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Hier könnte der nächste Gemeindefilm entstehen

Gemeinden rüsten multimedial auf. Kürzlich stellte Niederhelfenschwil ein Video-Porträt auf die Webseite.
Nicola Ryser
Im neuen Gemeindefilm von Niederhelfenschwil geht die Post ab. Oder zumindest die Feuerwehr. Bild: Screenshot

Im neuen Gemeindefilm von Niederhelfenschwil geht die Post ab. Oder zumindest die Feuerwehr. Bild: Screenshot

Das World Wide Web ist schon erstaunlich. Man kann irgendeinen Blogeintrag schreiben oder ein eigenes Video hochladen und der abgeschiedenste Schafstreiber in der mongolischen Taiga mit einer halbwegs vernünftigen Internet-Verbindung kann diese zu Gesicht bekommen. Vor allem für die Kommunikation ist das Internet deswegen ein Segen. Hat ein Unternehmen oder eine Institution eine Botschaft, kann diese nicht nur der ganzen Welt mitgeteilt, sondern auch in verschiedenen Formen präsentiert werden, sprich als Lauftext, in Bildern oder als Video. Multimedialität nennt sich das Zauberwort.

Multimedialer ist auch die Gemeinde Niederhelfenschwil geworden. Seit drei Wochen existiert nämlich ein Porträt auf ihrer Website. Eben nicht als reiner Text, sondern als Video, um ganz im Sinne der Reizüberflutung im Internet Seh- und Hörsinn zu stimulieren. Man will ja der Welt – und vielleicht dem mongolischen Schafstreiber – zeigen, wie ach so toll, schön, einzigartig, vielseitig, naturverbunden, wirtschaftlich florierend und kulturell befriedigend die eigene Gemeinde doch ist.

Niederhelfenschwil folgt dabei dem Kommunikationsweg zweier anderer Gemeinden, Jonschwil und Wilen, die ebenfalls einen eigenen Dorffilm produziert haben. Die Parallelen bezüglich Machart und Aufbau der Filme sind gleichwohl unübersehbar. Man könnte fast meinen, es gebe klare Regeln, was in einem Gemeindefilm vorkommen muss und was nicht. Zumindest kann dies aus den drei Filmen abgeleitet werden, sozusagen ein ABC des Genres Gemeindefilm.

Von oben, von unten, von weitem, von nahem

Bilder sprechen ja mehr als tausend Worte. Also: Wie will man die Gemeinde als Ganzes am besten bebildern? Zuerst bedarf es einer Übersicht, einer Standortbestimmung. Hierfür lässt man die Drohnen steigen, sodass pittoreske Panoramen des Dorfes und seiner Umgebung entstehen. Dazu baut man noch einige Naturbilder ein und fügt alte Fotos von früher hinzu. Zum Beispiel eine Karte von 1899 mit dem Dorfnamen Wilen, damals genannt Wylen, drauf oder eine Bauernfamilie aus Niederhelfenschwil, abgebildet in Schwarz-Weiss.

Ist dann die gesamte geografische und geschichtliche Einbettung abgehandelt, taucht man in die Details. Oder besser gesagt in den Dorfkern. Dort soll mit ganz viel Action gepunktet werden. So lässt Niederhelfenschwil für sein Video die Feuerwehr ausrücken – natürlich mit einem falschen Notruf, sodass die Feuerwehrleute auch mal ihr schauspielerisches Talent beweisen können –, und Wilen die Faustballer vor die Kamera hechten. Ganz nach dem Motto: «Bei uns wird es nie langweilig.»

Folgendes Potpourri an Themen kommt dabei, unabhängig der Reihenfolge, vor: Schule – natürlich mit vielen Kindern auf dem Schulplatz –, Verkehrslage – natürlich mit wenigen Autos auf den Strassen –, Kulturangebot, Wirtschaftlichkeit und Einkaufsmöglichkeiten. Bestenfalls zoomt man zudem per Standbild auf die wichtigsten Läden, Unternehmen und kulturellen Gebäude. Und um das ganze am Ende abzuschliessen, fliegt man nochmals mit der Drohne über die Gemeinde. Et voilà, der Dorfgeist ist optimal eingefangen.

Mit sanften Gitarrenklängen aus der Sauna

Doch ein Film wird nicht nur gesehen, sondern auch gehört. Die melodische Untermalung sollte dabei nicht irritieren, sondern die Stimmung der Bilder unterstützen. Die Aufnahme des Jonschwiler Weihers wird deswegen begleitet von sanften Gitarrenklängen, die man sonst nur über die Lautsprecher in der Sauna hört, bei der Fasnacht in Lenggenwil läuft ein zackiges Schlagzeugsolo. Und während die Kamera über die Wilener Gemeinde schwebt, stimmt ein Kinderchor das Wilener Lied an. Heimische Gefühle werden geweckt.

Gelegentlich darf bei der Musikwahl auch experimentiert werden, wie es Niederhelfenschwil demonstriert. Wenn nämlich Bilder des Moosweihers und der Kobesenmühle über den Screen flimmern, laufen im Hintergrund leichte Hip-Hop-Beats. Fast schon in Manier des Kultregisseurs Quentin Tarantino.

Guck in die Kamera und sag einfach etwas Positives

Doch was wäre ein Amateurvideo ohne jemanden, der wie ein regloser Spielzeugsoldat vor der leicht zitternden Kamera steht und den Text, neben der Linse platziert, in monotoner Stimmlage abliest. Schliesslich müssen dem Zuschauer auch die Menschen der Gemeinde nähergebracht werden. Bei Jonschwil ist es beispielsweise der Gemeindepräsident – je nach Kontext mal vor dem Dorf, mal vor der Sportanlage, mal vor dem Gemeindehaus –, der natürlich nur über die positiven Eigenschaften des Dorfes erzählt. Man kann aber auch mehrere Personen reden lassen, wie es Wilen in seinem Film macht. Dort kommen zahlreiche Leute zu Wort, die alle Besonderheiten des Dorfes aufzählen.

Hat man all diese Aspekte erfüllt, darf noch ein wenig mit der Technik gespielt werden. Da einige Special Effects (der Name Niederhelfenschwil wird am Schluss als Papierrolle aufgerollt), dort ein frecher Schnitt (ein Bild schiebt ein anderes auf die Seite), und fertig ist der Porträtfilm. Ob der nun sechs (Jonschwil), sieben (Niederhelfenschwil) oder epische 18 Minuten (Wilen) andauert, ist nichtig. Hauptsache der Film wirbt für das Dorf. Und wer weiss: Vielleicht bekommt man dadurch auch mal mongolischen Besuch.

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