Heterogen und auf fast allen Listen: So zeigt sich die Kandidatenfeld aus der Region Wil

42 Kandidatinnen und Kandidaten aus der Region Wil bewerben sich um einen Sitz im Nationalrat.

Tobias Söldi
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12 der 200 Sitze im Nationalratssaal sind für den Kanton St. Gallen reserviert. (Bild: Keystone)

12 der 200 Sitze im Nationalratssaal sind für den Kanton St. Gallen reserviert. (Bild: Keystone)

Die Konkurrenz ist so gross wie noch nie: 255 Kandidatinnen und Kandidaten kämpfen am 20. Oktober um die zwölf St.Galler Sitze im Nationalrat. Um ein Mandat bewerben sich auch 42 Personen aus der Region Wil.

Das Feld dieser Kandidierenden ist bunt: Auf den Listen finden sich alte Hasen und hungrige Junge, Linke, Rechte und Grüne, Politikerfahrene ebenso wie Quereinsteiger. Knapp die Hälfte von ihnen – 20 – haben ihren Wohnort in der Stadt Wil. Die ländlichen Regionen sind weniger stark vertreten: Aus Uzwil und Bronschhofen kommen je drei Kandidierende, aus Henau und Rossrüti sind es zwei, aus Flawil und Degersheim gar nur jeweils eine Person.

Beim Frauenanteil im Durchschnitt

Auch gesinnungsmässig ist die Region breit aufgestellt. Auf drei Viertel aller Listen finden sich Vertreter aus der Region. Zählt man auch die Unterlisten, sind die CVP und die FDP mit jeweils neun Kandidaten am stärksten. Nur auf sechs der 25 Listen steht niemand aus der Region, nämlich jenen der Grünliberalen, der Parteifreien und der Schweizerdemokraten sowie der SVP-Seniorenliste und naturgemäss auf den Süd-Ost-Listen der CVP.

Beim Frauenanteil bewegt sich die Region Wil im Durchschnitt: 14 der 42 Kandidaten – genau ein Drittel – sind weiblichen Geschlechts. Kantonsweit liegt der Anteil bei 32,9 Prozent.

Die Bisherigen

Lukas Reimann (SVP), bisheriger Nationalrat, Jurist. (Bild: PD)

Lukas Reimann (SVP), bisheriger Nationalrat, Jurist. (Bild: PD)

Die beiden amtierenden Nationalräte Barbara Gysi (SP) und Lukas Reimann (SVP) stellen sich beide wieder zur Wahl.

Barbara Gysi (SP), bisherige Nationalrätin, Sozialpädagogin. (Bild: Keystone)

Barbara Gysi (SP), bisherige Nationalrätin, Sozialpädagogin. (Bild: Keystone)

Sozialpädagogin Gysi politisiert seit 2011 im Nationalrat, Jurist Reimann seit 2007. Gysi hätten ihre dritte bzw. vierte Legislatur vor sich. Doch vor einer Abwahl ist niemand gefeit.

Die Ambitionierten

Gilli Yvonne (Grüne), Kandidatin, Fachärztin für Innere Medizin. (Bild: PD)

Gilli Yvonne (Grüne), Kandidatin, Fachärztin für Innere Medizin. (Bild: PD)

Das weiss niemand besser als die Grüne Yvonne Gilli. Nachdem ihr Sitz bei den Wahlen 2015 dem Rechtsrutsch zum Opfer gefallen ist, will sie nun auf der grünen Welle zurück ins Bundeshaus. «Ich glaube, dass sich das Umweltbewusstsein mit dem Klimastreik entscheidend verändert hat», erklärte sie gegenüber dieser Zeitung.

Einsatz zeigt auch Arber Bullakaj von der SP. Er startete seine Kampagne als einer der ersten im Kanton. Rund vier Monate vor den Wahlen hat der Wiler Stadtparlamentarier mit Wurzeln im Kosovo seine Kampagne lanciert. Der 33-Jährige steht auf dem dritten Platz der SP-Liste.

Der Nachwuchs

Auffallend gut vertreten ist die Region auf den Listen der Jungparteien. Spitzenreiter ist die Nord-West-Liste der jungen CVP. Fünf von zwölf Kandidaten kommen von hier. Mit dem vierten Platz am besten aufgestellt ist Annik Hasler aus Wil, Vorstandsmitglied der Jungen CVP Schweiz.

Bei den Jungsozialisten sind vier der zehn Kandidaten aus der Region. Auf dem dritten Platz befindet sich Anna Miotto, bekannt geworden als Mitglied des Klimakollektivs. Konkurrenz erhält sie von Timo Räbsamen, dem Präsidenten der Juso Kanton St.Gallen. Er ist auf dem zweiten Platz der Liste.

Aus den Gemeinden und der Stadt

Monika Scherrer (CVP), Kandidatin, Gemeindepräsidentin Degersheim. (Bild: PD)

Monika Scherrer (CVP), Kandidatin, Gemeindepräsidentin Degersheim. (Bild: PD)

Zur Wahl stellen sich auch Monika Scherrer, Gemeindepräsidentin von Degersheim, sowie Lucas Keel, Gemeindepräsident von Uzwil. Beide politisieren für die CVP; Scherrer ist auf dem vierten Platz der CVP-Liste.

Bestplatzierte bei der FDP ist Ingrid E. Markart. Die Rechtsanwältin stellt sich zudem zur Wahl als Gemeinderätin von Oberuzwil.

Ingrid E. Markart (FDP), Kandidatin, Rechtsanwältin (Bild: PD)

Ingrid E. Markart (FDP), Kandidatin, Rechtsanwältin (Bild: PD)

Auch die Wiler Stadtpolitik ist vertreten und das nicht zu knapp. So kandidieren unter anderem die Stadträte Dario Sulzer (SP) und Daniel Stutz (Grüne). Aus dem Stadtparlament stellen sich neben Bullakaj unter anderem Ursula Egli (SVP), Luc Kauf (Grüne, Klimasenioren) und Jannik Schweizer (Jungfreisinnge) zur Wahl. Kandidat Jigme Norbu Shitsetsang (FDP), ebenfalls Stadtparlamentarier, wird zudem als möglicher Nachfolger von FDP-Regierungsrat Martin Klöti gehandelt. Und Parlamentspräsident Marc Flückiger kandidiert für die Liste der Umweltfreisinnigen.

Der Aussenseiter

Aus der Reihe fällt die Liste 10, betitelt mit «Der Pflug». Es ist in diesen Wahlen die einzige Einzelmaske. Eingereicht hat sie Stefan Rusch, Lenggenwiler Bio-Landwirt und Geschäftsführer des Restaurants «Art’s Pub» in Wil. 2015 kam eine der drei Einzelmasken ebenfalls aus der Region: Damals kandidierte die frühere SVPlerin und Kurzzeit-Wilerin Sarah Bösch mit der Liste «Das Original».

Der Ständerat

Auch im Kampf um die Ständeratssitze von Paul Rechsteiner und Bendedikt Würth ist die Region vertreten. Am Montag ist Norbert Feldmann von der BDP auf das Kandidatenkarusell aufgesprungen. Feldmann steht zudem auf der Nationalratsliste der BDP. Der Uzwiler kandidierte 2016 erfolglos für den Kantonsrat und stellte sich im gleichen Jahr ebenfalls erfolglos für ein nebenamtliches Richteramt am Kreisgericht Wil zur Wahl.