HOFFNUNGSTRÄGERIN: Ein Glücksfall aus Thailand

In Thailand gehörte die Halbschweizerin Jenny Stadelmann zu den talentiertesten Badmintonspielerinnen. Nun ist die 17-Jährige in der Schweiz. Sehr zur Freude der BV St. Gallen-Appenzell.

Daniel Schmidt
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Jenny Stadelmann gehört schon mit 17 Jahren zu den besten Spielerinnen der NLA. (Bild: Samuel Schalch)

Jenny Stadelmann gehört schon mit 17 Jahren zu den besten Spielerinnen der NLA. (Bild: Samuel Schalch)

Für Jenny Stadelmann war Badminton nicht die erste Sportart, wenngleich ihr Talent hier ohne Zweifel am stärksten ausgeprägt ist. Die 17-Jährige, die im Norden Thailands aufgewachsen ist, versuchte sich zuerst in Fussball und Leichtathletik, bevor sie sich dem Federball zuwendete. «In der Nähe meiner Schule gab es eine Badmintonhalle», sagt sie. So hat es angefangen.

Dass eine Badmintonhalle in der Nähe einer Schule liegt, ist kein Zufall. In Thailand ist Badminton nach Thaiboxen Volkssport Nummer zwei. Schon früh wird Wert auf eine umfangreiche Talentförderung gelegt. Teilweise befinden sich Spieler schon mit 18 Jahren an der Weltspitze. Um dies zu erreichen, werden Opfer gebracht. Die jungen Talente werden vor eine zukunftsentscheidende Wahl gestellt: Entweder sie geben sich vollkommen dem Sport hin und machen eine Karriere als Badmintonprofi, oder sie geben den Sport auf und absolvieren eine umfassende Schulbildung, die ihnen den Weg ins Berufsleben ermöglicht. Hier besteht eine grosse Gefahr: Wer auf das falsche Pferd setzt, steht womöglich am Schluss mit leeren Händen da. Dieser Gefahr war sich auch Stadelmann bewusst. In Thailand gehörte die Halbschweizerin zu den besten fünf Juniorenspielerinnen. Dennoch war sie, trotz der vielen Abwesenheiten im Unterricht aufgrund des Trainings, eine der Klassenbesten. Die Schule machte ihr Spass. So fiel ihr die Entscheidung schwer, in welchem Bereich sie ihre Bemühungen intensivieren sollte.

Aus dem warmen Thailand in die kalte Schweiz

Diese Entscheidung wurde ihr abgenommen, als sie mit ihrem Schweizer Vater, der seit über 25 Jahren in Thailand lebt, einen Monat in der Schweiz verbrachte. Trotz der kalten Temperaturen bei der Ankunft hat es Stadelmann auf Anhieb gefallen. Um auch in den Ferien nicht ohne ihre innigste Leidenschaft auskommen zu müssen, nahm sie an einem Trainingscamp teil. Sie wusste zu überzeugen.

Die starken Leistungen entgingen auch nicht Hanspeter Kolb, dem Präsidenten der BV St. Gallen-Appenzell. Er kontaktierte Jennys Vater wegen eines Engagements in der Schweiz. So landete Jenny mit 17 Jahren in der NLA und gehörte schweizweit innert kürzester Zeit zur Elite. In der Sportschule Appenzellerland trainiert sie nun acht- bis zehnmal in der Woche. Die Sportschule kooperiert intensiv mit der Kantonsschule in Trogen, die Stadelmann nach ihrem Zwischenjahr ab dem nächsten Sommer besuchen möchte. Um die Sprache zu lernen, Badminton zu spielen und trotzdem in die Schule zu gehen, bleibt sie dauerhaft in der Schweiz.

Stadelmann hat grosse Ziele

Die eindrücklichen Spiele im Verein und an Einzelturnieren blieben auch dem Schweizer Badminton-Verband nicht verborgen. Sie wurde für die Junioren-WM in Bilbao nachnominiert. Dort scheiterte sie in der ersten Runde an ihrer ehemaligen Spielpartnerin aus Thailand. «Es war sehr schwierig, gegen sie zu spielen, da wir uns so gut kennen.» Diese Niederlage wirft Stadelmann jedoch nicht zurück. Im Gegenteil. Sie hat schon das nächste grosse Ziel vor den Augen: «Nächstes Jahr will ich an der Juniorinnen-EM den Titel gewinnen.»