«Ich bleibe ein Fan dieser Schule»

Christoph Domeisen verlässt nach 18 Jahren die Mädchensekundarschule St. Katharina. Vor 14 Jahren übernahm er die Schulleitung des Kathis. Heute übergibt er sie in neue Hände und wechselt an die Schweizerschule in Bergamo.

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Christoph Domeisen, nach 18 Jahren an der Mädchensekundarschule St. Katharina, davon 14 Jahre als Schulleiter, begehen Sie heute Ihren letzten Arbeitstag. Wie gestaltet sich der letzte Tag?

Christoph Domeisen: Wie jedes Jahr am letzten Tag des Schuljahres feiern wir am Morgen den Schlussgottesdienst. Dabei werde ich mich von den Schülerinnen verabschieden. Am Abend gibt es dann noch eine offizielle Verabschiedung während einem Nachtessen mit dem Klosterbeirat und den Lehrpersonen. Bereits gestern konnte ich mich von Eltern der austretenden Schülerinnen verabschieden.

Sie sind der erste Mann, welcher der über 200-jährigen Mädchenschule vorstand. Wie empfanden sie das?

Domeisen: Das war ein spezielles Gefühl. Im Jahr 1993 wurde die Schulleitung von den Klosterfrauen an ein weltliches Schulleitungsteam übergeben. Esther Spinas übernahm damals die Schulleitung. Ich löste sie 1997 als erster Schulleiter ab. Wir brachten in dieser Zeit ein Leitbild und eine Führungsstruktur ein, was damals notwendig war. Der Schwerpunkt als musische Werteschule aus der 200-jährigen Geschichte ist geblieben, jedoch der Zeit angepasst worden.

Schon lange ertönt jedoch die Forderung, dass im Kathi auch Knaben und Realmädchen unterrichtet werden müssen.

Domeisen: Das Kathi hat schon lange die Bereitschaft signalisiert, auch Realmädchen aufzunehmen. Auch anlässlich der kantonalen Umstrukturierung der Primar- respektive Oberstufenschule machte das Kathi diesbezüglich ein Angebot, das vom Wiler Schulrat abgelehnt wurde. Später entstand sogar der Vorwurf der «Rosinenpicker», die nur Sekschülerinnen unterrichten. Leider konnte der Weg einer eigenen Knabenschule in Wil nie realisiert werden. Tatsache ist nun, dass an den anderen Wiler Sekundarschulen gemischte Klassen ohne Mädchen existieren. Es ist übrigens ein Trugschluss zu behaupten, reine Mädchenklassen zu unterrichten sei einfacher als Knabenklassen. Das kann ich aus langjähriger eigener Erfahrung sagen.

In all den Jahren waren Sie immer wieder einem harten Druck der Wiler Schulpolitik ausgesetzt. Wie geht man damit um?

Domeisen: Man muss eine optimistische Grundeinstellung behalten. Es braucht aber sehr viel Energie und Substanz, die man sinnvoller in den pädagogischen Bereich investieren könnte.

Die Attraktivität der Schule scheint darunter nicht gelitten zu haben.

Domeisen: Die klare Positionierung als Werteschule , das Schulprofil und die musischen Schwerpunkte machen das Kathi zu einer attraktiven Schule. Bei Umfragen bei Schülerinnen und Eltern wird sehr oft die gelebte Gemeinschaft als Vorteil des Kathis hervorgehoben. Man fühlt sich wohl hier und auch die Leistungen stimmen. Wenn die Schülerinnen gerne in die Schule kommen, ist das für den Schulleiter ein schönes Kompliment. Rund 50 Prozent unserer Schülerinnen nehmen ausserdem jedes Jahr eine weiterführende Schule in Angriff. Das ist ein beachtlicher Schnitt. Auch zeichnet sich das Kathi durch eine starke Kontinuität in der Schulleitung aus. Häufige Wechsel in der Schulleitung wie an anderen Schulen kennt man hier nicht.

Der Anteil an auswärtigen Schülerinnen ist aber stark gesunken.

Domeisen: Durch den Bau von Oberstufenzentren in den umliegenden Gemeinden werden heute viele Mädchen in ihren Wohngemeinden unterrichtet. Der Anteil an Wiler Schülerinnen hat dadurch seit meinem Start im Kathi 1993 rapide von 50 Prozent auf heute rund 80 bis 90 Prozent zugenommen. Trotz der immer tieferen Anzahl an auswärtigen Schülerinnen führen wir aber neun Klassen. Aktuell gehen 229 Schülerinnen ans Kathi.

Was werden Sie nach Ihrer Zeit im Kathi machen?

Domeisen: Ich wollte etwas Spezielles machen und entschied mich, an der Schweizerschule im italienischen Bergamo zu unterrichten. Aus der Ferne werde ich ein Fan des Kathis bleiben.

Interview: Silvan Meile