Hommage an Künstlerfreunde: Das
Ortsmuseum Flawil zeigt Werke von Steiger und Wahrenberger

Coronabedingt verspätet eröffnet das Flawiler Museum morgen die Gemeinschaftsausstellung der beiden verstorbenen Künstler Johann Ulrich Steiger, Flawil, und Walther Wahrenberger, Lütisburg.

Andrea Häusler
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Walther Wahrenberger ist seit über 70 Jahren tot, Johann Ulrich Steiger seit 2008. Fraglos hätten sich die beiden zu Lebzeiten eng befreundeten Ostschweizer Künstler über das späte Zusammenfinden ihrer Werke gefreut. Dies ungeachtet der pandemiebedingten Einschränkungen, mit denen sich die Ausstellungsbesucher konfrontiert sehen. Letztere hätten zumindest für Wahrenberger nichts ausgeprägt Irritierendes gehabt: 1899 geboren erlebte er die Spanische Grippe als Zeitzeuge.

Empfang unter freiem Himmel

Ganz anders war die Situation für Kurator Urs Schärli, der die Ausstellung eigentlich am 29. März eröffnen wollte. «Der Zeitpunkt der Vernissage nach dem Lockdown hing wesentlich von der Bereitschaft der Mitglieder ab, sich während der Öffnungszeiten zu engagieren.» Denn die Umsetzung der Vorgaben zum Schutz der Gesundheit seien personalintensiv.

Jetzt sind die Wegführungen markiert, die Zugangsnummern gedruckt, der Besucherempfang und die Theke ins Freie verlegt. Acht bis neun Personen dürfen sich laut Schärli gleichzeitig in den Räumen aufhalten – die Aufsichtsperson inklusive. «Ich bin gespannt, wie die Besucher das Konzept auf- und annehmen.»

Unbekanntes zum 100. Geburtstag

Spannung verspricht auch die Ausstellung, die eine Vielzahl bisher nicht öffentlich gezeigter Bilder und Skulpturen des Flawiler Bildhauers, Grafikers und Malers Johann Ulrich Steiger, aber auch persönliche Effekten aus dessen Leben umfasst: Eine Würdigung für einen Künstler, dessen Geburtstag sich just in diesem Jahr zum hundertsten Mal jährt.

Ganz hinten im Ausstellungsraum steht die Totenmaske des ehemaligen Lütisburger Posthalters und «Pöstl»-Wirts Walther Wahrenberger. Steiger hatte die Bronze für seinen Freund und Mentor geschaffen. Sie wirkt als Bindeglied zwischen zwei Männern, die ungeachtet des Altersunterschieds und der verschiedenen Biografien eine gemeinsame künstlerische Sprache sprachen.

Verkauf zugunsten des Ortsmuseums

Wahrenberger war für seine Zeit sehr bereist. Die Faszination für die Kunst trieb ihn nach Italien, aber auch nach Frankreich, wobei ihn van Gogh und Paul Gauguin in besonderem Masse inspiriert hatten. Er war erst 51 Jahre alt, als er 1949 an einem Nierenleiden starb.

Nebst Skulpturen, Holzschnitten, Zeichnungen und Objekten aus der Familiengeschichte der Künstler finden die Ausstellungsbesucher auch eine Mappe mit Grafiken aus dem Familienbesitz von Walther Wahrenberger. Diese können käuflich erworben werden. Der Verkaufserlös geht vollumfänglich an das Flawiler Ortsmuseum. Die Ausstellung wird morgen Sonntag eröffnet und dauert bis zum 15. November.

Die Ausstellung Steiger/Wahrenberger ist morgen von 13.30–18 Uhr geöffnet. Eine nächste Gelegenheit zur Besichtigung besteht dann wieder am 7. Juni. Die Dauerausstellung bleibt vorläufig geschlossen.