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Herz und Mund und Tat und Leben

Gare de Lion-Booker Michael Sarbach ist ein flinker Bursche. Als er von der Europa-Tournée des in der Schweiz recht gut bekannten US-Bluesrockers Popa Chubby hörte, griff er zu. Dies obwohl Popa Chubby eine Musik macht, die nicht gerade im Fokus der Gare de Lion-Habitués steht.

Gare de Lion-Booker Michael Sarbach ist ein flinker Bursche. Als er von der Europa-Tournée des in der Schweiz recht gut bekannten US-Bluesrockers Popa Chubby hörte, griff er zu. Dies obwohl Popa Chubby eine Musik macht, die nicht gerade im Fokus der Gare de Lion-Habitués steht. Doch der Auftritt am Rockamweier 2010 hat gezeigt, dass rockiger Blues auch beim jungen Publikum ankommt – was auch richtig ist so. Ausserdem, ab und an mal etwas für die ältere Generation zu tun, steht dem Gare de Lion gut an.

Am Samstag jedenfalls zogen ebenso viele junge wie alte Musikfreaks hinaus zum Gare de Lion. Der US-Bluesrocker Popa Chubby meldete sich in Wil zurück. Vor zwei Jahren trat der schwergewichtige Gitarrist am Rockamweier auf, nun vor fast ausverkauftem Haus im Gare de Lion.

Zurück in Wil

Chubby brachte Altes und Neues mit in die Äbtestadt. Da ist vorab sein jüngstes Album «Back to New York City» aus dem er den einen und anderen Song spielte. Natürlich war der Titelsong «Back to NYC» darunter oder «She loves everybody but me», beides schnelle und «shuffelnde» Bluesstücke. Doch Chubby kann auch anders.

Immer wieder, das ist schon aus seiner Vergangenheit bekannt (und damit ist er nicht der Einzige, auch Jimi Hendrix oder Ritchie Blackmoore taten diesen Griff), zieht es Popa Chubby zur Klassikkiste. Im heiteren Stück «Jesus Joy of Mans Desiring» stahl er nicht nur den Titel aus dem Schlusschoral von Johann Sebastian Bachs Kantate «Herz und Mund und Tat und Leben» (BWV 147), sondern gleich die ganze Komposition. Chubby spielte den lüpfigen Song (zu Deutsch: Jesu bleibet meine Freude) zur Freude aller Anwesenden für einmal stehend.

Nicht mehr gut zu Fuss

Popa Chubby scheint nicht mehr gut zu Fuss. 300 Pfund (Selbstdeklaration) drücken auf die unteren Gelenke. So verbrachte der Schwergewichtler fast das ganze Konzert auf einem Stuhl. Seiner Spielfreude tat dies keinen Abbruch, der Stimmung schon. Man konnte dies gut feststellen, wenn der Hauptdarsteller aufstand die Stimmung im Publikum sofort ins Ekstatische stieg. «Herz und Mund und Tat und Leben»: Ein Titel, ein Song, eine Metapher die zu diesem Mann passt. Herz hat er, auch wenn er zuweilen showmässig grimmig dreinschaut, er erinnerte sich noch sehr gut an seinen letzten Auftritt in der Stadt (das Publikum ebenso). Seinen Mund benützt er nicht nur zum Singen, sondern auch zum Essen. Zum Zvieri habe er sich gleich mal drei Grillhähnchen bestellt, wurde gemunkelt im Team des Gare de Lion. Zur Tat: der Mann spielt volle zwei Stunden ohne Unterbruch. Das Schöne dabei: Er scheint nicht müde zu werden, im Gegenteil, er läuft nach 100 Minuten erst recht warm.

Nur ein Laster

Und Leben? Popa Chubby möchte leben. «If there's one thing I want people to know about me, its that I'm a survivor» (Wenn die Leute eine Sache über mich wissen sollten, dann ist es das, dass ich ein Überlebender bin), sagt er. Popa Chubby, geboren in New York als Theodore Joseph Horowitz, Waise geworden mit sieben, schwer drogenabhängig gewesen mit zwanzig, wird in 11 Tagen 42 Jahre alt. Er leibt und lebt, nimmt weder Drogen noch Alkohol zu sich und hat nur ein einziges offensichtliches Laster. Es hält ihn nämlich nichts von der Musik, von der Bühne, vom Publikum ab. Rund zwei Dutzend Studioalben hat der Autodidakt in 20 Jahren veröffentlicht. Seinen Stil beschreibt er mit Vergleichen: Ein Treffen von The Stooges und Buddy Guy, Motörhead und Muddy Waters, Jimi Hendrix und Robert Johnson. Genauso performte Popa Chubby am späten Samstagabend im Gare de Lion: Bluesig, rockig, punkig, laut. Energiegeladen. Michael Hug

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