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Hitziger Chor gegen oder mit Orkestar aus Italien?

Städtisches Kulturangebot mit unterschiedlichem Zielpublikum: Flawil bot am Freitag wiederum einiges.
Michael Hug
Der Hitzige Appenzeller Chor unterhielt sein Publikum beim MVG im Lindensaal ... (Bild: Der Hitzige Appenzeller Chor unterhielt sein Publikum beim MVG im Lindensaal ...)

Der Hitzige Appenzeller Chor unterhielt sein Publikum beim MVG im Lindensaal ... (Bild: Der Hitzige Appenzeller Chor unterhielt sein Publikum beim MVG im Lindensaal ...)

Draussen kühl bis kalt, Schnee, so weit das Auge reicht, da will man doch lieber in der warmen Stube bleiben. Nicht so macht’s das Flawiler kulturaffine Publikum. Es geht aus. Nicht in die Beiz, nicht zum Tanz und auch nicht in die Stadt. In Flawil ist kulturell genügend los, es ist für alle etwas da, jedes Wochenende schier, es sei denn, es sei Karfreitag. «Spurbar», «MVG», «Touch», «Kulturpunkt», Monday Night Music – pardon, der Kultort ja nur montags –, die Anlässe jagen sich, die Genres und die Qualität auch, von medioker bis elitär. Nur raus muss man eben schon, den Hintern aus der Türe bewegen ist evident, wenn’s darum geht, sich Kultur live reinzuziehen.

Freitäglicher Tanz auf zwei Hochzeiten

Letzten Freitag war wieder so ein Abend, an dem es kulturell rund lief. Im «Lindensaal» sangen und blödelten die «Hitzigen» aus Appenzell, im «Kulturpunkt» spielte das Baro Drom Orkestar aus Italien zum Tanz auf. Über Hundert am Appenzeller Kulturgut Interessierte wollten den Hitzigen Appenzeller Chor erleben, etwas weniger waren’s im Dach des «Kulturpunkts», die den Balkan Beats folgen wollten. Ob Zufall oder Absprache, jedenfalls konnte man sogar auf beiden Hochzeiten tanzen. Wenn man gleich nach der letzten Zugabe im «Lindensaal» zügigen Schrittes ins Zentrum eilte, liess sich noch fast das ganze Konzert der Italiener geniessen. Erst gepflegte Volksmusik im abrupten Wechsel mit gepflegtem Slapstick geniessen, dann abtanzen nach Zigeunerart, wild und ungehemmt. Erst sitzen, dann tanzen, dann zufrieden und kulturerfüllt ins Bett fallen.

Erst hitzig, dann heiss. Zwar haben’s die wenigsten so gemacht. Das überbordende Kulturangebot zeigt aber doch: In Flawil, da geht’s ab. Neider würden sagen: Man jagt sich gegenseitig das Publikum ab. Stimmt natürlich nicht. Die meisten Veranstaltungsdaten – zumindest im kulturellen Bereich – sind abgesprochen. Wenn man sich das Flawiler Publikum aufteilen will, geht das fast nicht anders, denn sonst gibt’s bald einen Anbieter weniger. Wenn ein Anlass zu wenig Publikum anzieht, liegt’s meist nicht am Veranstalter und nicht am Wetter, sondern einfach daran, dass das Angebot nicht interessiert. So verwöhnt ist das Publikum schon.

Nur der «Kulturpunkt» macht ein bisschen, was er will. Doch da beruft man sich auf das von ausserhalb der Gemeinde kommende Publikum. Zehn Prozent nur kämen aus Flawil, heisst es da. Der «Kulturpunkt» will sich als Weltmusikanbieter etablieren, der «MVG Flawiler Kultur» konzentriert sich – wie der Name sagt – auf das einheimische Publikum. Auch, wenn wie am Freitag viele Besuchende aus Degersheim kommen. Das hat aber nichts mit der Aura des «MVG» zu tun. Das war einzig durch eine Lehrerin namens Rebekka Dörig begründet, die in Degersheims Oberstufe Schule gibt und im Hitzigen Appenzeller Chor mitsingt. Das beweist aber auch, dass Flawil, auf dem Sprung zur Stadt, schon jetzt ein städtisches Kulturangebot hat. Und vielleicht gibt es dann auch bald mal einen Gegenbesuch von Lehrpersonen oder anderen in Degersheim. Nicht nur zum Anbeissen. Dort ist nämlich auch kulturell einiges los.

Michael Hug

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