Hilfsflüge rund um den Globus: Bronschhofer sitzt bei der Rega hinter dem Steuerknüppel

Wenn irgendwo auf der Welt Gönnerinnen und Gönner der Rega schwer verunfallen oder erkranken, werden sie mit einem Ambulanzjet geholt. Im Cockpit sitzt möglicherweise Manuel Grämiger.

Adrian Zeller
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Manuel Grämiger fliegt mit dem Rega-Ambulanzjet um die ganze Welt. (Bild: PD)

Manuel Grämiger fliegt mit dem Rega-Ambulanzjet um die ganze Welt. (Bild: PD)

Der Traum vieler Buben ist es, Pilot oder Lokomotivführer zu werden. «Ich wollte als Kind aber Bauer werden», erzählt Manuel Grämiger. Im Pubertätsalter, notabene auf einem Ferienflug mit der Familie, änderte sich sein Ziel radikal: Er wurde mit dem «Fliegervirus» angesteckt. Nach der Schulzeit absolvierte er eine KV-Lehre mit anschliessender Berufsmittelschule. Es folgte ein Studium der Aviatik an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Winterthur. Parallel dazu erwarb Manuel Grämiger die Lizenz als Privatpilot.

Auf seinem weiteren Weg folgte eine Anstellung beim Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, wo er unter anderem für die Evaluation neuer Kampfflugzeuge, der Militärhubschrauber und auch für den Ersatz des Bundesratsjets zuständig war. Der 32-Jährige war unmittelbar in die damalige Kontroverse um die Beschaffung neuer Kampfjets für die Schweizer Luftwaffe involviert, Stichwort: Gripen-Abstimmung. Neben seiner beruflichen Tätigkeit erarbeitete er sich die Lizenz als Linienpilot.

Seit Juni 2018 bei der Rega angestellt

Durch seinen Fluglehrer erfuhr Manuel Grämiger, dass die Rega Piloten für ihre Ambulanzjets sucht. Auf die Bewerbung folgte ein zweieinhalbmonatiges Auswahlverfahren. Im Juni 2018 stellte ihn die Rega schliesslich ein, in der Anfangsphase bedeutete dies vor allem theoretische und praktische Schulungen in verschiedenen Bereichen. Seit November 2018 steht der gebürtige Bronschhofer, der heute im Zürich lebt, aber regelmässig in Wil ist, bei der Rega im praktischen Einsatz. «Mein erster Flug führte nach Brindisi in Italien», erzählt er.

Anfänglich lagen die Flugziele innerhalb Europas, mittlerweile setzt er auch in Rio de Janeiro, Moskau, auf den Philippinen und in Kapstadt zur Landung an. Häufig heissen die Destinationen Palma de Mallorca oder Phuket in Thailand, weil dort viele Schweizer leben oder ihre Ferien verbringen. Mit ihm fliegen jeweils ein zweiter Pilot sowie eine Flugärztin und eine Intensivpflegefachperson.

Manuel Grämiger sieht seinen Beruf als vielfältige Herausforderung, weil er auf der ganzen Welt Ziele anfliegen kann. Auch die unterschiedlichen medizinischen Situationen und entsprechenden Behandlungen interessieren ihn sehr. Er zeigt auf seinem Smartphone eine Weltkarte mit zahlreichen orangen und gelben Markierungen auf verschiedenen Kontinenten: «Die gelben sind jene Flughäfen, auf denen ich schon selber gelandet bin». Der Anlass ist wenig erfreulich, es müssen Patienten verlegt werden.

«Vor allem wenn es Kinder betrifft, geht mir das nahe.»

Flüge im Auftrag von Versicherungen

Ob ein schwer Erkrankter oder Verunfallter tatsächlich mit dem Ambulanzjet transportiert werden kann und muss, entscheiden die Ärzte der Rega in Absprache mit den Medizinern vor Ort. Manche Patienten können auch mit einem Linienflug reisen, weitere müssen zuerst medizinisch so stabilisiert werden, dass sie den mehrstündigen Flug ohne grössere Probleme überstehen.

Nicht nur einheimische Gönner der Rega werden mit den Jets geflogen, zum Teil gehören auch Versicherungsgesellschaften im Ausland zu den Auftraggebern, die ihre erkrankten oder verunfallten Kunden im Bedarfsfall überführen lassen.