Hoffen auf Regenwetter: Die Wasserversorger spüren die Folgen des trockenen Sommers noch immer

Die Gruppenwasserversorgung Vogelsberg wird ans Netz der Technischen Betriebe Wil angeschlossen – eine weitere Massnahme, um die Wasserversorgung auch in Notsituationen gewährleisten zu können.

Tobias Söldi
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Von links: Alois Schillinger (Regionaler Gemeindeführungsstab), Andreas Gnos (Technischen Betriebe Wil), Armin Bachofner (Gruppenwasserversorgung Vogelsberg) und René Wirth (Ingenieurbüro Billinger AG) vor der Schaltstelle bei der Schwarzenbacher Brücke, wo die zwei Wassernetze sich vereinen. (Bild: Tobias Söldi)

Von links: Alois Schillinger (Regionaler Gemeindeführungsstab), Andreas Gnos (Technischen Betriebe Wil), Armin Bachofner (Gruppenwasserversorgung Vogelsberg) und René Wirth (Ingenieurbüro Billinger AG) vor der Schaltstelle bei der Schwarzenbacher Brücke, wo die zwei Wassernetze sich vereinen. (Bild: Tobias Söldi)

Für Armin Bachofner ist es ein Grund zur Freude, wenn dunkle Wolken aufziehen. «Zwei bis drei Wochen Regen wären optimal», sagt der Präsident der Gruppenwasserversorgung Vogelsberg, welche die Region zwischen Oberbüren und Jonschwil mit Wasser versorgt. «Viele Leute denken, dass mit dem Ende des trockenen Sommers der Wassermangel überwunden worden ist. Das ist ein Fehlschluss.»

Auch im Herbst hat es nur wenig geregnet und was vom Himmel kam, hat die Vegetation gierig aufgesogen. Ende November war der Grundwasserspiegel beim Pumpwerk Rifenau in Uzwil so tief wie im trockenen August. Und auch die natürlichen Quellen spüren die Trockenheit noch immer. Im Herbst gaben sie allein in Oberuzwil pro Tag 500 Kubikmeter weniger Wasser als gewöhnlich her. «Der Normalzustand ist auch hier noch nicht erreicht», sagt Bachofner.
Seit dem Schneefall Anfang Dezember steigt der Grundwasserspiegel aber wieder an. «Da wurde mir wohler», sagt Bachofner. Entwarnung will er aber noch nicht geben. Zurzeit liegt der Grundwasserspiegel bei der Hälfte des Standes, den er bis im Februar 2019 erreichen sollte.

Anschluss ans Wassernetz von Wil

Damit das Wasser auch in und nach trockenen Zeiten wie diesem Sommer wie gewohnt aus den Wasserhähnen fliesst, dafür ist das unsichtbare, unterirdische Netzwerk der Gruppenwasserversorgung Vogelsberg verantwortlich. Vor fast 40 Jahren gegründet, wurden im Laufe der Jahrzehnte die verschiedenen lokalen Wasserversorgungen miteinander verbunden. Zur Gruppenwasserversorgung Vogelsberg gehören die Dorfkorperation Schwarzenbach und Jonschwil, die Technischen Betriebe Uzwil, die Wasserkorperation Oberuzwil und die Wasserversorgungen Oberbüren und Henau; sie versorgen etwa 30000 Leute mit fliessendem Wasser. Fällt beispielsweise das Grundwasserpumpwerk Grueben, welches das Wasser für Oberbüren liefert, aus, stellt die Vernetzung die Wasserversorgung in der Gemeinde sicher.

Ab Frühling 2019 wird die Gruppenwasserversorgung Vogelsberg zudem mit dem Wassernetz von Wil verbunden – eine weitere Massnahme, um in Notsituationen die Wasserversorgung gewährleisten zu können. Die Arbeiten dazu sind im Gang. Von Wil her führt eine Wasserleitung über die Schwarzenbacher Brücke in eine Schaltstelle – einem sich im Bau befindlichen Häuschen hinter der Bushaltestelle Thurbrücke. Von dort gelangt das Wasser dann in das Netz der Gruppenwasserversorgung Vogelsberg.

Für Notfälle dreifach abgesichert

«Über diese Verbindung kann täglich 2000 Kubikmeter Wasser fliessen», erklärt Andreas Gnos, Leiter Netz und Technik der Technischen Betriebe Wil. Zum Vergleich: Die Gruppenwasserversorgung rechnet mit einem Normalbedarf von 7000 Kubikmeter Wasser pro Tag. «Im Hitzesommer ist der Verbrauch zeitweise auf 10000 Kubikmeter gestiegen», sagt Armin Bachofner. Ab 2020 soll das Wasser auch in die andere Richtung nach Wil fliessen können. Dafür muss aber noch eine Pumpe installiert werden – der Höhenunterschied zwischen den Reservoirs in Wil und Schwarzenbach macht sie nötig.

Die Verbindung zwischen Wil und der Gruppenwasserversorgung Vogelsberg kommt aber nur in Notfallsituationen zum Einsatz: wenn ein Pumpwerk ausfällt, bei extremer Trockenheit oder Brandfällen. Neben dem Wiler Netz ist die Gruppenwasserversorgung Vogelsberg mit zwei weiteren Wassernetzen verbunden: dem von Flawil und dem von Zuzwil. «So sind wir gegenseitig abgesichert», sagt Präsident Bachofner.
Die Kosten für das Verbindungsprojekt belaufen sich auf 330000 Franken. Getragen werden sie den sechs Wasserversorgungen sowie den Technischen Betrieben Wil.