer der Ostgruppe in vier Spielen bereits sechs Mal getroffen – und ist damit ein zentraler Baustein für den bis auf ein Spiel ansehnlichen Saisonstart des EC Wil.

Seine Abschlussstärke und die Härte, mit der er den Puck aufs Tor bringt, sucht in der Liga seinesgleichen. Manuel Mettler, Bruder des Wiler Teamkollegen Elia Mettler und früherer Trainer von Ambühl, sagt: «Sein Schuss hat Nationalliga-Niveau».

Seine Stärke hat er sich bei Davos unter Marcel Kull hart erarbeitet

Den Torriecher hatte er in sich, so Ambühl. Den Schuss dagegen musste er sich hart erarbeiten. In Davos, wo er viele Nachwuchsstufen durchlief, nahm er jeden Mittwoch an allen drei Goalietrainings des langjährigen Torhütertrainers Marcel Kull teil. Ambühl sagt:

«Ich habe so viel geschossen, dass meine Hände wund wurden.»

Apropos Davos: Ambühl ist mit Andres Ambühl, dem Captain des NLA-Clubs, verwandt. «Aber über ganz viele Ecken», sagt Wils Ambühl. Auf den bekannten Profi wird er oft angesprochen. «Das stört mich überhaupt nicht.»

Ambühl hat in dieser Saison in vier Partien bereits sechs Tore erzielt. (Bild: PD)

Ambühl hat in dieser Saison in vier Partien bereits sechs Tore erzielt. (Bild: PD)

Ambühl hat auch sonst einen starken Bezug zu Graubünden. Seine Familie kommt ursprünglich von dort, später folgte der Umzug ins Zürcher Oberland, wo Ambühl aufwuchs. Sein Übername ist zudem Tresch – Andreas auf Bündnerisch.

Der Tod seines Vaters – auch für Ambühls Karriere ein Wendepunkt

Mit Graubünden verbindet ihn aber auch ein besonders trauriges Kapitel. Nach einem einjährigen Abstecher nach Biel kehrte er auf die Saison 2014/2015 nach Davos zurück, wo er über die U20 den Sprung zum Profi schaffen wollte. Doch bevor das Abenteuer so richtig startete, hatte der damals 18-jährige Ambühl einen Schicksalsschlag hinnehmen müssen: Er war im Sommertraining, als sein Vater bei einem Unfall tödlich verunglückte. Ambühl sagt:

«Das war ein schlimmer Moment für mich. Mein Vater und ich hatten eine enge Beziehung.»

So erinnert er sich noch gut daran, wie ihm sein Vater ein Trikot der Chicago Blackhawks des Davosers Reto von Arx schenkte. «Das war mein erstes Trikot als Kind – deshalb bin auch Fan dieses NHL-Teams.»

Bei den Pikes Unterschlupf gefunden

Der Tod seines Vaters hinterliess Spuren. Ambühl war in seinen Gedanken oft bei ihm und schaffte es nicht, sein gewohntes Leistungsniveau zu erreichen. Der Zug für den Profi schien abgefahren.

Die Davoser Verantwortlichen sagten ihm zwar, dass sie einen Platz in der NLB für ihn suchen würden. Doch Ambühl merkte irgendwie, dass dies mehr ein Lippenbekenntnis war und nicht klappen würde. Schliesslich fand er bei den Pikes Oberthurgau in der 1. Liga Unterschlupf – sein Stammclub Wetzikon hatte kein Interesse.

Lastwagenmechaniker statt Spitzensportler

Weil der Traum vom Profi durch diese Geschehnisse immer unrealistischer wurde, hatte Ambühl ein neues grosses Ziel: eine Lehrstelle zu finden.

«Ich wollte nicht plötzlich auf der Strasse stehen und musste eine andere Lösung finden, um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren.»

So trat er ein Jahr nach dem Tod seines Vaters eine Lehrstelle als Lastwagenmechaniker an. Heute arbeitet er in Wil als Automechaniker bei von Rotz.

Die Mettlers sind wie eine zweite Familie für Ambühl

Ambühl trauert der verpassten Chance zum Profi nicht nach. «Ich habe damit längst Frieden gemacht. Jetzt will ich auf dem Eis einfach Spass haben mit meinen Teamkollegen», sagt er. Ein ganz wichtiger ist Elia Mettler, der zu seinem besten Freund geworden ist.

Überhaupt die Mettlers: «Sie sind wie eine zweite Familie für mich, sie geben mir in schwierigen Momenten Halt.» Ein Punkt, der für das fast schon blinde Verständnis auf dem Eis mit Elia Mettler nicht zu unterschätzen ist. «Das ist sicher ein zentraler Erfolgsfaktor», sagt Ambühl.

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