Hochzeit feiern auf Ägyptisch

Die Hochzeit hat in Ägypten einen sehr hohen Stellenwert. Liebesbeziehungen zwischen Mann und Frau sind gesellschaftlich nur dann akzeptiert, wenn das Paar verheiratet ist. Uneheliche Liebesbeziehungen sind per Gesetz verboten.

Lucienne Suter
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Zur Hochzeit werden viele Verwandte, Bekannte und Freunde eingeladen und man tanzt bis in die Nacht hinein. (Bild: Lucienne Suter)

Zur Hochzeit werden viele Verwandte, Bekannte und Freunde eingeladen und man tanzt bis in die Nacht hinein. (Bild: Lucienne Suter)

Die Hochzeit hat in Ägypten einen sehr hohen Stellenwert. Liebesbeziehungen zwischen Mann und Frau sind gesellschaftlich nur dann akzeptiert, wenn das Paar verheiratet ist. Uneheliche Liebesbeziehungen sind per Gesetz verboten. Für einen Grossteil der jungen Ägypter – insbesondere der jungen Frauen – ist die Heirat auch deshalb so wichtig, weil sie dadurch das Haus der Eltern verlassen können und sie somit hoffen, ein Stückchen Unabhängigkeit zu erlangen. In Ägypten ist es weit verbreitet, dass man sich mit seinem Cousin oder seiner Cousine vermählt. Auch das Verkuppeln von geeigneten «Heiratskandidaten» ist ein weit verbreitetes Hobby – besonders bei den ägyptischen Frauen.

Mann kauft Goldschmuck

Egal wo man sich schliesslich kennenlernt, in der Schule, bei der Arbeit oder durch eben genannte Verkupplungsversuche von Freunden und Verwandten, ist es wichtig, dass die Tradition eingehalten wird. Sich als verliebtes Pärchen zu zeigen, Hand in Hand zu flanieren, beim Sonnenuntergang am Ufer des Nils zu sitzen oder in Kaffees die Abende bei vertrauten Gesprächen zu verbringen – alles kein Problem. Der Verliebte sollte aber so schnell wie möglich seine Absichten offen legen und zusammen mit seinem Vater bei den Eltern der Angebeteten um deren Hand anhalten. Wenn die Eltern sich einigen können, wird die Verlobungsfeier organisiert. Dafür muss der Mann Goldschmuck für die Braut kaufen und eine Wohnung für sich und seine zukünftige Ehefrau einrichten.

Henna-Tattoos

Nach der Verlobungsfeier werden die Papiere vorbereitet. Manche Paare unterschreiben diese vor und andere erst während der Hochzeitsfeier. Eine wichtige Tradition vor der Hochzeitsparty ist der sogenannte Henna-Abend. Dabei trifft sich die Braut mit ihren Freundinnen und weiblichen Verwandten zum Tanzen und zum gegenseitigen Malen von Henna-Tattoos. In einigen Gegenden wird diese Tradition auch von männlichen Freunden und Angehörigen durchgeführt. Für die Hochzeit werden dann sehr viele Bekannte, Freunde und Verwandte eingeladen. Die Braut ist jeweils stark geschminkt und wird in einem Auto, das mit Blumen geschmückt ist, zu ihrer Hochzeit gefahren. Dem Wagen der Braut folgen die Angehörigen auf Motorrädern oder in Autos. Dabei wird stets laut gehupt und Feuerwerkskörper werden gezündet. In ärmeren Gegenden finden die Hochzeiten meist auf der Strasse oder auf einer Brücke über dem Nil statt. Wohlhabende Familien mieten ein Restaurant, um dort die Hochzeitstorte anzuschneiden und bis spät in die Nacht hinein zu tanzen.

Lucienne Suter aus Wil lebt in Kairo. Für die Wiler Zeitung berichtet die 26-Jährige über Erlebnisse in der ägyptischen Hauptstadt.