HERBERGE: Kleines Paradies vor der Haustür

Das Jugendhaus Hirzen liegt etwas abseits des Dorfes Niederuzwil. Vorübergehend bewohnten es jugendliche Asylbewerber. Nun steht die Jugendherberge wieder Gruppen und Vereinen offen.

Philipp Stutz
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Das Jugendhaus ist idyllisch gelegen und von einem Wäldchen umgeben. (Bilder: Philipp Stutz)

Das Jugendhaus ist idyllisch gelegen und von einem Wäldchen umgeben. (Bilder: Philipp Stutz)

Philipp Stutz

philipp.stutz@wilerzeitung.ch

«Sommer und Winter geöffnet und im Grünen gelegen.» So preist sich das Jugendhaus in einem Faltprospekt nüchtern an. Viele ehemalige Jungschärler und Blauringler kennen das Gebäude. Sie haben hier ihre Lager verbracht und sind in den Wäldern herumgestreift. Die Liegenschaft, seit 1979 im Besitz der Evangelischen Kirchgemeinde Uzwil, umfasst ein Grundstück von rund 3500 Quadratmetern. Auf einer Wiese östlich des Hauses kann Fuss- und Volleyball gespielt werden. Alle dazu nötigen Geräte sind vorhanden. Eine Grillstelle ergänzt das Angebot.

«Die idyllische Lage direkt beim Kobelwald ist ein kleines Paradies», sagt Heinz Dornbierer. Er wirkt seit zwei Jahren als Verwalter. Der Entwicklungsingenieur steht vor seiner Pensionierung. Danach bleibt ihm genügend Zeit, um im Jugendhaus nach dem Rechten zu sehen.

Asylbewerber fühlten sich hier wohl

Während mehrerer Monate waren jugendliche Asylbewerber aus dem Thurhof einquartiert. Die Evangelische Kirchgemeinde hatte zu einer Lösung der Platzprobleme im Durchgangszen- trum in Oberbüren Hand geboten. Für die Betreuung war eine Fachperson zuständig. Die Jugendlichen hatten eine Tagesstruktur und hielten sich vor allem abends und an Wochenenden im Jugendhaus auf. Sie haben dort gekocht, geschlafen und auswärts Deutschunterricht erhalten. Vor allem Eritreer und Afghanen haben sich hier aufgehalten «Es gab keinerlei Probleme wie etwa mutwillige Sachbeschädigungen», betont Heinz Dornbierer und fügt hinzu: «Einer der Jugendlichen hat sogar eine Lehrstelle gefunden.»

Die extra installierten technischen Anlagen für Television und Smartphones sind inzwischen deaktiviert worden. Im Jugendhaus wird bewusst darauf verzichtet. «Die Natur bereitet genug Abwechslung», ist der Verwalter überzeugt. Die Kosten für die Unterbringung der Asylbewerber hat der Kanton getragen. Sie sind nicht unerheblich. Gibt doch der Kanton St. Gallen pro minderjährigem Asylbewerber monatlich rund 3600 Franken aus.

«Ich bin gerne in Kontakt mit Jugendlichen», sagt Dornbierer. Das kommt nicht von ungefähr. Hat er doch während 30 Jahren Junioren des EHC Uzwil trainiert. Dabei seien viele Begegnungen und Bekanntschaften entstanden, sagt er. Der ehemalige Fussballer und Eisho- ckeyspieler ist noch heute sportlich aktiv. Windsurfen und Biken zählen zu seinen Leidenschaften.

Herberge für «Heimweh-Uzwiler»

Das Jugendhaus Hirzen bietet Schlafmöglichkeiten für 24 Personen. 1979 wurde es umgebaut. Das Gebäude verfügt über Duschen und eine Küche samt Kühlschrank. Auch eine Elektroheizung ist eingebaut worden. Das zweigeteilte Massenlager befindet sich im oberen Stock. Gruppen und Vereine belegen oft das Gebäude. «Hier wurde schon manch ein Geburtstag oder Jubiläum gefeiert», weiss Heinz Dornbierer. Schullager werden abgehalten, und im Haus haben sich auch schon «Heimweh-Uzwiler» aufgehalten. «Die Preise sind moderat und liegen weit unter jenen anderer Jugendherbergen», sagt Dornbierer.

Gereinigt wird das Gebäude von den jeweiligen Mietern selbst oder gegen Aufwand von der Verwaltung. Heinz Dornbierer stellt den Benutzern des Jugendhauses grundsätzlich ein gutes Zeugnis aus.

Fassade mit Ketchup verschmiert

«Vorletztes Jahr aber haben Benutzer der Grillstelle Bierflaschen liegen gelassen und eine Holzbeige umgestossen.» Und einmal sei die Fassade des Hauses grossflächig mit Ketchup verschmiert worden. «Das alles zu reinigen und den Abfall zu entsorgen, war schon mühsam», ärgert sich Heinz Dornbierer. Doch glücklicherweise sind dies Ausnahmen. Dass das Jugendhaus begehrt ist, zeigt sich in der Nachfrage. «Buchungen sind wieder am Anlaufen, und Anfragen treffen ein, viele von auswärts.»