Holz aus Wil als Alternative zum Abfall aus Bazenheid: Kurswechsel in der Wärmeversorgung

Das Projekt Fernwärme ist bis auf weiteres sistiert. Stattdessen prüft der Wiler Stadtrat eine Variante mit Holzheizkraftwerken.

Gianni Amstutz
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Der Wald bietet die nötigen Energieressourcen zur Wärmeversorgung der Stadt Wil.

Der Wald bietet die nötigen Energieressourcen zur Wärmeversorgung der Stadt Wil.

Bild: Hans Suter

Lange Zeit war es das Leuchtturmprojekt der Wiler Energiewende: die Fernwärme vom Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB). Die Abwärme aus der Abfallverbrennung sollte für die Wärmeversorgung von Teilen der Stadt Wil eingesetzt werden.

Damit sollten langfristig zwei Millionen Liter Heizöl und fast 4,7 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Jahr substituiert werden. Im November 2018 verabschiedete das Stadtparlament noch einen Kredit zur Projektierung.

Bereits damals waren aber gewisse Vorbehalte gegenüber dem Projekt spürbar. Die Grünen Prowil beantragten gar die Rückweisung des Geschäfts, jedoch ohne Erfolg. Die Mehrheit des Parlaments genehmigte zwar den Kredit, allerdings nicht in der vom Stadtrat gewünschten Höhe. Anstelle von 1,3 Millionen Franken sprach das Parlament nur 500'000 Franken, um so die Projektierung zu etappieren.

Fernwärme aus Bazenheid vorerst kein Thema mehr

Nun scheint aus dem Projekt Fernwärme – zumindest vorerst – nichts zu werden. Daniel Meili, Stadtpräsident ad interim, sagte in einem Interview mit dieser Zeitung:

«Das Kosten-Risiko-Verhältnis stimmt für uns aktuell nicht.»

Gestorben ist damit das Projekt Fernwärme zwar noch nicht, doch fürs Erste sistiert. Klar ist aber auch: Es braucht für Wil eine Alternative zur derzeitigen Wärmeversorgung mit Gas und Öl, will man die Klimaziele erreichen.

Lösung liegt vor den Toren der Stadt

Es tut sich aber bereits eine mögliche Alternative zur Fernwärme aus Bazenheid auf. Die Lösung könnte dabei quasi vor den Toren der Stadt liegen.

Am Donnerstag wird an der Sitzung des Stadtparlaments das Postulat von Sebastian Koller (Grüne Prowil) behandelt. Mit diesem fordert er den Stadtrat auf, Abklärungen zu treffen, wie die Stadt Wil zu einer nachhaltigen Nutzung der Wälder in ihrem Einzugsgebiet beitragen kann. «Der Fokus soll dabei auf der vermehrten Nutzung von regional und umweltschonend produziertem Holz als Bau- und Brennstoff liegen», schreibt er.

Stadtrat signalisiert Unterstützung

Holz aus den Wäldern der Stadt anstatt Abfall aus Bazenheid soll also als Brennstoff für die Wärmeversorgung Wils eingesetzt werden. Der Stadtrat habe bereits signalisiert, dass er die Grundforderung des Postulats unterstützt. Die Prüfung dieser Alternative haben die Technischen Betriebe Wil bereits begonnen.

«Wir sind an der Ausarbeitung einer Variante mit Holz», bestätigt Daniel Meili, Stadtpräsident ad interim und Vorsteher des Departements Versorgung und Sicherheit. Damit solle ein Vergleich ermöglicht werden zwischen dem Fernwärmeprojekt und den Holzheizkraftwerken. Denn noch steht nicht fest, ob Letztere eine Alternative oder lediglich eine Ergänzung zum Fernwärmebezug vom ZAB sein könnten.

Kosten bisher nicht absehbar

Es sind noch zahlreiche Fragen zu klären. So steht beispielsweise noch nicht fest, in welchem Umfang Holzheizkraftwerke den Wärmebedarf abdecken könnten. Genauso wenig lässt sich bisher sagen, wie hoch die Kosten sein werden und welche Orte für den Bau eines solchen Kraftwerks in Frage kommen würden.

Mit der Ortsgemeinde Wil, welche rund 431 Hektare Wald besitzt und das Holz für diese Art der Wärmeversorgung liefern könnte, wurden bereits erste Gespräche aufgenommen. Es sehe bisher gut aus, sagte Meili an der Medienkonferenz zum Budget vom vergangenen Dienstag.

Vor allem was die zeitliche Umsetzung der Alternativlösung mit Holz angeht, gibt es noch einige Fragezeichen. Der Bau von Leitungen vom ZAB sei einfacher terminier- und planbar als jener eines Holzheizkraftwerks auf städtischem Boden, sagte Meili. Ein solcher Umweg dürfe den Stadtrat aber nicht stören, wenn daraus die bessere Lösung resultiere. Immerhin handle es sich beim Projekt doch um eines, das für die Zukunft der Wärmeversorgung und damit der Klimapolitik der Stadt Wil prägend sein werde.

Zustimmung im Parlament für politische Legitimation

Die Abklärungen des Stadtrats über die Wärmeversorgung mit Holz haben also bereits begonnen. Worum geht es also bei der Abstimmung im Stadtparlament am Donnerstag?

Einerseits geht es im Postulat nicht nur um die Nutzung von Holz als Brenn-, sondern auch als Baustoff. Anderseits wäre eine Erheblichkeitserklärung des Postulats für den Stadtrat auch eine Bekräftigung, den bisherigen Weg konsequent voranzutreiben. Es gäbe ihm eine zusätzliche politische Legitimation, weiter an der Alternativlösung zu arbeiten.