Generationenprojekt
Hof zu Wil: Stiftungsrat eröffnet Abstimmungskampf für die dritte Sanierungsetappe

Ein Kredit von 6,9 Millionen Franken und ein Darlehen von 12,2 Millionen Franken: Damit soll sich die Stadt Wil an der dritten Sanierungsetappe des Hof zu Wil beteiligen. Am 28. November wird abgestimmt.

Andrea Häusler
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Die Dienerschaftskapelle, wie sie sich nach der Renovation präsentieren könnte.

Die Dienerschaftskapelle, wie sie sich nach der Renovation präsentieren könnte.

Visualisierung: PD

Knapp 25,5 Millionen Franken kostet die dritte Etappe der Sanierung des Hof zu Wil. Der Kanton hat seinen Beitrag von 5,2 Mio. Franken bereits gesprochen. Allerdings unter der Voraussetzung, dass die Stadt Wil ihre Beiträge ebenfalls genehmigt. Das Stadtparlament hat ein Zeichen gesetzt und dafür grünes Licht gegeben. Jetzt liegt der Ball bei der stimmberechtigten Bevölkerung. Diese entscheidet am 28. November an der Urne. Sollte gebaut werden, würde sich der Bund zusätzlich mit gut 0,8 Mio. Franken beteiligen.

Die Dienerschaftskapelle im heutigen baulichen Zustand.

Die Dienerschaftskapelle im heutigen baulichen Zustand.

Bild: Andrea Häusler

Hinsichtlich der Abstimmung hat die Stiftung Hof zu Wil als Bauherrin eine umfangreiche Informationskampagne lanciert. Diese umfasst eine eigens hierfür gestaltete Website (www.jazumhof.ch), die Verteilung von Ansteckbuttons, ein Tag der offenen Tür am 30. Oktober, Vorträge, ein Podiumsgespräch am 4. November, ein Fotowettbewerb, aber auch den Verkauf von (gravierten) Pflastersteinen, die später im Hofgarten verbaut werden. Von Letzteren verspricht sich die Stiftung einen namhaften Batzen zur Tilgung des städtischen Darlehens, wie deren Vizepräsident, Fredy Weber, heute vor den Medienvertretern sagte.

Gemeinsam mit Stiftungsrats- und Stadtpräsident Hans Mäder betonte er die Bedeutung des ältesten genutzten Gebäudes der Abtei St.Gallen und erläuterte die Eckpfeiler der nach 1994 und 2008 dritten Sanierungsetappe, die dem Hof zu schweizweiter Ausstrahlung und touristischer Attraktivität verhelfen soll.

Investitionen in die Substanzerhaltung

Hauptbestandteil der dritten Etappe sind die noch nicht sanierten Residenzräume der Fürstäbte im zweiten und dritten Obergeschoss des Hofgebäudes. Gleichzeitig ist vorgesehen, im Haus zum Roten Gatter Wohnräume herzurichten – auch als Übernachtungsangebote. Die Dienerschaftskapelle soll saniert, zum Hofgarten hin mit Bogenfenstern geöffnet und für verschiedene Aktivitäten nutzbar gemacht werden.

Nach Abschluss der 2. Sanierungsetappe wird es die heutige Metalltreppe zum Hofgarten nicht mehr geben.

Nach Abschluss der 2. Sanierungsetappe wird es die heutige Metalltreppe zum Hofgarten nicht mehr geben.

Bild: Andrea Häusler

Die jetzige Metalltreppe im Garten verschwindet, die Anlage wird weiter aufgewertet und die nördliche Seite des Hofs, die Hofhalde, soll öffentlich zugänglich werden. Völlig neu wird der Hof-Zugang über eine Freitreppe ab dem Hofplatz.

Museale Inszenierung und Erlebniswelt

Die Erhaltung der alten Bausubstanz ist das eine. Mindestens ebenso zentral ist, laut Hans Mäder, die Ausrichtung der Gebäude auf eine multifunktionale Nutzung – für Wilerinnen und Wiler, aber auch für Besucherinnen und Besucher. Mäder und Weber hoffen auf jährlich rund 15'000 Touristen – 400 pro Tag. Die kommen nicht ohne Zutun. Ein Magnet soll, nach Abschluss des baulichen Teils der Sanierung, die Umsetzung einer neuen musealen Inszenierung werden. «Diese beleuchtet die Geschichte des Hofs innerhalb der Fürstabtei auf innovative und interaktive Art», wie Mäder sich ausdrückte.

Die Nordseite, genannt Hofhalde, soll öffentlich zugänglich werden.

Die Nordseite, genannt Hofhalde, soll öffentlich zugänglich werden.

Bild: Andrea Häusler

Hinzu kommt eine Hofbezirks-Erlebniswelt, welche, quasi als viertes Element, mit den Angeboten der Stiftsbibliothek, des Stiftsarchivs und der Kathedrale in St.Gallen verknüpft ist. Ohnehin besteht ja bekanntlich die Absicht, den Hofbezirk bis 2030 unter das Dekret des Welt-Kulturerbes Abteil St.Gallen von 1983 zu stellen.

Baubeginn im Frühjahr 2023

Viele Sanierungsdetails sind noch nicht definitiv festgelegt. Sollte die Stimmbürgerschaft am 28. November mehrheitlich ein Ja in die Urne legen, würde die Detailplanung angegangen, welche, nach Fredy Weber, rund ein Jahr beanspruchte.

Hans Mäder und Fredy Weber unter der barocken Stuckdecke der Äbtekapelle des Hofgebäudes.

Hans Mäder und Fredy Weber unter der barocken Stuckdecke der Äbtekapelle des Hofgebäudes.

Bild: Andrea Häusler

Im Frühjahr 2023 könnte dann der Baustart erfolgen. Es wird von einer Bauzeit von rund zwei Jahren ausgegangen. Wobei auch in dieser Phase innovative Ideen gefragt wären, wie Weber betonte. Konkret sprach er die Gastronomie an, die nicht für Monate geschlossen werden könne. «Da gibt es die Idee von Pop-up-Restaurants, die irgendwo auf dem Stadtgebiet platziert werden könnten und den Genuss der Hof-Küche auch während der Bauarbeiten ermöglichten.»

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