HINTERTHURGAU: Ein neuer Ort des Glaubens

Zeiten fehlender Ressourcen begegnen viele Pfarreien mit der Gründung eines Pastoralraumes. Auch Katholisch-Sirnach/Eschlikon und Münchwilen planen die Einführung eines solchen auf das Jahr 2019.

Christof Lampart
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Sie informierten in Münchwilen über die Vorteile der Schaffung eines Pastoralraumes, welcher von mehreren Kirchgemeinden genutzt wird (von links): Margrith Mühlebach, Urs Elsener, Andreas Imhasli und Raimund Obrist. (Bild: Christof Lampart)

Sie informierten in Münchwilen über die Vorteile der Schaffung eines Pastoralraumes, welcher von mehreren Kirchgemeinden genutzt wird (von links): Margrith Mühlebach, Urs Elsener, Andreas Imhasli und Raimund Obrist. (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

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Wie die Zukunft der katholischen Kirche aussehen wird, weiss niemand. Die Gegenwart präsentiert sich in den Pfarreien jedoch immer weniger verheissungsvoll: zunehmend leere Kirchen, immer weniger Priester und auch die Zahl der Freiwilligen stagniert im besten Fall. Um die Finanzen müssen sich die Katholiken im Thurgau gegenwärtig zwar noch keine Sorgen machen – doch es ist unklar, wie sich die Situation entwickeln wird. Kommt hinzu, dass die administrativen Arbeiten zunehmen, so dass den Pfarrern immer weniger Zeit für die Seelsorge bleibt. Deshalb ist in katholisch Sirnach/Eschlikon und Münchwilen die Einführung eines Pastoralraumes geplant.

Der Glaube muss zum Menschen kommen

«Das Personal fehlt uns und die Gläubigen sind heute auch mobiler und wollen sich nicht mehr so engagieren wie früher,» sagte Margrith Mühlebach am Dienstagabend am Info-Abend im Katholischen Pfarreisaal Münchwilen vor über 50 Frauen und Männern. Dies seien gewichtige Gründe, um Pastoralräume zu gründen. Margrith Mühlebach ist die Regionalverantwortliche im Bischofsvikariat St. Viktor in Luzern. Mit der fortschreitenden Säkularisierung der Gesellschaft müsse die Kirche umzugehen lernen. Nicht die Kirche sei der Mittelpunkt der Gesellschaft, sondern die Menschen.

Das bedeute, dass «der Glaube dorthin gebracht werden soll, wo sich die Menschen aufhalten». Und das sei nicht mehr zwangsläufig der sonntägliche Gottesdienst in der Dorfkirche. «Im Pastoralraum sollen neue Formen und Orte der Verkündigung entstehen, so dass sich die Menschen und Gläubigen darin wohlfühlen», so Mühlebach. Wie diese Angebote dann konkret aussähen, müssten jedoch die innerhalb der Pastoralraumes zusammenarbeitenden Pfarreien selbst entscheiden.

Der gebürtige Thurgauer und heute im Kanton Schaffhausen wirkende Pastoralraum-Pfarrer Urs Elsener, erzählte, dass die Errichtung eines Pastoralraumes zwar sehr viel Aufbauarbeit mit sich bringe, sich am Ende jedoch für alle – Gläubige, Priester und Freiwillige – auszahle. «Man kann viel gemeinsam tun, ohne die Eigenarten der einzelnen Pfarreien zu vernachlässigen.» Als Beispiel nannte er den Kommunionsunterricht im Pastoralraum Schaffhausen-Reiat, dem vier Pfarreien angehören. «Früher hatte jede Pfarrei ihr eigenes Thema. Heute haben wir ein einziges, dass in den Pfarreien unterschiedlich bearbeitet wird».

Individuelle Stärken besser nutzen

Für Pfarrer Raimund Obrist bringt ein Pastoralraum auch personell Vorteile, denn Ausfälle und Stellvertretungen können besser geregelt werden. Zudem würden insbesondere kleinere Pfarreien entlastet, weil das Personal eng zusammenarbeite und in einem Pastoralraum nicht nur die Verantwortung für eine Pfarrei, sondern fürs Ganze trage. Elsener ergänzte, dass, aus seiner Erfahrung, im Pastoralraum «die Stärken der einzelnen Personen besser genutzt werden, da man sich spezialisieren kann und nicht mehr ein Allrounder sein muss». Andreas Imhasli, welcher die Schaffung des Pastoralraumes Sirnach als Berater begleitet, machte deutlich, was ein solcher auf gar keinen Fall sein soll: ein Steuerungsorgan, dass den Gläubigen von oben herab das Leben in der Pfarrei vorgebe: «Das würde der Idee eines Pastoralraumes zuwiderlaufen», trat er etwaigen Befürchtungen entgegen, bevor diese geäussert wurden.

Obrist: «So etwas braucht Zeit»

Momentan befindet sich die Schaffung des Pastoralraumes Sirnach in der Vorbereitungsphase. Das Pastoralraumkonzept wird von sieben Katholiken aus Münchwilen, Sirnach und Eschlikon erarbeitet. Ende November findet eine erste Sitzung statt. «Wir müssen uns überlegen, was schon an Gutem vorhanden ist und was für uns noch wichtig wäre», so Obrist. Dabei gelte es «Schritt für Schritt voranzugehen» und zu prüfen, ob noch etwas in der Diakonie, im Gottesdienst oder in der Liturgie fehle. «Die Schwerpunkte, die wir formulieren, sollen realistisch sein, so dass diese in einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren umgesetzt werden können», erklärte er. Ist das Konzept fertig, wird es zwecks Überprüfung nach Solothurn zur Bistumsleitung geschickt. «Es kann gut sein, dass wir es dann nochmals überarbeiten müssen; aber so etwas braucht halt seine Zeit. Ich hoffe, dass wir im Januar 2019 unseren Pastoralraum errichten können», so Obrist.