«Ich bin der wildere Typ»

Stefan Küng kommt die grosse Ehre zu, als 17-Jähriger am Zürcher Sechstagerennen bei den Amateuren zu starten. Mit einer Teilnahme alleine begnügt er sich aber nicht.

Urs Nobel
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Rad. Im Sommer hat es Stefan Küng ganz nebenbei angedeutet: «Wenn alles klappt, darf ich bei den Amateuren am Sechstagerennen in Zürich starten.» Seit etwas mehr als zwei Monaten hat er die Gewissheit, dass er ab nächstem Dienstag täglich auf dem 200 Meter grossen Oval um Punkte und Platzierungen fahren wird.

Mindestens ein Podestplatz

Im Mittelpunkt stehen zwar die Profis, doch Stefan Küng will seine Auftritte dazu nutzen, sich zu präsentieren, und er hat sich seine Ziele gesetzt:

«Zusammen mit meinem Partner Joel Peter aus dem zugerischen Oberwil strebe ich eine Top-Five-Schlussrangierung in der Disziplin Américaine an.» Im Punktefahren – welches jeder Fahrer alleine bestreitet – möchte der Wilener mindestens einmal in den sechs Tagen aufs Podest steigen. Das sind hochgesteckte Ziele, aber Stefan Küng will diese erreichen.

«Wir kennen uns»

Um Erfolge an einem Sechstagerennen zu erreichen, ist es notwendig, dass sich die Paare kennen und auch verstehen. Wichtig ist zudem die Harmonie untereinander. «Wir kennen uns schon seit fünf Jahren», erklärt Küng und verweist auf die Tatsache, dass Joel Peter schon letztes Jahr am Sechstagerennen in Zürich Erfahrungen sammeln durfte. «Wir sind sehr ausgeglichen. Ich selber bin von uns beiden aber der wildere Typ.»

Stefan Küng weiss, was bei den Amateuren auf ihn zukommt. Er wird zu mehr Einsatzzeiten als bisher kommen, es wird schneller gefahren und das Niveau ist schon beachtlich. «Wir werden sehr aufmerksam sein müssen, dürfen keine Ablösungen verpassen und müssen spüren, wenn unsere Gegner ihre Angriffe lancieren möchten.» Um all dem gerecht zu werden, hat der Hinterthurgauer seine Strassensaison sehr früh beendet und die Vorbereitung auf dieses einzige Rennen sehr früh in Angriff genommen. Die beiden Schweizer U19-Fahrer sind imstande, ein Tempo von einiges über 50 km/h mitzugehen.

Nicht wegen dem Geld fahren

Wenn es dem Team Peter/Küng gelingen sollte, im Verlauf der sechs Nächte einen positiven Eindruck zu hinterlassen, besteht eventuell die Gelegenheit von weiteren Teilnahmen an Sechstagerennen im Ausland. Gute Resultate würden aber auch mit sich bringen, bereits einiges zu tun, um als U23-Radrennfahrer eine bessere Ausgangslage als die Konkurrenz zu haben. Als positiven Nebeneffekt findet Küng auch, dass es in Zürich Geld zu verdienen gibt. «Wegen dem Geld fahre ich aber nicht.

» Die jeweiligen Tagesersten bei den Amateuren gewinnen 440 Franken. Küng geht davon aus, dass er und sein Partner – wenn es ihnen so wie erhofft läuft – etwa 500 Franken verdienen werden.

Schulaufgaben im Hotel

Um diesen Betrag zu gewinnen, reicht es im Fall von Stefan Küng aber nicht, schnell ums Oval zu kurven.

Seine Schule – die Kantonsschule Wil – verlangt von ihrem sportlichen Schüler auch Leistungen, und zwar in Form von Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen. Dies ist kein Problem für Küng. «Ich wohne nächste Woche im Hotel und habe dort bestimmt genügend Zeit, meine Hausaufgaben zu erledigen.»

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