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Umbruch bei den Wiler Eishockey-Frauen: Herzogs Ära geht zu Ende

Nach der herausragenden Saison der Wiler Frauen tritt Trainer Marcel Herzog ins zweite Glied zurück. Assistent Diego Gremminger wird neuer Trainer des NLB-Teams. Auch bei den Ausländerinnen stehen Wechsel an.
Daniel Monnin
Die italienische Topskorerin Anna Caumo (im dunklen Trikot) geht künftig nicht mehr für Wil auf Torejagd. (Bild: Tim Frei)

Die italienische Topskorerin Anna Caumo (im dunklen Trikot) geht künftig nicht mehr für Wil auf Torejagd. (Bild: Tim Frei)

Grosse Veränderungen deuten oft auf Schwierigkeiten in und rund um ein Team hin. Nicht so bei den Frauen des EC Wil, die auf eine äusserst erfolgreiche Saison zurückblicken. Mit dem souveränen Halbfinal-Einzug hat das NLB-Team die Erwartungen bei weitem übertroffen – auch wenn bei den Spielerinnen die Erwartungshaltung höher war und die Enttäuschung über den geplatzten Traum, die Finalqualifikation, ein paar Tage lang anhielt. Realistisch analysiert haben die Wiler Frauen mit einem kleinen, aber feinen Kader ein Optimum erreicht.

Nun wird dieses Kader einschneidende Veränderungen erfahren: Trainer und Team-Gründer Marcel Herzog zieht sich nach drei erfolgreichen Jahren mit dem NLB-Aufstieg und zwei Playoff-Teilnahmen ins zweite Glied zurück. Herzog gibt zu:

«Der Entscheid ist mir extrem schwer gefallen. Ich hänge an dieser Mannschaft und habe viel Herzblut investiert.»

Team-Gründer Marcel Herzog tritt kürzer. (Bild: PD)

Team-Gründer Marcel Herzog tritt kürzer. (Bild: PD)

Der wichtigste Grund für seinen Rückzug ist rein geschäftlicher Natur. Herzog wird seine Firma in den nächsten Jahren an seinen Sohn übergeben. «Das erfordert zusätzliche Arbeiten, die ich mit einem Headcoach-Job nicht vereinbaren könnte», sagt er.

Herzog amtet neu als «eine Art Sportchef»

Halbe Sachen gibt es für ihn nicht. Pro Woche hat er rund 16 bis 20 Stunden ins Eishockey investiert. Das könne er in nächster Zeit nicht mehr garantieren. Deshalb legt er sein Amt in die Hände seines bisherigen Assistenten Diego Gremminger. Über ihn sagt Herzog:

«Er war von allem Anfang dabei und lebt Eishockey wie ich. Unsere Ideen und unsere Einstellung waren immer kongruent.»

Deshalb ist Herzog überzeugt, dass «Gremminger das Team in meinem Sinne, aber mit seiner eigenen Handschrift wird führen können.» Herzog sagt es mit Bestimmtheit und dennoch schwingt eine Prise Wehmut mit: «Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, das Ganze lasse mich kalt.»

Deshalb hat sich Herzog entschlossen, auch weiterhin für die Wiler Frauen tätig zu sein, als «eine Art Sportchef». In dieser Funktion wird er sich um die Zusammenstellung des neuen Teams kümmern, also Transfers von ausländischen und Schweizer Spielerinnen aufgleisen. Und dies immer mit dem Ziel, die Equipe weiter zu ergänzen und zu verstärken.

Caumo und Jaatinen kehren in Heimat zurück

Das wird auch nötig sein: Mit Henriikka Jaatinen und Anna Caumo verlassen zwei Schlüsselspielerinnen das Team. Beide Abgänge standen jedoch seit Beginn der Saison fest: Jaatinen, die finnische Verteidigerin, wird in ihrer Heimat eine Ausbildung zur Polizistin beginnen. Die erst 17-jährige Topskorerin Caumo muss nach Italien zurück ans Brunecker Sprachen-Gymnasium. Caumo sagt:

«Ich wäre liebend gerne in Wil geblieben. Aber der Deal war von allem Anfang klar: Ein Jahr an der Kantonsschule in Wil und dann zurück ins Gymnasium im Südtirol.»

Auch Jaatinen hat sich den Abschied nicht einfach gemacht: «Ich habe in Wil die beste Saison meiner Karriere erlebt und das Team ist mir wirklich ans Herz gewachsen.»

Verstärkung aus Nordamerika? – Frühere Topskorerin kehrt wohl zurück

Die Liste der möglichen Nachfolgerinnen ist zurzeit noch lang, doch es ist durchaus möglich, dass in der nächsten Saison im Bergholz vermehrt englisch gesprochen wird: Herzog steht in engem Kontakt mit zwei Spielerinnen aus Übersee, beide mit Vergangenheit in den nordamerikanischen Universitätsligen. Die eine spielt derzeit in Australien um den Meistertitel, die andere ist in der deutschen Bundesliga engagiert.

Weitere Kandidatinnen – unter anderem aus Schweden – stehen bereit, sollte sich der eine oder andere Transfer nicht realisieren lassen. Weil auch Nadja Dierauer nach ihrer Fussoperation voraussichtlich sechs Monate ausfallen wird, schaut sich Herzog nach weiteren Ergänzungen um.

Fast sicher ist die Rückkehr von Lisa Kainz-Schwinger, Topskorerin der Saison 2017/18. Die Österreicherin mit Schweizer Lizenz wird nach einem Jahr Babypause wieder für Wil auflaufen und die «Lustenau»-Fraktion um Captain Julia Hagen und Torhüterin Karin Dietrich ergänzen.

«Ich werde in grosse Fussstapfen treten»

Der neue Trainer Diego Gremminger freut sich auf seine neue Aufgabe, auch wenn er ihr mit gemischten Gefühlen entgegenblickt. «Einerseits bin ich stolz, dass Herzog mich zu seinem Nachfolger macht, andererseits werde ich natürlich in grosse Fussstapfen treten», sagt der 34-Jährige.

Der Herisauer Diego Gremminger blickt der neuen Aufgabe mit gemischten Gefühlen entgegen. (Bild: PD)

Der Herisauer Diego Gremminger blickt der neuen Aufgabe mit gemischten Gefühlen entgegen. (Bild: PD)

Der Telematiker aus Herisau, der lange Zeit im Nachwuchs der Appenzeller gearbeitet hat, ist überzeugt, dass «wir auch in der kommenden Saison ein kompetitives Team haben werden.» Er weiss um Herzogs Beziehungsnetz und freut sich auf die eine oder andere neue Spielerin.

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