Hof zu Wil
Co-Working-Spaces und eine museale Inszenierung: So soll der Wiler Hof nach der dritten Bauetappe aussehen

Der Sitz der Fürstäbte bewegte die Gemüter. Dies wurde am Podium vom Donnerstagabend über die Abstimmung des Renovations- und Innovationsprojektes der dritten Bauetappe Hof zu Wil deutlich.

Christof Lampart
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Sie diskutierten angeregt über die Zukunft des Hofes (von links): Patrick Cotting (Berater Betrieb und Finanzen), Christian Naef (Altstadtvereinigung Wil), Hans Vollmar (Kunst- und Museumsfreunde Wil und Umgebung), Janine Meyer (Moderation, Redaktionsleiterin hallowil.ch), Walter Dönni (Verein Wil Tourismus), Ruedi Schär (Ortsgemeinde Wil) und Florence Leonetti (Stiftung Hof zu Wil).

Sie diskutierten angeregt über die Zukunft des Hofes (von links): Patrick Cotting (Berater Betrieb und Finanzen), Christian Naef (Altstadtvereinigung Wil), Hans Vollmar (Kunst- und Museumsfreunde Wil und Umgebung), Janine Meyer (Moderation, Redaktionsleiterin hallowil.ch), Walter Dönni (Verein Wil Tourismus), Ruedi Schär (Ortsgemeinde Wil) und Florence Leonetti (Stiftung Hof zu Wil).

Bild: Michel Canonica

Am Donnerstagabend war im Hof-Gewölbekeller von der IG Kultur Wil einiges los: 70 Zuschauende vor Ort und zahlreiche Zuschauende per Livestream wollten wissen, wie es um die Renovierung des Hofs zu Wil steht. Sie lauschten den Worten von Patrick Cotting, Berater Betrieb und Finanzen, Christian Naef von der Altstadtvereinigung Wil, Hans Vollmar von Kunst- und Museumsfreunde Wil und Umgebung, Walter Dönni vom Verein Wil Tourismus, Ruedi Schär von der Ortsgemeinde Wil und Florence Leonetti von der Stiftung Hof zu Wil, welche die Zuschauenden informierten.

Darum geht es bei der Abstimmung

Die Gesamtkosten für das Renovations- und Innovationsprojekt der Stiftung Hof zu Wil belaufen sich auf 25,45 Millionen Franken. Der Kanton St.Gallen beteiligt sich mit 5,4 Millionen Franken daran; das Bundesamt für Kultur hat einen Betrag von 800'000 Franken in Aussicht gestellt. Wil soll sich mit einem Kredit von 9,625 Millionen Franken an den Kosten beteiligen, und für die restliche Schuld der Stiftung Hof zu Wil ein zinsloses, rückzahlbares Darlehen gewähren. Deshalb hat am 28. November der Souverän an der Urne über einen Kredit und einem zinslosen Darlehen von 12,15 Millionen Franken für die Mitfinanzierung der dritten Bauetappe Hof zu befinden, das dann über 40 Jahre hinweg zurückgezahlt wird. Sagen die Stimmbürger Ja, so würde die Hof-Sanierung, die 1994 mit der Gastronomie begann und 2008 mit der Bibliothek fortgesetzt wurde, im Jahr 2025 nach 31 Jahren zum Abschluss kommen. (art)

Ein Thema war zum Beispiel die geplante museale Inszenierung, die Vermietung der Hof-Business-Lounge an Unternehmen, die Ernennung des Hofs zum Unesco-Weltkulturerbe und die vermutlichen Auswirkungen auf den lokalen Tourismus. Das Podium wurde von der Redaktionsleiterin von hallowil.ch, Janine Meyer, moderiert.

«Der Hof ist wichtig für die Schweiz»

Patrick Cotting betonte, dass man bei der Frage nach der Sanierung nicht nur das Interesse der lokalen Bevölkerung vor Augen halten müsse, sondern auch jenes der potenziellen Besucher. Und aus dieser Warte sei das Potenzial gross. Denn der Hof sei als Residenz der Fürstäbte und Verwaltungszentrum des Klosters St.Gallen ein sehr geschichtsträchtiger Ort. Auch erfolgte im Fürstensaal des Hofes 1647 die erste Mobilmachung der Schweiz. Für Cotting stand fest:

«Der Hof ist mehr als nur für die Wilerinnen und Wiler wichtig, sondern für die ganze Schweiz.»

Das Nutzungskonzept des Hofs sieht eine museale Inszenierung vor, die die Hof-Geschichte innerhalb der Fürstabtei vermittelt. Es werde so eine Erlebniswelt geschaffen, die sowohl für die Bevölkerung als auch für Touristen attraktiv sei. Der Stiftungsrat beantragt bei der Unesco-Stiftungskommission, den Hofbezirk als Bestandteil der ehemaligen Fürstabtei St.Gallen unter das Unesco-Weltkulturerbe Abtei St.Gallen zu stellen. Für Ruedi Schär die richtige Entscheidung. Er sagt: «Der Hof ist noch das einzige Gebäude, das 600 Jahre lang die Geschichte des Klosters St.Gallen miterlebt hat, denn das Kloster St.Gallen selbst ist barock.»

«Nachholbedarf in der Hotellerie»

Keine Sorge machte sich die Runde darüber, ob man die 15'000 angestrebten Hof-Besuchenden erreichen und als Tagesgäste bewältigen kann. Problematisch, so Walter Dönni, könne es hingegen bei den Übernachtungen werden. In Sachen Hotellerie habe Wil sicherlich noch Nachholbedarf, sollte der Hof-Bezirk fertiggestellt sein.

Christian Naef sah im Mix aus musealer Inszenierung und dem Einbezug von Business-Lounges und Co-Working-Spaces, mit denen ein Grossteil des Kredits refinanziert werden soll, eine Chance, die ein Museum allein nicht bieten könne. Er sagt: «Im Sommer ist die Altstadt die Toskana der Ostschweiz. Unter der Woche ist es aber ruhig. Diese Kombination hat aber das Potenzial, daran etwas zu ändern», so Naef.

Auch für Anlässe der Tonhalle geeignet

Auch Florence Leonetti sieht – mit Blick auf die Tonhalle – Synergiepotenzial. Sie sagt:

«Anlässe mit bis zu 50 Leuten können wir nicht so gut bei uns machen. Da wäre die Dienerschaftskapelle oder der Hof mit seinen vielen Räumen geeigneter.»

Hans Vollmar erachtete es als sehr wichtig, dass auch in Zukunft die «Gastronomie gut funktioniert». Die Renovation biete diesbezüglich sehr viel Potenzial, das man unbedingt nutzen solle, um für die Einheimischen als auch für die Touristen einen Mehrwert zu schaffen.

Florence Leonetti sah ein grosses Plus gegenüber der Stiftsbibliothek. «In der Stiftsbibliothek gibt es keinen Raum, wo die Museumsführer den Leuten etwas in Ruhe erklären können. Auch gibt es im Stiftsbezirk kein Restaurant. Im Hof haben wir hingegen beides», sagt Leonetti.

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