Hightech trifft auf Werkbank: Bühler hat in Uzwil den Innovationscampus Cubic eröffnet

Am Mittwoch hat Bühler den Innovationscampus Cubic mit seinen acht Applikationszentren eröffnet. Ein Rundgang durch den Campus ist ein Ausflug in die Zukunft.

Tobias Söldi
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Ein Schmelztiegel, ein «Epizentrum des kollaborativen Ökosystems», das soll der Innovationscampus für Bühler sein. (Bild: Urs Bucher)

Ein Schmelztiegel, ein «Epizentrum des kollaborativen Ökosystems», das soll der Innovationscampus für Bühler sein. (Bild: Urs Bucher)

Uzwil? Man wähnt sich vielmehr im urbanen Zürich oder gar im kalifornischen Silicon Valley. Wie ein Raumschiff schwebt der dreistöckige, 50 Meter lange und ebenso breite Glaskubus, der Cubic, zwischen den bestehenden Gebäuden auf dem Bühler-Areal in Uzwil. Es ist das Herzstück des neuen Innovationscampus, in den das Unternehmen 50 Millionen Franken investiert hat.

Im Innern geht es nicht weniger futuristisch zu und her. Der Cubic, ausgelegt für bis zu 300 Arbeitende, ist eine eigentümliche Mischung aus hochmodernem Hightech-Labor und währschafter Werkstatt. Bohrmaschinen und Werkbänke treffen auf interaktive Bildschirme und 3D-Drucker, Produktion auf Forschung, Wirtschaft auf Wissenschaft, grosse Visionen auf die Realität. Hier, so Bühlers Idee, werden seit Anfang Jahr neue Lösungen für die Herausforderungen in Ernährung und Mobilität erarbeitet.

Wie ein Raumschiff: der Cubic von aussen. (Bild: PD)
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Die Wendeltreppe, die in den Cubic führt. (Bilder. Urs Bucher)
Moderne Arbeitsplätze.
Im Makerspace soll im Kleinen getestet werden, was im Grossen möglich ist, um schnell von der Idee zum fertigen Produkt zu gelangen.
Im Druckgussverfahren werden hier Einzelteile für Elektroautos herstellt.
Ein Applikationszentrum widmet sich der Herstellung von Teigwaren.
Im Digital Learning Center studiert man an einem papierlosen Büro herum.
Bühler-Chef Stefan Scheiber.
Urs Bühler mit Enkelin und Töchter Karin Andrea Bühler, Maya Bettina Bühler und Jeannine Martina Bühler.
Röbi Koller mit den Bühler-Töchter Jeannine Martina Bühler, Maya Bettina Bühler und Karin Andrea Bühler.
Röbi Koller mit Urs Bühler und Calvin Grieder.
Röbi Koller mit Regierungsrat Bruno Damann und Lucas Keel, Gemeindepräsident Uzwil.

Wie ein Raumschiff: der Cubic von aussen. (Bild: PD)

Digitales und Physisches

Manches, was in den Abteilen des Innovationscampus entsteht – abgeschlossene Büros finden sich hier kaum noch –, existiert nur in den Sphären der Digitalität. In einer Ecke des Cubic hat sich etwa das Start-up-Unternehmen Safefood eingerichtet. Der Arbeitsplatz: nicht viel mehr als ein grosser Holztisch auf Stehhöhe mit Laptops. Safefood will die Lebensmittelsicherheit verbessern. Dafür hat das Team eine Online-Plattform entwickelt, auf der sich Food-Safety-Manager über entsprechende Vorkommnisse in der Welt der Lebensmittelbranche auf dem Laufenden halten können.

Im Digital Learning Center studiert man an einem papierlosen Büro herum, während am Boden ein flacher Transportroboter herumsurrt. Und das Team von Mybühler betreibt eine Plattform, auf der Bühler-Kunden alle Informationen rund um ihre Maschinen und deren Einzelteile auffinden können. Kein zu unterschätzendes Vorhaben: Der grösste Kunde von Mybühler, ein afrikanisches Unternehmen, besitzt 4700 Maschinen. Physischer geht es im passend betitelten Makerspace zu und her. Die drei Mitarbeitenden sehen sich als Anlaufstelle, um Ideen von Kunden oder Bühler-Mitarbeitenden zu realisieren. Auf der Werkbank steht ein Modell eines Pasta-Schredder, hergestellt mit einem 3D-Drucker. Im Kleinen soll getestet werden, was im Grossen möglich ist, um schnell von der Idee zum fertigen Produkt zu gelangen.

Nudeln auf Linsenbasis

Einige Etagen tiefer füllen grosse Maschinen die Räume, mächtige Ungetüme, denen trotz allem eine gewisse Eleganz eigen ist. Hier befinden sich acht modernisierte Applikationszentren, ebenfalls Teil des Innovationscampus. Ideen von Kunden und Prototypen werden auf Herz und Nieren geprüft. Eines der Zentren etwa beschäftigt sich mit Nudeln, experimentiert mit Teigwaren auf Linsenbasis oder einem Anteil Mikroalgen. Eine weitere Idee, der man hier nachgeht, ist die Herstellung von Teigwaren mit hohem Proteingehalt dank Hülsenfruchtmehl.

Eine internationale Welt

Einen Gang weiter zeigt ein riesiger Bildschirm eine Vision des Verkehrs der Zukunft, inklusive fliegender Fahrzeuge. Ganz so weit ist man bei Bühler noch nicht. Aber gleich daneben steht eine Maschine, die im Druckgussverfahren unter anderem Einzelteile für Elektroautos herstellt. Innert Sekunden ist das zu Vorführzwecken hergestellte Aluminiumteil produziert, noch dampfend entnimmt es der Arbeiter der Maschine. Jedes zweite Auto besitze irgendwo ein Teil, das Bühler im Druckgussverfahren hergestellt hat, sagt er stolz.

Der Innovationscampus ist eine internationale Welt, in der Menschen verschiedenster Nationalitäten miteinander arbeiten. Munter wird zwischen Englisch, Deutsch und Schweizerdeutsch hin- und hergewechselt. Hier gibt es auch für Deutschsprechende keinen Sinn, sondern einen Purpose, keine Auswirkungen, sondern Impacts. Hier ist nicht von Werkzeugen die Rede, sondern von Tools. Und die Küche, die heisst im Cubic Food Maker Space. Also doch eher Silicon Valley als Uzwil?

Ein nachhaltiger und sparsamer Bau

Der Innovationscampus geht zurück auf eine Idee von Firmenpatron Urs Bühler, die bei dessen Verabschiedung 2014 entstand. Bereits 2016 gaben Familie, Verwaltungsrat und Management grünes Licht für das Projekt. Nach 20 Monaten Bauzeit ist Bühler Anfang 2019 eingezogen. Das Gebäude ist nachhaltig gebaut: Dank einer elektrochromen Fassade spart Bühler bis zu 50 Prozent an Energie für Heizung und Kühlung. Sensoren messen CO2-Verbrauch, Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Personenströme. Für den Standort Uzwil hat man sich nicht nur deshalb entschieden, weil hier der Hauptsitz liegt, sondern auch wegen der Nähe der ETH und den Vorteilen des dualen Bildungssystems. (pd/tos)

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