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HENAU/ZUZWIL: Nüssli, Biberli und ein Handy

Bruno Gasser ist es gewohnt, in Rollen zu schlüpfen. Seit zwei Jahrzehnten steht er als Mitglied der Theatergruppe Henau auf der Bühne. Im Advent jedoch spielt er seit 50 Jahren nur eine Rolle: den Samichlaus.
Andrea Häusler
Bruno Gasser, Polizist im Ruhestand, ist seit Jahren als Samichlaus der Theatergruppe Henau unterwegs. (Bild: Andrea Häusler)

Bruno Gasser, Polizist im Ruhestand, ist seit Jahren als Samichlaus der Theatergruppe Henau unterwegs. (Bild: Andrea Häusler)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Das Kribbeln beginnt jeweils um den 1. Dezember. Dann, wenn die Tage kurz und die Nächte lang geworden sind, sich langsam die festliche Vorfreude in die Stuben schleicht. Das ist noch immer so, auch nach rund 50 Jahren, sagt Bruno Gasser. Als 18-Jähriger hatte er erstmals das purpurrote Gewand übergeworfen, das Gesicht hinter dem schneeweissen, seidigen Bart verborgen und den Weg in die Stuben um Herisau unter die Stiefel genommen. Damals, sagt er, hätten die Eltern einen «Polteri» erwartet: einer, der die Sprösslinge ordentlich in den Senkel stellte und dem einen oder anderen tatsächlich die Ohren lang zog.

Das Bild des Samichlaus habe sich dann aber rasch geändert. Lob und Tadel gebe es zwar noch immer. Doch sei die einstige Respektsperson zum nahbaren, gutmütigen und nachsichtigen Gast geworden, der den Kindern Geschenke bringt. Solche seien zunehmend verbreitet, sagt Bruno Gasser. «Was früher unter dem Christbaum lag, findet sich heute oft im Chlaussack. Da würden durchaus auch Handys verschenkt «– nebst Nüssen, Biberli und Mandarinli, die natürlich auch dazugehörten.

Schmutzli ist kein Frauen-Job

Bruno Gasser ist einer von drei Nikoläusen der Theatergruppe Henau, die zur Adventszeit, begleitet von insgesamt sechs Schmutzlis, in der Region Oberbüren, Uzwil und Oberuzwil, Ober- und Niederstetten, Zuzwil und Sonnental unterwegs sind. «Die Paarungen sind nach Möglichkeit alljährlich dieselben», sagt Gasser. Der Vorteil: man kennt sich. Schmutzlis sind Männer. Kapuzenfrauen möchte er nicht an seiner Seite. Der letzte weibliche Schmutzli sei die designierte Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter gewesen. An einem Anlass im Depot - zu Polizistenzeiten. Eine nette Erinnerung, die seine Überzeugung jedoch nicht beeinflusst hat: «Die Kinder haben feine Antennen, spüren, wenn der Schmutzli eine Frau ist», weiss Bruno Gasser. Deshalb bleibt sein «richtiger» Schmutzli auch zu Hause in Zuzwil. «Meine Frau nimmt die Anmeldungen entgegen, organisiert die Termine, hält mir den Rücken frei.» Es sind zirka sechs Besuche, die an den Samichlaus-Tagen auf jede Gruppe entfallen. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren stabil geblieben, tendenziell aber abnehmend.

Rund 30 Minuten sind pro Besuch kalkuliert - die Anfahrt eingeschlossen. Einfach sei es nicht, den Zeitplan einzuhalten, bei mehr als zwei Kindern nahezu unmöglich. Gasser ist daher froh, dass sein Esel ein VW ist. «Eselknuddeln inklusive wäre der Zeitverlust noch grösser.»

Besinnliche Feier oder TV-Abend

Es sind tiefe Einblicke, die Bruno Gasser, der seit jeher bewusst als Samichlaus mit Kapuze und nie als St. Niklolaus mit Bischofsmütze unterwegs war, in den Familien erhält. Bereits die Atmosphäre, die ihn empfange, sei völlig unterschiedlich. Bruno Gasser erzählt von Kerzenlicht, gedeckten Tischen, leiser Musik und geladenen Gästen – Familien, die den Chlausabend als Fest zelebrieren. Aber auch von Orten, wo die Hektik des Alltags spürbar sei, wo der Schmutzli schon den Fernsehstecker habe ziehen müssen.

Oft wird der Samichlaus beschenkt

Ausgesprochen stimmungsvoll, obwohl für ihn problematisch, findet Bruno Gasser die Outdoor-Chlausfeiern im Garten oder im Wald: «Nur, ich muss hernach weiter, zur nächsten Familie: mit rauchgeschwängertem Gewand und schmutzigen Schuhen».

Über all die Jahre gleich geblieben seien die Kinder, sagt Bruno Gasser. Da gebe es die ängstlichen Sprosse, bei denen viel Fingerspitzengefühl gefragt sei; aber auch kleine Frechdachse, die ihre Skepsis mit übertriebener Coolness überspielten. Mit wirklich schwierigen Situationen konfrontiert oder erkannt worden sei er jedoch nie. Dafür habe er Überraschungen zuhauf erlebt. Einige Kinder hätten Sprüchli, Lieder oder Instrumentalvorträge einstudiert, andere Guetzli gebacken, gezeichnet oder für ihn gebastelt: «Dass der Chlaus beschenkt wird, das gab es früher nicht.»

50 Jahre im roten Gewand – eine lange Zeit. Gasser macht das Chlausen noch immer Freude. Und er will weitermachen: «Solange ich den Weg schaffe, die Letter im Buch des Lobes und Tadels noch ohne Brille entziffern kann.» Und, er will auch weiter Theater spielen. Erstmals seit 20 Jahren steht er heuer nicht auf der Bühne. Stattdessen sitzt er als Flüsterer im Souffleurkasten.

Hinweis

Bruno Gasser und seine Berufskollegen sind am Dienstag, 5., und am Mittwoch, 6. Dezember, unterwegs. Anmeldungen unter Telefon 071 944 13 17.

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