«Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein»

Das herzhafte Lachen von Jennifer-Moni Kyburz ist schon beim Eintreten in den «Bären» in Bazenheid zu hören. Sie sitzt im Scheinwerferlicht auf einem Stuhl, links von ihr Stammgast Joseph Koch, rechts Chef de Service Mirco Covello. Es ist kurz nach 15 Uhr, sechs Gäste sind im Restaurant.

Hans Suter
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«Bären»-Geschäftsführerin Jennifer-Moni Kyburz macht Joseph Koch zum Koch: Unter Regieanweisung schmeckt er die Vinaigrette ab. (Bild: Hans Suter)

«Bären»-Geschäftsführerin Jennifer-Moni Kyburz macht Joseph Koch zum Koch: Unter Regieanweisung schmeckt er die Vinaigrette ab. (Bild: Hans Suter)

Das herzhafte Lachen von Jennifer-Moni Kyburz ist schon beim Eintreten in den «Bären» in Bazenheid zu hören. Sie sitzt im Scheinwerferlicht auf einem Stuhl, links von ihr Stammgast Joseph Koch, rechts Chef de Service Mirco Covello. Es ist kurz nach 15 Uhr, sechs Gäste sind im Restaurant. Und eine Filmcrew, die im «Bären» eine Folge von «Mini Beiz, dini Beiz» dreht. In der erfolgreichen Vorabendsendung von SRF 1, die montags bis freitags um 18.15 Uhr ausgestrahlt wird, stellt jeweils ein Gast «mini Beiz» vor. Der Ablauf ist immer gleich: Es werden ein Apéro und ein zweigängiges Menu gereicht, entweder Vor- und Hauptspeise oder Hauptgang und Dessert. Am Schluss folgt eine Bewertung von Ambiente, Service und Speisen, ausgedrückt auf einer Punkteskala von eins bis zehn. Meistens gibt es sieben bis zehn Punkte. Wer am meisten Punkte erhält, gewinnt. Für den Gast gibt es einen Geldbetrag, für die Beiz Ehre und eine Urkunde.

«Joseph, was führt dich als Gast hierher?» Diese Frage kommt immer, nur der Protagonist wechselt täglich. Joseph Koch denkt kurz nach. Dann sagt er ruhig und deutlich: «Im <Bären> trifft man sich, hier trifft sich das Dorf.» Dann wird Geschäftsführerin Jennifer-Moni Kyburz gefragt, was den «Bären» auszeichne. Auch sie denkt kurz nach. «Wir leben Menschlichkeit in diesem Haus», sagt sie, neigt den Kopf zur Seite und zeigt mit dem Finger auf ein Goethe-Zitat an der Wand: «Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein.» Im «Bären» finden Menschen eine Beschäftigung, die von der Gesellschaft ausgegrenzt wurden oder nur sehr wenig Chancen hätten in der Arbeitswelt. «Hier sind alle willkommen», unterstreicht Jennifer-Moni Kyburz. Joseph Koch nickt bestätigend, und Chef de Service Mirco Covello ergänzt: «Bei uns werden alle Gäste gleich behandelt.»

Die Chefin unterstreicht, wenn immer möglich auf regionale Produkte zu setzen. Mit ernster Mine fügt sie hinzu: «Biofleisch aus Amerika kann nach diesem langen Transportweg gar nicht Bio sein.»

Szenenwechsel. Joseph Koch muss in die Küche. Auch das ist immer so. Der Gast muss bei einem Arbeitsschritt mithelfen, auch wenn er gar nicht kochen kann. Doch Koch kann kochen, darf aber nur eine Vinaigrette abschmecken. Er ist Mitglied eines Kochclubs, der im «Bären» Gastrecht geniesst. Wehe, wenn er losgelassen. Doch er hält sich vornehm zurück und folgt den Regieanweisungen. Irgendwann gegen Abend treffen dann die anderen Gäste ein, plaudern, trinken, essen und bewerten. Wie immer.

Ausgestrahlt wird die Sendung in der zweiten Februarwoche. Das Publikum umfasst oft 250 000 Personen. Im Wettbewerb steht der «Bären» mit Beizen in Kirchberg, Bütschwil, Ganterschwil und Niederuzwil.