Hund beisst Nachbarin: Freispruch für Halterin

Sechs Hunde hat die in Märwil lebende Frau – und meistens hat sie sie unter Kontrolle. Zugebissen hat dann aber eines ihrer Tiere im Sommer 2012, Opfer war die Nachbarin.

Mario Testa
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Sechs Hunde hat die in Märwil lebende Frau – und meistens hat sie sie unter Kontrolle. Zugebissen hat dann aber eines ihrer Tiere im Sommer 2012, Opfer war die Nachbarin. Die Staatsanwaltschaft Bischofszell verurteilte die Hundehalterin wegen fahrlässiger Körperverletzung und Widerhandlungen gegen das Hundegesetz zu einer bedingten Geldstrafe von zehn Tagessätzen und einer Busse von 400 Franken. Gegen diesen Strafbefehl erhob die Angeklagte Einsprache. Nun fand die Verhandlung vor dem Bezirksgericht Weinfelden statt.

«Mein Hund hat nicht gebissen»

Der Vorfall mit der Nachbarin ereignete sich morgens, als die Angeklagte mit ihren Hunden von einem Spaziergang nach Hause kam. «Ich hatte alle vier Hunde angeleint, und die Frau hat mich beschimpft, als ich an ihrem Haus vorbeiging. Ich hab die Hunde näher zu mir genommen und bin weitergegangen», erklärt die Angeklagte der Richterin. «Da hat die Nachbarin ein Becken mit Wasser nach meinen Hunden geworfen und einen getroffen. Daraufhin hat er sich zu ihr umgedreht und sie am Unterarm berührt, aber nicht gebissen.» Dieser Aussage steht jene der Nachbarin entgegen, die von einem Biss spricht und diese Anschuldigung mit einem Bild der Wunde untermauert. Zusätzlich äusserten sich auch noch zwei Nachbarinnen im Sinne der Gebissenen bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Vor Gericht erschienen gestern weder Klägerin noch Staatsanwaltschaft.

Widersprüche der Nachbarin

Der Verteidiger der Angeklagten unterstreicht die Aussagen seiner Mandantin und legt Widersprüche in den Aussagen der Nachbarinnen offen, die sie einmal bei der Polizei und einmal bei der Staatsanwaltschaft gemacht hatten. «Die drei Frauen haben sich gleich nach dem Vorfall abgesprochen», sagt der Anwalt. «Die Klägerin hat sogar behauptet, meine Mandantin habe den Hund mit den Worten <Pack si!> auf sie gehetzt.» Dabei spricht die Halterin mit diesem Hund französisch, wie sie gegenüber dem Gericht ausführt, da er aus einem Tierheim im Jura stamme.

Auch für einen zweiten Biss muss sich die Hundehalterin vor Gericht verantworten. Ein anderer Nachbar sagt, ihre Hunde seien vor gut zwei Jahren aus dem umzäunten Garten abgehauen, und einer habe ihn ins Bein gebissen. «Die Hunde können den Garten nicht aus eigner Kraft verlassen. Es muss jemand das Tor geöffnet haben – sie waren damals sogar noch Welpen», erklärt die Hundehalterin. Zudem sei sie zu Hause gewesen, und als ihr Sohn sie auf das Fehlen der Hunde aufmerksam gemacht hat, habe sie die Vierbeiner sofort zurückgeholt.

Zermürbungstaktik im Weiler

Ursache der Klagen sieht der Verteidiger in der Scheidung der Mandantin. «Ihr Ex-Mann hatte ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn im Weiler. Weil nun aber meine Mandantin im Haus leben darf, wollen sie sie vergraulen und vertreiben.»

Das Gericht spricht die Angeklagte zum Schluss in allen Punkten frei. «Es steht Aussage gegen Aussage – ihre ist wie aus einem Guss, die der Nachbarin widersprüchlich», sagt die Bezirksrichterin. «Wir glauben zwar, dass es zu den Bissen gekommen ist. Sie haben Ihre Sorgfaltspflicht als Hundehalterin aber weder im ersten noch im zweiten Fall verletzt und sind deshalb freizusprechen.»